04.07.2017 - 16:38 Uhr
Oberpfalz

Dr. Mathias Hensch findet fast vollständig erhaltenes Hügelgrab Schon die Kelten lebten hier

Wie heißt die Steigerung von Sensation? Wenn es um die Ausgrabungen auf dem Gelände des Bürgerspitals geht, dann wohl: Hügelgrab. Ein fast vollständiges aus dem 6. Jahrhundert vor Christus haben die Archäologen jetzt beim ehemaligen Ring-Kino gefunden.

Sehr schön ist aus der Vogelperspektive das keltische Hügelgrab zu sehen, das die Archäologen jetzt auf dem Bürgerspitalgelände gefunden haben. Zwar ist der Hügel inzwischen abgetragen, das Grab selbst aber ziemlich unversehrt. Bild: Gerhard Gresik
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Für Mathias Hensch, der sich mit seinem Team Schicht für Schicht in die Amberger Geschichte gräbt, ist der Fund eine große Freude. Eine Überraschung aber eigentlich nicht. Denn genau so, wie die Archäologen Stück für Stück etwas tiefer in die Historie gelangen, blättert sich vor ihrem geistigen Auge ein buntes Bilderbuch der Amberger Stadtentstehung auf.

Es dürfte wohl um das Jahr 1000 vor Christus gewesen sein, als die Kelten am Beginn der Eisenzeit an den Ufern der Vils fündig wurden: Gehaltvolles Eisenerz lagerte dicht unter dem Sandboden, es war leicht zu bergen und schnell zu verarbeiten. Direkt vor Ort fingen sie an, den wertvollen Rohstoff zu verhütten, schon bald entstand eine kleine Siedlung, die im Laufe der Jahre anwuchs. "Heute würde man wohl vom Standortvorteil sprechen", sagt Mathias Hensch mit Blick auf die direkte Wasseranbindung des Dorfs und ihrer Lage an den damals schon vorhandenen großen Handelswegen.

Hügelgrab der Kelten

Wo Menschen leben, sterben sie auch und werden begraben. Die Kelten, dieses geheimnisvolle Volk, das aus dem Dunkel der Geschichte aufgetaucht ist, pflegten ihre Verblichenen - zumindest, wenn sie von Stand waren - in großen Steinhügeln zu bestatten. Im Bereich der Spitalkirche hat das Archäologenteam ja bereits vor einigen Wochen die Reste eines solchen Grabhügels gefunden, der aber bereits im frühen Mittelalter fast völlig zerstört worden ist. Dort fanden sich noch Spuren der Asche von den Toten, die dort nach ihrer Verbrennung bestattet worden sind.

Nur wenige Meter weiter stießen die Ausgräber auf einen keltischen Grabhügel aus der Zeit zwischen 630 und 580 vor Christi Geburt, wie Hensch grob schätzt - man bezeichnet diese vorrömische Eisenzeit zwischen 800 und 450 vor Christi Geburt übrigens als Hallstattzeit.

Der Hügel selbst wurde zwar schon im Mittelalter abgetragen, das Grab selbst ist jedoch ungestört. Die Grabkammer ist zur Zeit noch von einer mächtigen Steinpackung überdeckt, wie Hensch auf seinem Facebook-Eintrag schreibt. Der Hügel war von einem im Durchmesser etwa 13 Meter großen Steinkreis eingefasst, der sich zum Teil sehr schön erhalten hat. Im früheren Mittelalter grub man zwar einige der großen Steine des Steinkreises aus, um sie wiederzuverwenden, doch ist das Grab im Kern noch vollständig erhalten.

"Ich glaube, man hat zuletzt in den 80er Jahren ein komplettes Hallstattgrab ausgegraben", sagt Hensch nicht ohne Stolz. Der sich in den kommenden Wochen mit seinen Leuten wieder akribisch durch diesen Fund arbeiten wird - was er natürlich vor allem für historisch interessierte Menschen ist. Denn die sehen hier den Beginn einer langen Stadtgeschichte, die nach Einschätzung von Mathias Hensch beginnend von der Hallstattzeit bis zum heutigen Tag nicht abgerissen ist.

Eisen als Grund

Das lässt sich auch archäologisch ganz gut belegen. Denn in der Nähe des neu gefundenen Hügelgrabs deuten Pfostenlöcher darauf hin, dass hier bereits im frühen Mittelalter ein größerer Eisenbetrieb bestand, der die keltische Tradition wohl nahtlos aufgenommen hat. Die Siedlung der zunächst keltischen und dann frühmittelalterlichen Menschen verortet Hensch im Bereich der Martinskirche. Dort, wo heute der Marktplatz ist. "Hier dürften auf Basis des Eisens ab der Hallstattzeit Wirtschaftsstrukturen entstanden sein", so vermutet der Archäologe.

Damit dürfte die erste urkundliche Erwähnung von Amberg im Jahr 1034 bereits auf eine Reihe von sehr lange bestehenden Privilegien basieren. Amberg, so die Einschätzung der Archäologen, kann grob geschätzt auf eine Geschichte zurückblicken, die sich ohne Unterbrechung über die vergangenen 3000 Jahre hinzieht.

Heute würde man wohl vom Standortvorteil sprechen.Archäologe Mathias Hensch zum Grund, warum sich die Kelten im heutigen Amberg angesiedelt haben
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