Fastenprediger Matthias Schöberl liest Amberg und dem Rest der Welt die Leviten
Von Pest, Gift und Totengräbern

Nein, er ist kein Clown und die Narrenkappe setzte er auch nur auf, um zu Beginn seiner Fastenpredigt gegen die "Helauisierung - Alaaf u Akbar" bayerischer Sitten a là Veitshöchheim zu protestieren. Nicht nur die Seppen forderte Bruder Barnabas alias Matthias Schöberl am Josefstag augenzwinkernd auf, sich dagegen zu wehren. Bilder: Steinbacher (2)
Politik
Amberg in der Oberpfalz
20.03.2017
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Amberger Bunt kann auch über sich selber lachen (von links): Michael C. Geiss, Werner und Petra Konheiser.
 
Viel gelacht und geklatscht haben alle - vom Brauereichef Josef Winkler (links hinten) über die SPD-Vertreter (am Tisch vorne) und die CSU-Riege (zweite Reihe dahinter) bis zu den anderen Parteien und Gruppierungen im Stadtrat. Aber auch viele Bürger waren gekommen, um sich in der vollen Brauereigaststätte zu amüsieren und zu feiern.

Donnernder Applaus für ein Gewitter aus Kritik, Spott und Humor: Bruder Barnabas alias Matthias Schöberl ließ bei seiner Fastenrede zur Josefifeier Geistesblitze zucken, die Amberg und den Rest der Welt erhellten. Die, die sie trafen, waren elektrisiert, alle anderen schütteten sich aus vor Lachen ob der prasselnden Schauer mit Wahrheitsgehalt.

Auch wenn er manches bei diesem traditionellen Event der Brauerei Winkler in deren Gaststätte überspitzte und durch den Kakao zog, vieles was Schöberl thematisierte, traf des Pudels Kern. "Die CSU kuschelt zu wenig mit der SPD", ordnete er eine jüngst von der sozialdemokratischen Fraktionchefin via AZ veröffentlichte Klage ein und zitierte Birgit Fruths Worte: "Die Augenhöhe der CSU rutscht bisweilen öfter unter deren Gürtellinie." Schöberls Antwort darauf: "Mag schon sein. Aber da haben Sie die Latte unter den Scheffel gestellt. ... Man soll sein Licht nicht vor dem Abend loben."

CSU und SPD weiter eins?


Und er setzte die Bitte drauf, die "Kooperation" mit der CSU nicht so schnell aufzugeben, schließlich stehen ja noch wichtige Ideen für Amberg an: "Eine Aussichtsplattform auf dem Mariahilfberg zum Beispiel. Und ein schwimmendes Café an der Schiffgasse. Oder ein Vilsbad an der Kräuterwiese - nach dem Motto: Mit der SPD geht Amberg baden."

Dem CSU-Fraktionschef riet Bruder Barnabas, an dieser Stelle nicht zu lachen, denn schließlich wolle Dieter Mußemann am Berg ein "Landschaftskino, zu dem man "früher einfach Parkbank sagte". "Und Sie wollen einen Kreisverkehr beim Pflegerkreuz, einen richtig fetten, den man vom Landschaftskino aus sehen kann. Oder von der Aussichtsplattform halt." Ein Beispiel für Barnabas, dass Rote und Schwarze in Amberg doch "ein Herz und eine Seele sind: Hanni und Nanni, Bernard und Bianca, Bonny und Clyde, ... Pest und Cholera". Natürlich griff der Fastenprediger neben viel Bundes- und Landespolitik auch das Amberger Loch auf, die geplante Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße.

"Chimäre und Ente" Trump


Die brachte er sogar mit Donald Trump in Verbindung, der ebenfalls sein Fett abbekam ("Diese Chimäre haben sie nach einer Ente benannt und im Weißen Haus ausgesetzt"). Bei Trump gehe es um den Untergang des Abendlands, bei der Garage um die letzte Rettung der Innenstadt.

