Jahresabschlussrede von OB Michael Cerny im Stadtrat
Amberger Grexit tut weh

Im Kreise seiner Stadtratskollegen würdigte OB Michael Cerny (vorne, rechts) in der Sitzung am Montag die 30-jährige Tätigkeit von Martin Seibert (vorne, links) in dem Gremium. Dafür gab es unter anderem eine Urkunde. Seibert ist der dienstälteste Stadtrat. Bild: Wolfgang Steinbacher
Politik
Amberg in der Oberpfalz
20.12.2016
338
0
 
Emilie Leithäuser. Bild: Steinbacher

Emilie Leithäuser (75) beendete mit ihrer Ältestenrede den öffentlichen Teil der Stadtratssitzung. Sie erinnerte an die Herausforderungen, denen sich Amberg 2016 durch die erforderliche Integration der Flüchtlinge gegenübergesehen habe, und dankte der Verwaltung sowie den Ehrenamtlichen, die sich dieser Aufgabe mit Ausdauer und Kraft gewidmet hätten.

Zu zwei umstrittenen Themen der jüngsten Zeit nahm sie eindeutig Stellung: Das Kriegerdenkmal müsse auf dem Marktplatz bleiben, und es sei nötig, "auch in der Innenstadt noch eine zweite öffentliche Tiefgarage zu bauen. Dass die Einfahrt nicht leicht zu lösen ist, war und ist uns allen bekannt." Der Start von Martin Seiberts Karriere im Stadtrat verlief etwas holprig. Zunächst musste er auf seinen Einsatz als Nachrücker warten. Dann durfte er nicht einmal in den Rathaussaal.

Diese Zeit rief der Sozialdemokrat in Erinnerung, als er am Montag von OB Michael Cerny für sein 30-jähriges Wirken in dem Gremium geehrt wurde. Seibert rückte im Dezember 1986 für Heinz Netta in den Stadtrat nach. Dieser war aus Amberg weggezogen. "Meine ersten Sitzungen habe ich im Feuerwehrhaus erlebt, weil der Rathaussaal damals saniert wurde", erzählte Seibert.

Die Arbeit, "um für die Bürger dieser Stadt das Beste zu erreichen", sei ihm heute noch eine Ehre und eine Freude, sagte der 63-Jährige. Natürlich werde im Stadtrat auch mal gestritten, doch "wir wissen sehr wohl die Politik vom Persönlichen zu trennen", so Seibert. "Und ich bin froh, dass hinterher jeder wieder mit jedem reden kann."

OB Cerny hatte Seibert zum Ende seiner Jahresabschlussrede als einen Mann gewürdigt, der "für dieses Leitbild der solidarischen Stadtgesellschaft kämpft und sich deshalb sowohl in unserem Stadtrat wie auch im Bereich der Wohlfahrtsverbände engagiert". Bis auf den Bauausschuss sei der SPD-Mann "gefühlt in allen Gremien des Stadtrats aktiv" gewesen. Bereits im Jahr 2010 hatte Seibert für "die umfassende Bandbreite seines kommunalpolitischen Engagements" die Kommunale Verdienstmedaille in Bronze erhalten.

Ansonsten kamen in Cernys Jahresrückblick unter anderem vor: Pokémon Go (und die damit verbundene Völkerwanderung auf dem Marktplatz), die Fertigstellung eines 60-Millionen-Euro-Projekts am Klinikum St. Marien in Gestalt des Bauabschnitts IV, der Spatenstich für die neuen psychiatrischen Tageskliniken des Bezirks am Klinikum, die Eröffnung des Autohauses Fischer am neuen Standort und das Richtfest der Lebenshilfe für ihren 23 Millionen Euro teuren Neubau.

Der zuversichtliche Blick des Stadtoberhaupts auf 2017 basierte auf der "Reaktivierung des ehemaligen Kaufhauses Forum", der "Umsetzung des Wettbewerbsergebnisses für das Bürgerspitalareal", der Baukonzession für das Parkdeck an der Marienstraße sowie neuen Investoren für das ehemalige Bundeswehrkrankenhaus und das Josefshaus.

Cerny verschwieg aber auch nicht die kommunalpolitische Enttäuschung des Jahres 2017: den Amberger "Grexit", die geplante Verlagerung der Konzernzentrale der Grammer AG nach Ursensollen. Die Begründung des Unternehmens dafür fasste der OB so zusammen: "große Flächenreserven in Ursensollen zur Verfügung haben und gleichzeitig durch die unmittelbare Nähe alle Vorteile der Stadt genießen".

Das größte Problem

Unter den 2016 heiß diskutierten Themen machte Cerny eines aus, das alle anderen toppte: "das Loch". Er meinte die Tiefgarageneinfahrt, die "200 Autos aus den Straßen der Innenstadt unter die Erde verfrachten soll". Der OB ordnete die Diskussion mit einem Augenzwinkern ein: "Für Amberg muss es dann doch ein sehr gutes Jahr 2016 gewesen sein, wenn unser größtes Problem in der Frage besteht, ob in der Bahnhofstraße eine Abfahrt zur geplanten Tiefgarage entstehen darf oder nicht."

Ein Thema toppte dann doch alles: das Loch.OB Michel Cerny
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.