06.03.2018 - 20:38 Uhr

Gänsehaut beim Großen Zapfenstreich in Amberg [Aktualisierung: Video] Abschied mit dem Steigermarsch

Das Ende der Garnisonsstadt Amberg ist offiziell vollzogen. Mit einem Großen Zapfenstreich auf dem Marktplatz verabschiedete sich am Dienstagabend die Panzerbrigade 12 von ihrer angestammten Heimat. Gänsehaut begleitete das Zeremoniell. 

von Uli Piehler Kontakt Profil

Zu Ehren Ambergs und seiner Bewohner spielte das Musikkorps Veitshöchheim den Steigermarsch als Reminiszenz an die Bergbautradition der heimlichen Hauptstadt Oberpfalz. Der Große Zapfenstreich sollte ein Abschiedsgeschenk der Bundeswehr und insbesondere der Panzerbrigade 12 an die Stadt sein. Oberbürgermeister Michael Cerny war deswegen auf dem Podest inmitten des Marktplatz protokollarisch der wichtigste Mann. Zu seiner Rechten stand Brigadegeneral Jörg See, zu seiner Linken Staatskanzleichef Marcel Huber.

Das Interesse der Öffentlichkeit war enorm. Zu den rund 300 geladenen Gästen auf den drei Tribünen, die gegenüber der Martinskirche aufgebaut waren, gesellten sich bestimmt etwa 1500 Schaulustige. Sie drängten sich hinter mobilen Zäunen rund um den Platz und trotzten Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schneeregen. Etwa eine halbe Stunde dauerte das militärische Zeremoniell, das mit der Nationalhymne und dem Auszug der Formation durch die Rathausstraße endete.

Zuvor hatte Brigadegeneral See die Ehrengäste bei einem Empfang im Großen Rathaussaal begrüßt. "Für uns in der Brigade galt es und gilt es diesen Auftrag - den Umzug nach Cham, basierend auf einer Entscheidung von 2011, - konsequent umzusetzen und dabei immer nach vorn zu schauen", betonte er dabei. Er erinnerte an die Aufgaben und Einsätze der Soldaten seit Gründung der Brigade 1959. "Besonders prägend war hier sicherlich die Phase von 1959 bis 1990, wo man gemeinsam die Zeit des Kalten Krieges in direkter Nähe zum Eisernen Vorhang erlebte und bewältigte." Seit 1990 seien dann in immer zunehmender Intensität die Auslandseinsätze hinzugekommen. "Diese erlebte gemeinsame Geschichte, die Zuversicht und den Stolz auf das Geleistete werden wir mit nach Cham nehmen", sagte See. "Wir bleiben der Region erhalten - fest eingebettet, mit den Menschen verbunden und auf deren Rückhalt bauend." Oberbürgermeister Michael Cerny betonte, dass das Militär nicht nur Teil der Stadtgeschichte, sondern auch "wichtiger Teil der Stadtidentität" sei. Der Abzug der Panzerbrigade bedeute daher mehr als den Verlust von Dienstposten und die Herausforderung, die denkmalgeschützte Leopoldkaserne mit neuem Leben zu erfüllen. "Es fällt uns schwer, die Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums nachzuvollziehen - sowohl rational als auch emotional."

Neue Nutzung finden

Im Blick zurück bleibe für Amberg neben der Wehmut auch die Dankbarkeit für eine Jahrzehnte dauernde gute Partnerschaft mit der Bundeswehr. "Der Blick nach vorne richtet sich nun auf die Herausforderung der Konversion der verbleibenden Liegenschaft. Cerny: "Mein dringender Wunsch an den Bund ist es, uns in dieser großen Aufgabe zu unterstützen, den Wegfall der militärischen Dienstposten durch die Schaffung ziviler Arbeitsplätze zu kompensieren und das bislang militärisch genutzte Gelände mit Wohnen und Gewerbe in die Struktur unserer Stadt einzubinden."

Wir bleiben der Region erhalten - fest eingebettet, mit den Menschen verbunden und auf deren Rückhalt bauend.Brigadegeneral Jörg See
Es fällt uns schwer, die Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums nachzuvollziehen.Oberbürgermeister Michael Cerny

Staatsregierung sagt Unterstützung zu

Oberbürgermeister Michael Cerny und die Stadträte hörten die Botschaft gerne: Die Staatsregierung werde die Stadt Amberg bei der Suche nach einer neuen Nutzung für die Leopoldkaserne nicht im Regen stehen lassen, versicherte der Chef der Staatskanzlei in München, Marcel Huber.

"Amberg kann bei der Entwicklung des historischen Areals der Leopoldkaserne auf die Staatsregierung zählen", erklärte der Minister bei einem Pressegespräch am Rande des Empfangs im Großen Rathaussaal.

Es gebe gerade in Bayern viele gute Beispiele für die erfolgreiche Konversion von Militärstandorten. Huber nannte Bamberg, Kaufbeuren oder Donauwörth. "Wir werden Amberg auf diesem Weg intensiv begleiten und beim Eigentümer der Leopoldkaserne, dem Bund, konsequent auf eine Lösung dringen, die im besten Interesse Ambergs ist", erklärte Huber. "Wir stehen Amberg zur Seite, damit die Stadt auf diesem wunderschönen, denkmalgeschützten und städtebaulich hoch interessanten Areal ein starkes Stück Zukunft für Amberg entwickeln kann." Eine erste Hilfestellung könne der Freistaat mit seinem Förderprogramm zur Militärkonversion geben. Bayern halte Gelder vor, damit Kommunen Konzepte ausarbeiten und Pläne für die Folgenutzung solcher Liegenschaften entwickeln können.

Huber sieht eine Aufgabe der Staatsregierung auch darin, auf den Bund einzuwirken, dass "nicht die optimale Verwertung der Immobile, sondern die optimale Weiternutzung" im Fokus steht. (upl)

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