14.03.2018 - 11:34 Uhr

Flüchtlinge und ihre Alltagsprobleme Wegen Job in Amberg zurück ins Asylbewerberheim

Rassismus sei das kleinste Problem. So lautet der Tenor beim Erzählcafé, das während der internationalen Woche gegen Rassismus geöffnet hat. Migranten und Einheimische sprechen über ihren Alltag und stellen fest, dass sie häufig dieselben Probleme haben.

Alltagsgeschichten über Wohnungssuche, Praktika und Integration: Asyl-Sozialberaterin Anne Kuchler und Migranten-Beraterin Sylvia Benjamin (von links) versuchen, Deutsche und Ausländer ins Gespräch zu bringen. Bild: dwi
von Dagmar WilliamsonProfil

"Zu behaupten, Rassismus gebe es nur in Deutschland, ist einfach falsch", lautet der Ansatz des syrischen Studenten Ahmad, der ist seit etwas mehr als zwei Jahren in Amberg lebt. Hier sei er noch nie direkten Anfeindungen ausgesetzt gewesen. In Damaskus hingegen hätten er und seine Freunde sich im Scherz gegenseitig gemobbt, in Form von rassistischen Bemerkungen. Nie in der Öffentlichkeit - da hätten sie mit öffentlichen Konsequenzen rechnen müssen. "So wie in der DDR, wo jeder den anderen bespitzelt hat."

Auch die anderen Gäste im Erzählcafé bestätigten, dass sie bisher noch nicht mit rassistischen Äußerungen konfrontiert worden seien. Außer im Flüchtlingsheim. Das Problem liege viel mehr in der indirekten Form der Diskriminierungen. Wie zum Beispiel bei der Wohnungssuche. "Viele Vermieter wollen keine Ausländer," sagte Anne Kuchler, die Asyl-Sozialberaterin der Caritas. Ein gebürtiger Russe ergänzte: "Aber das sind auch die, die keine Kinder und Tiere wollen." Ein anderer Teilnehmer des Treffens brachte es aus seiner Sicht auf den Punkt: "Und wenn man keine Wohnung hat, bekommt man auch keine Arbeit." Liest ein potenzieller Arbeitgeber die Adresse eines Asylantenheimes, habe der Ausländer plötzlich gar keine Chance mehr.

Abdul-Rahman sucht seit zwei Jahren eine Single-Wohnung. Er arbeitet im Moment bei der Grammer AG im Schichtdienst. Zwar hatte er eine Bleibe in Ensdorf, aber es gehe kein Bus, damit er pünktlich zur Frühschicht in der Arbeit sein kann. So sei ihm nichts anderes übriggeblieben, als zurück ins Heim zu ziehen. Das größte Problem der Integration sei vielmehr, Anschluss zu finden.

Hawi war nach ihrer Ankunft aus Äthiopien zuerst in Zirndorf, dann in Parsberg untergebracht. Jeder sei ihm gegenüber freundlich und aufgeschlossen gewesen. Aber: "In Amberg hatte ich kaum Kontakt zu Deutschen, außer sie waren ehrenamtliche Helfer." Jetzt arbeitet die 24-Jährige zwar in einer Bäckerei und die Kunden seien höflich, aber darüber hinaus bestehe kein Kontakt. Eine Krankenschwester aus Sulzbach-Rosenberg nickte an dieser Stelle der Erzählungen. Auch sie habe nach der Rückkehr in ihre Heimat Probleme gehabt, Freunde zu finden. Eine einheimische Gärtnerin, die die Wochenenden lieber in Weiden verbringt, pflichtete bei: "Amberger sind ein wenig eigenbrödlerisch." Der Beruf habe sie vor fast vier Jahren in die Stadt gebracht und sie kenne immer noch niemanden - außer ihre Arbeitskollegen und die Flüchtlinge aus der Nachbarschaft. Eine Lösung sei aber schwer zu finden, denn man könne das Kennenlernen und eine Freundschaft nicht erzwingen.

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