02.04.2018 - 22:38 Uhr
Oberpfalz

Interview mit Internet-Pionier Chistian Hubmann und Dr. Alexander Pöschl Daten-Skandal bei Facebook war in der Szene längst bekannt

Nur die "Spitze des Eisbergs" sieht Christian Hubmann im Facebook-Datenskandal. Der Amberger zählt in Bayern zu den Pionieren des Internets: Seit 22 Jahren beschäftigt er sich beruflich mit dem Web; weltweit vertrauen auf ihn Konzerne bei Innovationsprojekten.

Dr. Alexander Pöschl und Christian Hubmann (von rechts) haben sich auf Datensicherheit und Digitalisierung spezialisiert. Bild: cf
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Dr. Alexander Pöschl, ehemaliger Manager bei Conrad Electronic und Prokurist bei ATU, holte für sein unternehmerisches Startup "Digitalbetrieben GmbH" in Amberg Christian Hubmann mit ins Boot. Bei einem praxisorientierten Workshop im ACC gewährten die Experten Einblicke in die Untiefen des Web ...

Herr Hubmann, warum sprechen Sie beim Daten-Missbrauch durch Facebook von der "Spitze des Eisbergs"?

Christian Hubmann: Bereits seit eineinhalb Jahren ist in der internationalen Internet-Szene bekannt, dass Cambridge Analytica von Facebook persönliche Daten von Abermillionen Nutzern gezogen hat, um die US-Wahlen - für Trump - und auch die Abstimmung über den Brexit zu beeinflussen.

Cambridge Analytica setzte für die Analyse der Facebook-Daten den Algorithmus "Ocean"-Modell ein. Ehrlich gesagt, wundert es mich, dass dieser Skandal jetzt erst die Öffentlichkeit erreicht. Offenbar war das Thema für die internationalen Medien damals nicht interessant genug.

In den vergangenen Tagen kursierten Berichte über das Unterfangen von Unternehmen, die Mikrofon-Funktion von Smartphones - ohne Wissen der Nutzer - zu aktivieren.

Das ist technisch überhaupt kein Problem. Unsere Branche vermutet immer wieder, dass Social Media Dienste auf diese Weise Daten für aggressives Marketing, genannt "Priming", generieren - und dann verkaufen: Wenn man sich zum Beispiel Abends im Familien- oder Freundeskreis über Anschaffungen oder Urlaubsziele unterhält, das Smartphone daneben liegt, und dann am nächsten Morgen auf den angeklickten Websites die entsprechenden Produkte "eingeblendet" werden.

Bei IOT - dem Internet of Things - ist dem Daten-Missbrauch durch die totale Vernetzung Tür und Tor geöffnet. Die Nutzer bekommen bei der Verwendung ihrer persönlichen Daten nur mit, was offiziell genehm ist.

Alexander Pöschl: Derjenige, der aus den gewonnenen Daten als Erster was macht, hat die Nase vorn. Deshalb benötigt die Digitalisierung Weiterbildung - in Unternehmen bis zum Chef hinauf. Wir erleben eine Monetarisierung der Daten, oft verkleidet in viele Worthülsen. So steht der Ausdruck "Big Data" einfach für eine unstrukturierte Datenmenge. Sie wird erst zum "Happy Data", wenn sie dem Kunden finanziell was bringt. "Data Science" ist die Extraktion von Wissen und Daten.

Wer im Internet surft und nach Produkten sucht, wundert sich, wenn plötzlich entsprechende Angebote auf allen möglichen Web-Seiten erscheinen ...

Jede angeklickte Online-Anzeige beinhaltet einen Code. Das ist ein Riesengeschäft, wenn anschließend die gesuchten Produkte beim sogenannten "Remarketing" auf anderen Seiten wieder auftauchen.

Wie darf sich der Laie diese Online-Phänomen vorstellen?

Der persönliche Browser und die Server der Anbieter stehen in einem ständigen Austausch: Die auf der Festplatte eingenisteten Cookies sammeln und analysieren Infos. Über Werbe-Tracker werden dann die gesuchten Produkte dynamisch auf die Web-Seiten gespielt.

Wer beispielsweise bei Google ein Konto unterhält, bei dem liest Google auch alle E-Mails mit.

Was empfehlen Sie unseren Lesern, die mit Cookies und Trackern nichts am Hut haben?

(lacht) Zum Schutz der persönlichen Daten Browser-Erweiterungen wie "Ghostery" verwenden.

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