23.02.2018 - 15:52 Uhr

Industriegebiet Nord soll nachverdichtet werden Mit oder ohne Wald?

Ansässige Unternehmen und ansiedlungswillige Firmen benötigen weitere Flächen. Deshalb soll das Industriegebiet Nord nachverdichtet werden. Doch im Bauausschuss wird auch darüber diskutiert, wann ein Wald ein Wald ist.

Reger Verkehr im Industriegebiet Nord. Um ansässigen Firmen Möglichkeiten zur Erweiterung zu bieten, soll das Gewerbegebiet nachverdichtet werden. Bild: Hartl
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Baureferent Markus Kühne brachte hinsichtlich der Nachverdichtung die Ökologie ins Spiel. Klar würden dadurch Flächen versiegelt, doch sei die Infrastruktur dort schon vorhanden. "Da kann man sich dran hängen und muss nicht zusätzlich neue Schneisen schlagen." Entstanden ist das Industriegebiet Nord in den 1970er-Jahren. Immer mal wieder wurde es in der Vergangenheit erweitert, weil ansässige Betriebe größer wurden und sich neue ansiedelten.

Das Potenzial des Areals soll laut Kühne nun dahingehend ausgenutzt werden, dass eine Innenverdichtung - ähnlich wie bei Wohnraum - erfolge. Kühne legte dem Ausschuss mögliche Erweiterungsflächen vor: insgesamt 15 Hektar, die bebaut werden könnten und 7 Hektar an Ausgleichsflächen. 4,75 Hektar dieser Flächen seien bereits im städtischen Eigentum. Kühne verhehlte nicht, dass die Topografie problematisch sei. Er informierte noch den Ausschuss, dass es schon eine Anfrage zu einem Betriebskindergarten gegeben habe, "ähnlich wie bei Siemens, nur von mehreren genutzt".

Mit dem Statement "Für uns kommt es nicht in Frage, weitere Flächen herzunehmen", eröffnete Grünen-Stadtrat Hans-Jürgen Bumes die Diskussion. "Das Thema muss doch sein, wie kann man die versiegelten Flächen besser organisieren." Er forderte, die Höhenbeschränkung wegzunehmen, "um weiter nach unten oder oben gehen zu können". Bumes verwies auf die frei werdende Leopoldkaserne und das dahinter liegende Areal. "Man könnte dort Möglichkeiten für Neuansiedlungen schaffen." Helmut Weigl (CSU) widersprach. Die Industrie hänge von der Produktion ab, da sei es fraglich, ob man damit in die Höhe gehen könne. Bumes' Vorschlag nannte er bedenklich. "Das wirkt höchst abschreckend. "Werden die Auflagen zu groß, wird der Standort unattraktiv."

Er warf die Frage auf, ob es Sinn mache, das relativ dünne flankierende Waldgebiet weiter zu behalten. "Ein Wald hat einen Nutzen erst in der Tiefe." Für Baureferent Kühne stellt sich die Frage, ob das eine nennenswerte Fläche ergebe, wenn auf den Waldstreifen verzichtet würde. "Eventuell meint man es gut, schießt aber ein Eigentor, weil man eine Fläche ausweist, die dann nicht bebaubar ist." Die SPD habe nichts gegen eine Erweiterung des Industriegebiets Nord, meinte Dieter Amann. "Es überrascht schon, dass man da draußen den ganzen Wald wegtun soll", konterte er dem CSU-Kollegen Weigl. Er finde, der Charakter des Areals mit Wald und Wiese sollte erhalten bleiben.

Da konterte Weigl wieder: Er habe nicht davon gesprochen, Wald abzuholzen. "Das ist eine Ansammlung von Bäumen, die nicht einem Wald entspricht", präzisierte er. Fraktionskollege Bernhard Schöppl sprang ihm bei: Einen "ökologisch nicht wertvollen Baumbestand" sollte man schon hernehmen können. "Wir brauchen Raum."

OB Michael Cerny zeigte sich erstaunt über Bumes' Aussage, dass die Höhenbegrenzung weggenommen werden soll. "Es waren die Grünen, die damals gefordert haben, dass die Gebäude nicht höher sein dürfen als der Wald." Wenn jetzt zu einem Unternehmer gesagt werde, er müsse aufstocken, habe das nichts mehr mit Berechenbarkeit der Politik zu tun. Bis auf Bumes votierte der Ausschuss für die Aufstellung des Bebauungsplanverfahrens.

Interkommunal

Angesichts der Diskussion um Gewerbeflächen erinnerte SPD-Stadtrat Dieter Amann daran, dass seit zehn, elf Jahren ein interkommunales Gewerbegebiet mit Ursensollen realisiert werden soll. "Da muss man doch mal sagen, ob man das noch will oder nicht." Oberbürgermeister Michael Cerny entgegnete: "Im Wesentlichen sind wir soweit, dass wir dieses Jahr Nägel mit Köpfen machen können." Er sprach von einer aufwändigen Erschließung. Zielsetzung sei, dort große Unternehmen anzusiedeln. Anders verhalte es sich beim Industriegebiet Nord, um das es eigentlich bei der Sitzung ging: "Da geht es um erfolgreiche ansässige Unternehmer, die Platz brauchen, um ihre Aufträge abzuhandeln." Diese seien es, die Amberger Bürger beschäftigten und von dort nicht weg wollten. (san)

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