Den "Wortschatz eines Gangster-Rappers" bescheinigte er Dieter Mußemann, als dieser Eberhard Meier - "derzeit Untermieter bei den Freien Wählern" - vorwarf, mit seiner Kritik an den Einfahrtsplänen "Gift" über das gerade aufgehende Pflänzchen Innenstadt-Belebung zu gießen. Deshalb sei Meier der "Totengräber" der City. Schöberls Wahrheit dazu: "Nein, Herr Mußemann: Wer Gift aussät, ist ein Mörder. Der Totengräber ist der, der das Loch aushebt." (Angemerkt)

HintergrundAuch oder gerade "in unseren unruhigen Zeiten" wollte Brauerei-Chef Josef Winkler "an der Tradition festhalten, den Namenstag unseres heiligen Josef zu feiern". Inklusive einer Freimass Doppelbock für alle Besucher des Fests, die Josef oder Josefine heißen. Dabei beging die Brauerei heuer auch das 400-Jährige ihres Braustandorts und die Verleihung des Braurechts für Weißbier 1617. Laut Geschäftsführer Maximilian Winkler war es der Winterkönig gewesen, der Amberg dieses Privileg gab, das vorher nur Königsstädte hatten. Und es war der hiesige Mönch Barnabas, der seinerzeit als Brauexperte nach München ging und dort den berühmten Salvator mit kreierte, freute sich Winkler. Noch besser fand er: Danach kehrte Barnabas heim nach Amberg. Seit fünf Jahren wird er hier in der Rolle von Matthias Schöberl (oder umgekehrt?) "von Jahr zu Jahr besser" mit seinen Auftritten, attestierte Winkler.

Beiß, Barnabas! - Angemerkt von Thomas AmannEins kann man Matthias Schöberl nicht vorwerfen: Dass er als CSU-Anhänger nur die SPD und die Opposition abwatsche und die eigene Partei schone. Ganz im Gegenteil: Mit ihr ging er ebenso hart ins Gericht, wenn er zum Beispiel die christsoziale Union mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde vergleicht. Weil alle das Monster sehen wollten, "spiegelt die CSU den schwarzen Abgrund unserer Seele wider".

Auch Ministerpräsident Seehofer, CSU-Fraktionschef Dieter Mußemann und Bürgermeister Martin Preuß behandelte Barnabas nicht zimperlich - selbst Alt-OB Dandorfer bekam im Gegensatz zum amtierenden Michael Cerny Spitzen ab, als Schöberl von der "Verwolfgangung" mancher Themen sprach - Motto: "Macht's, was wollt's, mir is wurscht." CSU-Kreischef Stefan Ott kam nicht besser weg, als der Fastenprediger dessen Aussage zitierte: "Es steht 50:50 - aber für uns." Das ist der CSU-Dreiklang, ätzte Schöberl: "Nix denken, nix schenken, ois nehmen."

Vor allem Betroffene werden jetzt wieder behaupten, Schöberl hat wohl noch alte Rechnungen aus seiner Zeit als kritischer und eher aufmüpfiger CSU-Stadtrat offen. Oder ist der Mann ganz einfach schon immer kritisch und schaut als Historiker und Journalist, der er zuletzt immerhin beim ZDF war, genauso hin? Kritisch und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Exakt das fordern wir doch derzeit als hohes Gut der Demokratie ständig ein: Freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit als kritisches Kontrollinstrument der Mächtigen. Jeder gute Demokrat hält das aus. Deshalb: Beiß weiter, Barnabas, und fördere oder fordere diese Kultur - gerade auch in Amberg.

Zitate


Die Leute wollten gar kein Foto von Frau Netta mit ihrem neckischen Hütchen machen. Sie dachten, das sei ein Pokémon, das man einfangen muss.
(Barnabas zum vielfach per Handy fotografierten Hut der Bürgermeisterin am Neujahrsempfang)

Nach seiner Wahlwatschn sagte der Baureferent in der AZ, er hätte sich gewünscht, dass die Stadträte professioneller rangegangen wären. Auf gut Deutsch: Die Stadträte san unprofessionell.

Ich finde, der Kühne macht das absolut richtig: Er behandelt den Stadtrat so, wie die Bürger vom Bauamt behandelt werden. Damit sie das auch mal merken.

So ist das: Erst bewundern alle Vögel das Kleid des Pfaus, dann kommt der Neid und sie rupfen ihm die Federn aus.

Und der Dersch feiert Geburtstage in Italien ...
(Auch Kultur- und Baureferent nahm Barnabas aufs Korn)
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