Darum ist jede Stimme wichtig
Bundestagswahl: Keine Ausreden

Der zeitliche Aufwand hält sich in Grenzen. Bei der Bundestagswahl müssen die Wähler nur zwei Kreuze auf dem Stimmzettel machen und diesen gefaltet in die Urne befördern. Mit der Erststimme wählt man einen Kandidaten aus seinem Wahlkreis. Die Zweitstimme entscheidet über die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag. Bild: Petra Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
14.09.2017
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Wolfgang Wolters, Chef des Max-Reger-Gymnasiums, plädiert für den Gang ins Wahllokal. Bild: Huber

"Es wird sich doch sowieso nichts ändern." So oder ähnlich lautet bei Politik-Verdrossenen die Antwort auf die Frage, ob sie zur Wahl gehen. Doch faule Ausreden gelten nicht. Mehrere Amberger erklären, warum es aus ihrer Sicht unerlässlich ist, am Sonntag, 24. September, seine Stimme abzugeben.

Allen voran plädiert OB Michael Cerny für eine rege Beteiligung an der Bundestagswahl. Das Kreuzchen trage zur Gestaltung der Gesellschaft bei: "Wer glaubt, dass seine Stimme nicht bedeutsam ist, der stärkt letztlich die Gruppierungen, die weit weg von den eigenen Wertvorstellungen sind." Er würde sich freuen, wenn möglichst viele Amberger am 24. September ein Wahllokal aufsuchen: "Sie zeigen damit, dass unsere Demokratie lebt und dass uns das Recht zu wählen wichtig ist."

Georg Baumann, Chef der Firma Baumann Automation, teilt die Cerny-Ansichten. Wer sich bei der Wahl enthalte, überlasse die Politik den anderen. "Die eigenen Ansichten werden sicherlich von keiner Partei vollkommen abgebildet", räumt der Amberger Unternehmer ein. Dennoch könne jeder den generellen Kurs beeinflussen. Er richtet einen Appell an alle Wahlberechtigten: "Gehen Sie wählen! Die politische Richtung hat Auswirkungen auch auf unser Leben hier in Amberg."

Stärkung der Demokratie

"Wir können uns freuen, in einem Staat zu leben, in dem jeder Bürger frei wählen kann", findet Karoline Gajeck-Scheuck, Pressesprecherin der Amberger Stadtwerke. Der Gang zur Urne ist für sie unabdingbar. "Auf Dauer kann eine Demokratie nur mit mündigen, zum Wählen bereiten Bürgern funktionieren." Alle, die am Wahlsonntag verhindert sind, fordert sie dazu auf, im Vorfeld von der Möglichkeit Gebrauch zu machen, seine Stimme per Brief abzugeben.

Bernhard Saurenbach, Vorsitzender der Amberger Tafel, bezeichnet die Teilnahme an der Bundestagswahl sogar als Bürgerpflicht. Er weist auf ein Thema hin, mit dem sich die Politik seit langem beschäftigt: "Die reichsten zehn Prozent der Haushalte besitzen mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens, die untere Hälfte besitzt zusammengenommen nur ein Prozent." Auch in den über 900 Tafeln sei dieses Problem jeden Tag sichtbar. Vor der Wahl wirft Saurenbach die Frage auf: "Welcher Partei gelingt es, die Schere zwischen Arm und Reich zu verkleinern?"

Wählen gegen Populismus

"Mit Sorge stelle ich fest, dass in den umliegenden Ländern immer weniger Demokratie gelebt wird, und auch in Deutschland formieren sich derzeit zunehmend populistische Strömungen", gibt Wolfgang Wolters, Leiter des Max-Reger-Gymnasiums, zu bedenken. "Es ist ein Geschenk, dass wir in einer Demokratie leben." Dem Lehrer ist es ein besonderes Anliegen, dass auch junge Wähler die Chance nutzen, an der Gestaltung ihrer Lebensumwelt teilzunehmen. Er wünscht sich von Jugendlichen, dass sie sich aktiv über Politik informieren, vor allem durch seriöse Nachrichtensendungen und Zeitungen.

Um die Frage zu beantworten, warum es wichtig ist, zur Wahl zu gehen, zieht Eckhard Henscheid den Titel der soeben erschienenen Zeitschrift Cato heran: "Wenn alle wählen, was keiner will." Dennoch sei es wichtig, oder zumindest nicht verkehrt, sich an der Wahl zu beteiligen. "Nämlich um herauszubringen, wohin in der Wahlkabine im letzten noch unentschlossenen Moment der Stift zum Ankreuzen sich senkt." Was das Wahlergebnis angeht, zeigt sich der Autor und Schriftsteller sehr interessiert: "Also, ich bin wirklich gespannt, was da diesmal rauskommt."

Seniorin nutzt Briefwahl

Karola Bender lebt im Bürgerspital und hat ihre Stimme bereits per Brief abgegeben. "Dazu habe ich auch die anderen Heimbewohner animiert", erzählt die 87-Jährige. Lange Zeit war sie Wahlhelferin in verschiedenen Amberger Stadtteilen. Selbstverständlich sei sie ihr Leben lang regelmäßig zum Wählen gegangen: "Es gehört einfach dazu. Meine Stimme ist genauso viel wert wie die aller anderen." Bevorzugt wählt die Rentnerin eine der großen Parteien, die ihrer Meinung nach die Möglichkeit haben, wirklich etwas zu verändern. Ein wichtiges Anliegen sind ihr die begrenzten Kapazitäten der Seniorenheime: "Es fehlen viele Plätze." Außerdem verweist sie auf Länder, in denen die Menschen keinen Einfluss auf die Politik haben. "Seid froh, dass ihr wählen dürft, nutzt euer Recht."

In einem ganz anderen Lebensabschnitt befindet sich Magnus Dunskus. Mit seinen 20 Jahren nimmt er in diesem Jahr zum ersten Mal an der Bundestagswahl teil. "Wer als Erstwähler mit der CSU sympathisiert, kann sich den Luxus leisten, am 24. September zu Hause zu bleiben. Alle anderen sollten wählen gehen", meint der Student. Für ihn ist es besonders wichtig, dass vor allem junge Leute die Wahllokale aufsuchen. Alle, die dazu keine Motivation finden können, warnt er: "Die Konsequenzen der Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, muss insbesondere die jüngere Generation tragen." Als Beispiel führt er den Brexit an, gegen den die meisten Jungen gestimmt haben. Jetzt, wo er beschlossene Sache sei, müssten sie ihn ausbaden.

Die evangelische Pfarrerin Heidrun Bock verweist auf das Neue Testament, aus dem der Auftrag hervorgehe, für das Gemeinwohl einzutreten, und das nicht nur im Gebet. "Dazu gehört auch, die Stimme bei der Wahl für eine demokratische Regierung, die für die Menschenrechte und -würde eintritt, abzugeben", fügt sie hinzu. "Das freie Wahlrecht, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Bildung, Hautfarbe und Religion, halte ich für eine der stärksten Säulen der Demokratie. Weltweit gesehen ist es immer noch ein Luxusgut."
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