Das Bundestagswahl-Zahlenrätsel

(Foto: Boris Roessler/dpa)
Politik
Amberg in der Oberpfalz
21.08.2017
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Eigentlich ist so eine Wahl ja ein einfaches Geschäft: hingehen, Kreuzchen machen, freundlich "Auf Wiedersehen" sagen, fertig. "One man, one vote", und so, wie das an der Wiege der modernen Demokratie hieß, also "ein Mann, eine Stimme". Bloß sind diese Zeiten längst vorbei. Nicht nur weil seit rund 100 Jahren auch die Frauen wählen dürfen. Das hat die Geschichte aber nicht wirklich komplizierter gemacht. 

Es ist vielmehr die eigentümliche Mischung aus Mehrheits- und Verhältniswahlrecht, die wir in Deutschland haben. Jetzt sollte der Bürger den Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimme kennen. Diese Doppelung macht nicht nur den Auszählern das Leben schwer, sondern auch den Auswertern. Die müssen sich, wenn alle Stimmen ordentlich verzeichnet sind, noch mit Überhang- und Ausgleichsmandaten rumschlagen. Dadurch kann die Zahl der im Bundestag zu vergebenden Sitze noch ganz plötzlich anschwellen. Das weiß man aber schon länger. Überraschend ist dagegen für den Laien, dass es so ein ruckartiges Anwachsen der Zahlen, die man für gegeben hält, auch schon im Vorfeld der Wahl gibt. Konkret: bei den Stimmzetteln. Denn wenn man hört, dass es am 24. September im Wahlkreis Amberg rund 220 000 Wahlberechtigte gibt, nimmt man an, dass auch so viele Stimmzettel gedruckt werden. Reicht ja locker, weil nie alle zur Wahl gehen. Beim letzten Mal waren es in der Region ziemlich genau 70 Prozent Wahlbeteiligung.

Doch das ist falsch gedacht: Tatsächlich werden fast 250 000 Stimmzettel gedruckt. Warum? Der stellvertretende Kreiswahlleiter Martin Schafbauer kann es erklären: Ein Stimmzettel pro Wahlberechtigtem ist ohnehin vorgeschrieben. Dann braucht man noch einige Reserve-Exemplare, etwa wenn sich jemand verschrieben hat, und ein paar für Aushänge, Öffentlichkeitsarbeit oder Bildungsarbeit an Schulen. Fehldrucke und etwaige Verluste durch Wasserschäden oder ähnliches sind auch mit eingerechnet.

Dazu kommt dann noch die Auslieferungsmethode: Die Wahllokale werden in 100er- oder 1000er-Bündeln beliefert. Wo es 630 Wahlberechtigte gibt, bringt man also 700 Stimmzettel hin. Und schließlich noch eine wirtschaftliche Überlegung: Der Nachdruck von Stimmzetteln ist so teuer ("wenn man überhaupt noch das richtige Papier bekommt"), dass man lieber gleich ein paar Prozent mehr bestellt.

Die Verantwortlichen gehen also auf Nummer sicher, können damit vor der Wahl gut schlafen, sitzen aber hinterher wahrscheinlich auf einem größeren Berg von Stimmzetteln. Ein Fall für die Altpapiersammlung? Keineswegs. Die städtische Drucksachenstelle produziert Notizblöcke daraus, und den größeren Teil bekommen Kindergärten als Malpapier. Dort sind die Stimmzettel übrigens sehr populär. Die Mitmachquote beim Bemalen liegt, wie man hört, bei deutlich über 70 Prozent.
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