Glosse: Die Bundestagswahl kann gefährlich werden
Todeskeime: Wer die Wahl hat...

Politik
Amberg in der Oberpfalz
07.09.2017
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Am 24. September ist Bundestagswahl. An diesem Tag werden die Bürger - sofern sie nicht zur Briefwahl greifen - in das Wahllokal gehen, das auf ihrer Wahlbenachrichtigung aufgedruckt war. Sie werden ihre beiden Kreuzchen machen und danach zufrieden in dem Bewusstsein nach Hause gehen, wieder einmal ein Stück ihrer demokratischen Pflichten erledigt zu haben.

Aber ganz so einfach ist das nicht. Was zum Beispiel, wenn das Wahllokal sich in einer Gegend befindet, in der Gefahren aller Art lauern, man sich seines Lebens nicht sicher sein kann? Nein, gemeint sind keine Stadtviertel, in denen messerwetzende Schwerverbrecher lauern. Und auch nicht das Bürgerbüro der AfD. Das Krankenhaus ist so ein Ort. Das Klinikum St. Marien, in dessen Konferenzraum seit vielen Jahren abgestimmt werden darf.

Ja klar, das Klinikum. Hier wimmelt es von todbringenden Keimen, ansteckenden Seuchen und widerlichen Essensgerüchen. Generationen von Wählern ist das nicht aufgefallen. Mit Todesverachtung - oder vielmehr einer großen Portion Gottvertrauen - haben sie sich beinahe Jahr für Jahr in diese bakterienverseuchte Keimhölle begeben, um die CSU oder Schlimmeres zu wählen. Viele von ihnen dürften inzwischen nicht mehr unter uns sein - sie sind weggezogen oder eines natürlichen Todes gestorben.

Trotzdem - ein bisschen Sorge bleibt. Das hat sich auch ein Amberger Bürger gedacht und an die Stadtverwaltung geschrieben. "In Zeiten von multiresistenten Keimen und dergleichen sollte es dringend vermieden werden, ohne zwingenden Grund Personen durch/in ein Krankenhaus zu senden - nicht umsonst befindet sich am Ein- und Ausgang eine Vorrichtung zur Handdesinfektion." Soweit der Bürger, der bei unserer Verwaltung natürlich offene Türen eingerannt hat.

Denn offensichtlich hat hier niemand gemerkt, dass der gemeine Amberger von Keimen bedroht wird. Multiresistenten Keimen. Eiligst wurden Konferenzen einberufen, tagten nächtelang Stäbe von Experten. Dann der weiße Rauch aus dem Klinikumskamin: Der Konferenzraum liegt ja gar nicht in dem Bereich, in dem Patienten ihre giftigen Bakterien durch die Luft husten. Es ist alles ganz harmlos, der fragliche Ort ein ganz normales Zimmer, das sogar regelmäßig desinfiziert wird - obwohl es das gar nicht bräuchte. Der Bürger kann also beruhigt sein, wir sind es umso weniger.

Denn der Autor dieser Zeilen muss in der Max-Josef-Schule wählen. In einer Schule! Hunderte von bakterienbehafteten Kinderhänden grabschen hier regelmäßig alles an. Tod, Verderben und verschimmelte Pausenbrote lauern praktisch in jeder Ecke. Der käsige Geruch von müffeligen Turnschuhen und infektiöser Kreidestaub in der Luft bergen höchste Gefahr. Unsere Losung lautet: Wo sind unsere Briefwahlunterlagen?.

andreas.ascherl@oberpfalzmedien.de
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