Fragezeichen um Tiefgaragenausfahrt
Mammutsitzung des Bauausschusses

Um die Pläne des Investors Ten Brinke links und rechts der Spitalkirche voranzubringen, müssen formale Beschlüsse gefasst werden. Der Stadtrat wird in seiner nächsten Sitzung am Montag, 10. Juli, sowohl über die Bebauung des Bürgerspitalareals als auch über Abbruch, Neubau und Teilsanierung des ehemaligen Storg-Komplexes entscheiden. (Foto: Georgi)
Politik
Amberg in der Oberpfalz
29.06.2017
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Was für eine Mammutsitzung: Fast sieben Stunden beschäftigten sich die Mitglieder des Bauausschusses mit ihrer Tagesordnung. Darauf fanden sich die größten Projekte in der Altstadt: das Bürgerspitalareal und der Abbruch des Ex-Kaufhauses Forum. Doch entscheiden muss der Stadtrat.

Grund dafür waren versäumte Fristen, die es unmöglich gemacht hatten, dem Gremium inhaltliche Details vorab vorzulegen. Erst in der Sitzung erhielten die Bauausschuss-Mitglieder die Planungen, die Grundlage für weitere formale Schritte (Auslegungsbeschluss für das Bebauungsplanaufstellungsverfahren) sind. Ohne in ihren Fraktionen darüber diskutiert zu haben, wollten die Mitglieder keine Empfehlung an den Stadtrat abgeben, weshalb die komplette Diskussion in die nächste Sitzung am Montag, 10. Juli, vertagt wurde. So ganz wollten sie die Pläne aber dann doch nicht unkommentiert stehen lassen. Immerhin gab es eine Überraschung: Die Ausfahrt für die geplante Tiefgarage unter dem Bürgerspitalareal soll über den Spitalgraben erfolgen. Diese Lösung ist gegenüber einer bisher angedachten Ausfahrt entlang der Wirtschaftsschule in die Ziegelgasse nur etwa 35 Meter länger, entschärft jedoch einige Nutzungskonflikte. In der Beschlussvorlage wurden auch einige dieser Problematiken genannt: Kreuzungen des Ausfahrtsverkehrs mit Fußgängerzone, Schülerlaufwegen, Anlieferung Ten Brinke, Feuerwehr-Anfahrtswegen sowie die Verschärfung des Verkehrslärms in der bereits belasteten Ziegelgasse.

Oberbürgermeister Michael Cerny betonte, dass mit den vorliegenden Planungen "Wettbewerbsergebnisse umgesetzt" worden seien. Die neue Ausfahrt war eine Version von mehreren Lösungsmöglichkeiten. Cerny: "Da es nicht exakt das war, was wir erwartet haben, müssen wir auch heute keine Empfehlung abgeben." SPD-Stadtrat Uli Hübner bezeichnete die Planungen bezüglich der Ausfahrt als "komplett neu". Stadtheimatpflegerin Beate Wolters empfand die Thematik "als Tischvorlage eine Zumutung". Das Areal sei "riesig" und sie ein "absoluter Gegner", holte sie zum Rundumschlag aus. Der setzte sich fort, als sich das Gremium mit dem geplanten Abbruch und Neubau der Bahnhofstraße 12 sowie der Entkernung und Sanierung der Bahnhofstraße 10 mit Erhalt der denkmalgeschützten Fassade (Storg-Immobilie) beschäftigte. Wolters sah in den Planungen "schwere Verstöße gegen das Ensemble Altstadt".

Sie beklagte, dass eine genaue Beschreibung der Nutzung des Erdgeschosses fehle, und kritisierte das Ignorieren der Altstadtsatzung. "Eingetragene Denkmäler werden zerstört", warnte Wolters, insbesondere in Hinblick auf geplanten Abbruch des Ostflügels (Innenhof). Oberbürgermeister Michael Cerny bezeichnete die Planungen als Kompromiss. Er verwies darauf, dass dieses Objekt lange Zeit auf dem deutschen Markt als "verbrannt" gegolten habe und die Investoren nicht Schlange gestanden hätten. (Angemerkt)

Zitate"Für uns ist es auch nicht lustig. Die letzten Unterlagen kamen vor zwei Tagen. Ich verstehe Ihren Unmut." Baureferent Markus Kühne zur kurzfristigen Tischvorlage

"Worin besteht eigentlich die Revitalisierung? Es fehlt eine genaue Nutzungsbeschreibung, die die Auslöschung der originalen Bausubstanz der Altstadt rechtfertigt."

"Im Innenhof wird der östliche Flügel abgebrochen. Das ist ein großartiger Platz in der Altstadt mit Atmosphäre. Der Abbruch ist ein nicht wiedergutzumachender Verlust." Stadtheimatpflegerin Beate Wolters

"Ich finde keinen, der das Ding baut und der vorher sagt, da kommt der Meier rein.

"Potenzielle Mieter brauchen einen Zeitplan, sie möchten Flächen wissen." OB Michael Cerny

"Ich möchte nicht die nächsten zehn Jahre erleben, in denen das Gebäude immer noch leer steht." Aydin Ayten (Amberger Bunt)

"Im Keller gibt es zwei Technikräume. Kann man da nicht noch zwei bis drei Autos reinstellen?" Aytens Kommentar zu den Plänen, was unterirdisch neben der Tiefgarage untergebracht ist.

Dicke Luft

Von Andrea Mußemann

So besonnen und harmonisch die Vielzahl der Ausschüsse im Normalfall abläuft. Bei dieser Sitzung redete sich das ein oder andere Mitglied gerne mal in Rage. Die proppere Tagesordnung erforderte Sitzfleisch. Knapp sieben Stunden tagte das Gremium - und am Ende konnten die wichtigsten Punkte nicht einmal entschieden werden.

Es gab ja so viele andere interessante Dinge zu besprechen: die Kostenexplosion beim Pioniersteg zum Beispiel. Der plötzlich im Bebauungsplan verschwundene Polizeibau am Bergsteig. Die per Gerichtsbeschluss geforderte Ordnung der Erschließungsproblematik Am Eichenhein. Wo doch jeder weiß: die Bebauung des Mariahilfbergs ist ein ganz sensibles Thema. Ebenso fanden die Stöckelschuhe von Michaela Frauendorfer (CSU) und Stadtheimatpflegerin Beate Wolters zum Thema Straßen- und Platzgestaltung in der Altstadt Erwähnung. Und dann erst die neuen coolen Sitzgelegenheiten, die total modern aussehen, im Ei verstreut werden sollen und zur Not auch vom Baureferenten und Klaus Mrasek (ÖDP) getragen werden könnten. Nicht mal diesen Tagesordnungspunkt wollte das Gremium einstimmig absegnen. Große Einigkeit? Das war gestern. Die dicke Luft vertrieb am Ende nicht einmal das geöffnete Fenster.

andrea.mussemann@oberpfalzmedien.de

Im Blickpunkt

20 000 Euro für Film über Ausgrabungen

Amberg. (roa) Seit der erste Knochen hinter der Spitalkirche gefunden wurde, gräbt das Team um den Archäologen Mathias Hensch immer mehr Zeugen der Stadtgeschichte aus. Da das Areal ja künftig mit Tiefgarage und Gebäuden bebaut werden soll, beschloss der Bauausschuss zur Erlebbarmachung der Geschichte des Areals eine filmische Dokumentation der Grabungsarbeiten. Dafür wurden 20 000 Euro bereitgestellt.
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