02.01.2018 - 19:46 Uhr
Oberpfalz

Fusion der Kliniken: Amberg und Amberg-Sulzbach kommen auf keinen gemeinsamen Nenner Knackpunkt Krankenhaus

Reibungspunkte - ja, schon. Aber einen Bruch im Verhältnis zwischen Amberg und dem Landkreis - den erkennen weder OB Cerny noch Landrat Reisinger. Doch beim Thema Krankenhaus-Fusion ist kein gemeinsamer Nenner in Sicht.

Das Klinikum St. Marien in Amberg. Im Jahr 2016 kamen hier rund 42 Prozent der vollstationär behandelten Patienten aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach, nur 29 Prozent aus Amberg. Bild: Hartl
von Markus Müller Kontakt Profil

Die AZ hat in den Gesprächen zum Jahreswechsel sowohl Cerny als auch Reisinger gefragt, wie sie die Zusammenarbeit bewerten. "Effizient und freundschaftlich", sagte der Landrat. "Wir können uns aufeinander verlassen und gehen ehrlich miteinander um." Bei Cerny hieß es: "Einen Bruch sehe ich nicht, ganz im Gegenteil." Es gebe eher immer mehr Zusammenarbeit. Aber auch einzelne Punkte, in denen sich der Landkreis einer Kooperation verschließe. Etwa bei der Gesundheitsregion plus: "Und wir sagen dann gegenüber dem Ministerium: Wir bespielen den Landkreis mit." Obwohl man meine, dass hier ein gemeinsames Vorgehen viel sinnvoller gewesen wäre. "Aber im Großen und Ganzen laufen die Themen positiv."

Außer eben bei der von Amberg gewünschten Fusion der Krankenhäuser. "Da fahren wir verschiedene Strategien", sagt Reisinger. "Aber nicht, um dem anderen zu schaden, sondern weil jeder in erster Linie seinen Patienten verpflichtet ist." Man habe einige Kooperationen mit dem Klinikum St. Marien, aber der Landkreis wolle derzeit keine Fusion, weil er auf die Sicherheit seiner Krankenhaus-Standorte Wert lege. Bei der Zusammenarbeit mit größeren Partnern komme man schnell in die Situation, dass man fragen müsse: "Was darf bei uns bleiben?" Wenn man aber umgekehrt wissen wolle "was kommt zusätzlich zu uns?", dann werde es für alle Seiten schwierig. In Reisingers Sicht sind zudem die Probleme der Kliniklandschaft "durch Fusionen nur bedingt lösbar".

Für Cerny dagegen bringen sie höhere Fallzahlen, die einem Krankenhaus nicht nur die nötigen Einnahmen bescheren, sondern auch das medizinische Angebot sowie die Attraktivität für Mediziner sichern. "Wir haben ein attraktives Haus" - das zeigen dem OB die Bewerbungen von Chefärzten. Damit das so bleibe, müsse man mit den Kliniken Nordoberpfalz in Weiden kooperieren. Das bringe beiden Seiten Vorteile. Etwa bei der Geburtsklinik, weil das Perinatalzentrum nur zusammen auf die erforderliche Fallzahl von 30 Frühchen im Jahr komme.

Reisingers Punkt, dass man sich nicht gegenseitig schade, sieht Cerny etwas anders: Die Zielsetzung der Zusammenarbeit mit Weiden sei notgedrungen auch, "dass wir ein wirtschaftliches Konstrukt schaffen, das eigentlich dem St.-Anna-Krankenhaus schadet". Auf der anderen Seite sei das Amberger Klinikum ein Schwerpunktversorger, der eine Aufgabe für die ganze Region wahrnehme: eine gute Gesundheitsversorgung für die Stadt Amberg und den Landkreis vorhalten. "Warum macht dann der nicht mit, der der größte Profiteur ist?" Cerny meint den Landkreis, der im Jahr 2016 rund 42 Prozent der im Klinikum vollstationär behandelten Patienten stellte. Aus Amberg selbst kamen lediglich 29 Prozent. "Warum sagt der: Eine Zusammenarbeit wollen wir nicht?"

Für ihn sei das nicht nachvollziehbar. Den Amberg-Sulzbacher Verantwortlichen müsse doch auch klar sein, dass sie mit ihrer Weigerung darauf verzichteten, vor Ort Strukturpolitik zu betreiben. Das nämlich wäre Cernys Vision: Weiden, Amberg und Amberg-Sulzbach schaffen miteinander eine Struktur, "in der wir uns für die mittlere und nördliche Oberpfalz abstimmen". Das sichere ein gutes medizinisches Leistungsangebot. Als Negativ-Szenario gilt dem OB ein Schwerpunktversorger Amberg, der sein medizinisches Spektrum nicht aufrechterhalten kann: "Das hätte dann auch Auswirkungen auf den Landkreis und seine Bürger."

Warum macht dann der nicht mit, der der größte Profiteur ist?OB Michael Cerny
Da fahren wir verschiedene Strategien.Landrat Richard Reisinger zum Thema Krankenhaus-Fusion

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