20.03.2018 - 14:30 Uhr

Ex-Stadtrat Matthias Schöberl zerpflückt bei Josefifeier Stadtpolitik Cernys Montessori-Pädagogik

Trump, Merkel, Seehofer und Söder - sie kommen alle schlecht weg, wenn Matthias Schöberl zum verbalen Rundumschlag ausholt. Bei der Josefifeier im Winkler-Bräu schießt er sich aber verbal vor allem auf die Amberger ein: Oberbürgermeister, Verwaltung und Stadträte. Schöberl legt seine Finger dabei in viele Wunden.

Matthias Schöberl liest den Stadt-Oberen die Leviten.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Josefi - das heißt, dass nicht nur alle Josefs, Seppen und Josefinen Namenstag haben. Das bedeutet auch, dass Starkbierzeit ist und der Ex-CSU-Stadtrat Matthias Schöberl in die Rolle von Bruder Barnabas schlüpft. Am Montagabend machte der 42-Jährige bei seinem siebten Winkler-Auftritt aber eine Ausnahme und gab im Jahr nach dem Reformations-Jubiläum standesgerecht mit Barett auf dem Kopf den Luther-Zeitgenossen Dr. Martinus. Und der war über eine Stunde lang genau so, wie Hausherr Max Winkler in seiner Begrüßung den ausgeschenkten Doppelbock mit fast acht Prozent Alkoholgehalt beschrieben hatte: "Ziemlich hinterfotzig."

Nach dem Ausflug in Welt-, Bundes- und Landespolitik knöpfte sich Schöberl "die Amberger Sozialbürokratie" mit ihrer "Chef-Fraktioneuse" Birgit Fruth vor. Sie habe "die Provinzausgabe des neuen Politikertyps" als möglichen OB-Kandidaten präsentiert: Uli Hübner. Schöberl habe sich umgehört: "Er kann gut alle einbinden. Heißt: Er hat sich immer fein rausgehalten und keinen in der Partei mit einer eigenen Meinung verschreckt. Zweitens setzt man auf sein immer noch jugendliches Aussehen. Drittens war's das." Der moderne Politboy sei in Amberg angekommen: "Schau'n wir mal, ob sich die Ambürgerinnen behübnern lassen."

Hübner und Cerny

Der OB sei da ein anderer Typ Mann: "Unser Oberbürgermeister setzt dagegen auf die Erfahrung, dass auch Teddybären nicht so schnell von der Bettkante geschubst werden. Und vielleicht mit Recht, denn immerhin leben wir in der Welthauptstadt des Dotsches." Mit Blick auf den in der ersten Reihe des voll besetzen Wirtshauses sitzenden Michael Cerny sagte Schöberl: "Es geht auch schon einfach alles schief, Herr Oberbürgermeister. Eine schlechtere Presse haben in Amberg ja nur die Hunde." Der Redner konzentrierte sich dann auf Themen, die für Schlagzeilen und unzählige Leserbriefe sorgten. Beispiel Marienstraße: "Ab sofort verlangt dort der Betreiber des bisher unsichtbaren Parkhauses Parkgebühren. 60 Cent. Und die Ambürger reagieren geschockt." Also führe Cerny eine Kulanzphase ein. Wie bei den als Kundenstopper bekannten Werbe-Aufstellern in der Altstadt: "Herr Cerny, ich vermute, Sie haben intern bei der Entwicklung des Areals Bürgerspital/Neue Münze-Forum auch eine Kulanzphase eingeräumt, oder? Langsam entwickelt sich das Projekt zum Stuttgart 21 an der Vils. Wir haben sogar eine eigene Stuttgart-21-Bewegung, die von Pensionisten und Rentnern getragen wird. Hüttners Helfer." Die seien gegen alles Mögliche, aber vor allem gegen die Tiefgarage. Schöberl schränkte ein: "Eine Tiefgarage wäre schon okay. Sie soll halt nur keine Einfahrt haben."

