22.10.2017 - 14:48 Uhr
Oberpfalz

Gewerbebau öffnet das ehemalige Kaufhaus Storg Lehrstunde im Leerstand

Unter den Stahlstreben und der Betondecke kochten die Emotionen hoch. Beim Info-Frühschoppen zum Projekt Neue Münze lieferten sich Gegner und Befürworter am Samstag teils hitzige Diskussionen. Dabei war Gewerbebau-Chef Karlheinz Brandelik um Sachlichkeit bemüht.

Von 10 bis 13 Uhr hatten die Amberger am Samstag Gelegenheit, sich durch das Erdgeschoss des ehemaligen Kaufhauses Forum führen zu lassen. Bis zu 500 Interessierte dürften es gewesen sein, die sich über die Pläne für die Neue Münze informierten. Bilder: Hartl (3)
von Uli Piehler Kontakt Profil

"Es geht hier nicht um politische Überzeugungen", stellte der Geschäftsführer des städtischen Tochterunternehmens klar. "Wir wollen die Leute nur einladen, sich selbst ein Bild zu machen. Wir wollen die Fakten sprechen lassen." Ziel des Info-Frühschoppens sei es, "Verständnis dafür zu wecken, warum wir auf diese Lösung gekommen sind". Damit meinte Brandelik den Abriss des etwas flacheren Teiles des ehemaligen Kaufhauses Forum (Bahnhofstraße 12) und einen vierstöckigen Neubau an dieser Stelle.

Unberechenbare Statik

Brandelik und sein Team hatten einen Teil des Erdgeschosses der Bahnhofstraße 12 geöffnet - einen seit 14 Jahren dahindümpelnden Leerstand in erbarmungswürdigen Zustand. Die Deckenkonstruktion besteht aus einem Mix von Holzbalken, Stahlträgern und Beton. "Die Statik kann keiner mehr berechnen", sagte Gewerbebau-Prokurist Werner Pettinger bei einer von rund 20 Führungen durch das Haus. "Solche Konstruktionen sind heute nicht mehr genehmigungsfähig." Das Gebäude sei immer wieder umgebaut und zuletzt Anfang der 80er-Jahre vollständig entkernt worden. Dabei sei auch massiv in die Außenwände des Erdgeschosses eingegriffen worden. Heraklit- und Styroporverkleidungen zeugten von den Umbaumaßnahmen.

Hätte die Gewerbebau versucht, den Bestand zu erhalten, hätten sich die Raumhöhen als besonders problematisch herausgestellt. Aktuell betragen diese vom Boden bis zur Rohdecke 2,85 Meter. Mit Einbau einer Lüftung, die 45 Zentimeter in Anspruch nehme, und einer 15 Zentimeter dicken Abkofferung verblieben 2,25 Meter.

"Nicht ordentlich"

"Viel zu wenig für eine Immobilie, die für Handel und Dienstleistung genutzt werden soll. Das würde nicht einmal für ein Wohnzimmer reichen", erklärte Pettinger. "Wir müssen ein Gebäude liefern mit 3,50 bis 4 Meter Höhe bis zur Rohdecke. Anders brauchen wir gar nicht anfangen." Beim interessierten Publikum gingen die Meinungen munter durcheinander. Bisweilen verliefen die Diskussionen im Leerstand recht emotional. Stadtheimatpflegerin Beate Wolters pochte auf die Einhaltung des Denkmalschutzes. Die Stadt habe bei der Abriss- und Baugenehmigung für die Bahnhofstraße 12 die ansonsten streng einzuhaltende Bausatzung für die Altstadt komplett außen vor gelassen. "Wenn man in der Altstadt baut, muss man sich mit dem Denkmalschutz auseinandersetzen. Das wurde hier nicht ordentlich gemacht", sagte sie. Unter das Publikum hatten sich auch Oberbürgermeister Michael Cerny und mehrere Stadträte gemischt.

Klagen noch nicht begründet

Drei Klagen sind vor dem Verwaltungsgericht Regensburg gegen die Baugenehmigung für die Neue Münze eingegangen: zwei von direkten Anwohnern und eine von Stadtrat Eberhard Meier (Freie Wähler), der kein unmittelbarer Nachbar ist. Laut Gewerbebau-Chef Karlheinz Brandelik sind die Klagen noch nicht begründet. Die Frist zur Begründung laufe Ende Oktober ab. Danach prüfe das Gericht die Zulassung. „Wir sind mit den klagenden Nachbarn im Gespräch, um die Gründe für die Klagen zu erfahren und bereits jetzt nach Lösungen zu suchen“, erklärte Brandelik am Samstag. Oberbürgermeister Michael Cerny hat den weiteren Zeitplan so abgesteckt: „Unser Ziel ist es, bis Ende November Rechtssicherheit zu haben.“

Alle weiteren Artikel zum Thema unter: www.onetz.de/muenze

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