Hauptausschuss diskutiert über Kosten der Grabungen auf dem Bürgerspitalgelände
Wird die Geschichte zu teuer?

Mathias Hensch und sein Team graben seit Monaten auf dem Bürgerspitalgelände. Jetzt sorgen die Kosten für Diskussionen. Bild: Stefan Huber
Politik
Amberg in der Oberpfalz
30.06.2017
275
0

Wie viel Geld ist uns unsere Geschichte wert? Oder sind die Grabungen auf dem Bürgerspitalgelände schlicht zu teuer? Der Hauptausschuss diskutierte jetzt darüber. Wobei es eine richtige Diskussion eigentlich nicht gab.Die Stadt Amberg hat sich gegenüber dem Kaufinteressenten Ten Brinke verpflichtet, das Grundstück an der Bahnhofstraße frei von Altlasten und archäologischen Funden zu übergeben.

Erst dann soll der Kaufvertrag unterzeichnet werden. Den Auftrag für den archäologischen Bereich erhielt Mathias Hensch, der mit seinen Mitarbeitern seit Monaten dort gräbt und immer wieder sensationelle Funde ans Tageslicht bringt.

Archäologie kostet aber auch Geld - und darum ging es am Donnerstag im Hauptausschuss. Weil für das laufende Jahr mit fast einer halben Million Euro für die Grabungen zu rechnen ist, die bisher nicht vollständig in den Haushalt eingestellt wurden. Rund 292 000 Euro sollte der Ausschuss nachgenehmigen. An dieser Summe entzündete sich eine Diskussion um Kontrolle der Kosten, Notwendigkeit der Maßnahme und die Frage, warum die Stadt das alles alleine bezahlt.

Mehr Kontrolle

Dieter Mußemann (CSU) brachte den Stein ins Rollen, weil er forderte, die Stadt müsse eine Art Controlling über die Maßnahme haben. "Aufträge sollten wir nur vergeben, soweit auch Haushaltsmittel dafür vorgesehen sind." Generell war Mußemann der Meinung, das Landesamt für Denkmalpflege, das ja grundsätzlich hinter der Maßnahme steckt, sollte sich zumindest an den Kosten dafür beteiligen. Frei nach dem Motto: "Wer anschafft, der zahlt auch mit."

"Wir sollten irgendwie zum Thema Deckelung der Kosten kommen", schlug sein Parteifreund Rupert Natter vor. Das ging Emilie Leithäuser (FDP) alles nicht weit genug. "Wir können doch nicht weiter und weiter und weiter graben", so klagte sie. Die Grabungen seien vor den Bürgern nicht mehr zu vertreten. "Ein Privatmann würde das einfach wieder zuschütten und Ende." Ihr persönlich erscheine der Bedarf viel zu hoch. "Eine halbe Million, das glauben uns die Bürger nicht mehr."

Alles Amberger Bürger

Aber was tun? "Wir können ja das Grundstück für nicht bebaubar erklären, dann müssen wir nicht weitergraben", schlug Baureferent Markus Kühne - nicht ganz ernst gemeint - vor. Kühne machte deutlich, dass es durch die Maßnahme der Archäologen bisher zu keiner Zeitverzögerung gekommen ist, weil sie rechtzeitig vor Beginn der angeplanten Baumaßnahme begonnen worden ist. Zudem gab er zu bedenken, dass es sich bei den Skeletten, die dort in großer Zahl gefunden worden sind, ja um Menschen handelt, die übrigens am Rande des Geländes wieder würdig bestattet werden sollen. "Das sind doch alles Amberger Bürger", so sagte Kühne.

"Wo sollen wir Grenzen setzen", fragte Kühne und wies darauf hin, dass eine Bebauung von der Freigabe des Landesamts für Denkmalpflege abhängt. "Können wir dann die nicht gegebene Freigabe des Landesamts ersetzen? Nein, das dürfen wir nicht." Am Ende stimmte der Ausschuss dann doch einstimmig der Freigabe der Mittel zu.

Es ist jeden Cent wert!

Die Frage ist erlaubt: Darf man die eigene Geschichte in Cent und Euro aufrechnen? Die Antwort aber auch: Nein! Denn unsere Geschichte ist viel mehr wert als Geld. Dass Dieter Mußemann die Frage aufwirft, ob der Stadtrat keine Kontrolle über die Kosten der Grabungen auf dem Bürgerspitalgelände hat, ist durchaus legitim.

Der CSU-Fraktionsvorsitzende fürchtet einfach, irgendwann könnte das Ganze uferlos werden. Er hätte halt zusätzlich gerne, dass das Landesamt für Denkmalpflege für die Maßnahmen mitbezahlt, die es anordnet. Auf der anderen Seite gehört Dieter Mußemann der Partei an, die in Bayern mit absoluter Mehrheit regiert. Warum stattet die CSU also das Landesamt nicht mit mehr Mitteln aus, damit es die von ihm geforderten Zuschüsse leisten könnte?

Und es ist immer ein zweischneidiges Schwert zu fordern, derjenige der etwas anordne, müsse dafür auch bezahlen. Tausende Amberger Bürger hätten es sicherlich sehr gerne, wenn ihre Stadt die Mehrkosten übernimmt, die - beispielsweise bei einem Neubau oder einer Altbausanierung - durch die Auflagen entstehen, die sie ihnen macht. Es ist doch ganz einfach: Durch die archäologischen Grabungen von Mathias Hensch bekommt die Stadt eine Gegenleistung, die in Geld nicht zu bezahlen ist: einen tiefen Blick in die eigene Geschichte. Das ist jeden Cent wert, den wir dafür ausgeben. Die alten Knochen einfach abzuräumen, wie es Emilie Leithäuser von der FDP fordert, muss wirklich nicht kommentiert werden. Das entbehrt jeden Sinnes für die eigene Herkunft. Schade eigentlich.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.