Das eigentliche Problem Ambergs sei aber das Erwartungsmanagement: "Hat die Stadt mehr versprochen, als sie halten kann?" Danach ging es Schlag auf Schlag mit der Kritik an den Stadtoberen weiter: "Der Donald Trump und der Kim Jong-un reden ja jetzt wieder miteinander. Das würde Gewerbebau und Baureferat nicht passieren." Die gesamte Stadtverwaltung sei ein Haifischbecken: "Dort herrschen Umgangsformen wie im Hochsicherheitstrakt eines US-Gefängnisses. Und dann kommt der Cerny mit seiner Montessori-Pädagogik daher." Dr. Martinus wurde noch deutlicher und sprach Michael Cerny direkt an: "Ab sofort verlassen wir uns auf Sie, Herr Oberbürgermeister. Die Reformation beginnt an der Spitze. Die Treppe muss von oben gekehrt werden." Auch auf das Verhältnis zwischen Amberg und dem Landkreis kam Schöberl zu sprechen: "Finde ich großartig, dass man dieses Nichtverhältnis der beiden Gebietskörperschaften so freundschaftlich gestaltet." Doch Dr. Martinus hatte eine Befürchtung: "Dadurch, dass jetzt die letzten Soldaten aus Amberg abgezogen wurden, sind wir ja dem Landkreis völlig schutzlos ausgeliefert." Vielleicht sollte der OB damit beginnen, Kümmersbruck zu erobern. Oder besser noch: Ursensollen, den künftigen Sitz der Grammer-Zentrale: "Bevor der Mädler auch noch die Atombombe hat! Ja, was glauben Sie, was da dauernd gebaut wird? Diese Industrie- und Gewerbemegalomanie dient doch nie und nimmer zivilen Zwecken. Das Planetarium ist in Wahrheit eine Abschussrampe."

Schwartz und Söder

Verfahren wie die Situation nun mal sei, könne nur CSU-Landtagsabgeordneter Harald Schwartz helfen. Bei ihm sei in jüngster Zeit etwas aufgefallen - die Nähe zum Landesvater: "Der Schwartz hat sich endgültig verliebt - in den Markus Söder. Haben Sie das Bild gesehen in der Amberger Zeitung? War das nun vorher oder nachher? Vor oder nach der körperlichen Vereinigung der beiden? Wirklich, dieser Blick. Wie ein Pennäler kurz bevor das Dienstmädchen von gegenüber sein Hemdchen hebt." Vielleicht gelinge es Schwartz ja, Karriere zu machen: "Nicht auf einem Ministerposten, aber wenigstens auf einem Platz ganz nah am Markus. Wenn der zum Beispiel nächstes Jahr in Veitshöchheim als Zebra geht, und jemanden braucht, der das Hinterteil . . . ." Dann wäre Schwartz "zumindest von der Körperhaltung her in der allerbesten Ausgangsposition".

Sprüche

Über die Entstehung der Welt: "Am Anfang schuf Trump Amerika. Und er sah, dass es great war. Und er zog einen Zaun um das ganze Land."

Über die Bundes-SPD: "Da wir uns ja mit alternden Gesellschaften auskennen, wissen wir, dass es nichts Ungewöhnliches ist, wenn diese alte Partei jetzt auf der Palliativstation angekommen ist."

Über Frankreichs Präsident Macron: "Der hat auch noch seine scharfe Lehrerin geheiratet."

Über die Jusos im Bund: "Angeblich wurde ja jedem, der sich im Kampf gegen die Große Koalition opfert, eine Jungfrau im Paradies versprochen. Jetzt bekommen sie immerhin Andrea Nahles."

Über Angela Merkel: "Vermutlich liegt das Problem darin, dass die Frau Bundeskanzlerin die letzte gute Idee hatte, als sie 2002 den Friseur wechselte."

Über Grünen-Stadtrat Klaus Ebenburger: "So lange er in der Nähe ist, braucht es keine AfD, um das Niveau der politischen Auseinandersetzung auf Null zu senken."

Zu Grünen-Stadtrat Hans-Jürgen Bumes: "Der polnische Ex-Außenminister titulierte seine EU-Partner als durchmischte und durchrasste Vegetarier und Radfahrer. Der spricht von Ihnen, Herr Bumes."

Über die CSU-Spitze: "Der Söder war zu schwach, den Horst einfach abzuräumen. Und der Horst war wiederum zu schwach, den Söder zu verhindern." (tk)

Schau'n wir mal, ob sich die Ambürgerinnen behübnern lassen.Matthias Schöberl alias Dr. Martinus über Uli Hübner, den designierten OB-Kandidaten der Amberger SPD
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