Krankenhäuser plötzlich wieder Thema im Amberger Stadtrat
Landkreis will keine Fusion

"Selbstverständlich wäre eine Fusion mit den Landkreis-Krankenhäusern in Sulzbach-Rosenberg und Auerbach das Naheliegende und gilt von unserer Seite auch als Favorit." Zitat: Dieter Mußemann
Politik
Amberg in der Oberpfalz
13.12.2016
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Längere Zeit waren die wirtschaftlichen Perspektiven des Klinikums St. Marien in der Stadtpolitik nicht mehr öffentlich erörtert worden. Am Montag tauchten sie plötzlich mit Wucht wieder in den Haushaltsreden auf. In die Rolle des Sündenbocks geriet dabei der Landkreis.

Von dem wünschte sich OB Michael Cerny "eine höhere Bereitschaft zur Zusammenarbeit bis hin zum Zusammenschluss der Häuser". Schließlich komme das Leistungsspektrum des Klinikums nicht nur Ambergern, sondern "einer noch größeren Anzahl an Landkreisbürgern zugute".

Dass weitere Kooperationen kommen müssen, schloss der OB aus der fortschreitenden Spezialisierung und dem enormen Kostendruck im Gesundheitswesen. Cerny fand: "Schade, dass dies anscheinend mit den Kliniken Nordoberpfalz leichter zu diskutieren und zu vollziehen ist als mit dem nur circa zehn Kilometer entfernten Klinikum des Landkreises. Doppelstrukturen auf engem Raum kosten der Stadt und dem Landkreis Geld und hindern uns an einem bedarfsgerechten Ausbau des Leistungsspektrums."

Landrat blockt ab

Bei Dieter Mußemann (CSU) klang es noch drastischer: Angesichts verschärfter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen werde es "nicht dauerhaft möglich sein, das Klinikum St. Marien, das heute rund 70 Prozent Patienten aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach und den angrenzenden Landkreisen versorgt und behandelt, alleine aus kommunalen Mitteln der Stadt Amberg zu subventionieren". Selbst die intensivierte Kooperation mit den Kliniken Nordoberpfalz AG werde alleine wohl nicht ausreichen, "um den Erhalt und den Ausbau insbesondere der Schwerpunktversorgung sicherzustellen". Mußemann: "Selbstverständlich wäre eine Fusion mit den Landkreis-Krankenhäusern in Sulzbach-Rosenberg und Auerbach das Naheliegende und gilt von unserer Seite auch als Favorit." Die Fusions-Verhandlungen seien aber seit langem zum Erliegen gekommen. Und ein Gespräch, das er jüngst mit Landrat Richard Reisinger geführt habe, lasse "eher keine positiven Signale erwarten, dass sich der Landkreis in dieser Frage bewegt".

Bei St. Marien dränge aber nun die Zeit, weshalb die CSU-Fraktion empfehle, "intensiv nach Möglichkeiten zu suchen, um das dauerhafte Überleben unseres Klinikums mit hochwertiger Medizin sicherzustellen". Oberstes Ziel dabei: "Dass die kommunale Trägerschaft erhalten bleibt und keine Privatisierung erfolgt."

Defizit über 3,5 Millionen

Landrat Richard Reisinger und Klinikumsvorstand Manfred Wendl waren am Dienstag für die AZ nicht zu erreichen. Wendl hatte aber bereits im April für das Jahresergebnis 2016 des Klinikums ein Defizit von 3,65 Millionen Euro prognostiziert und für die Jahre bis 2021 jeweils einen ähnlich hohen Fehlbetrag mit leicht steigender Tendenz.

Selbstverständlich wäre eine Fusion mit den Landkreis-Krankenhäusern in Sulzbach-Rosenberg und Auerbach das Naheliegende und gilt von unserer Seite auch als Favorit.Dieter Mußemann

Verlustängste - Angemerkt von Markus MüllerMit einer halben Million Euro pro Jahr als Beteiligung an nicht förderfähigen Kosten für Baumaßnahmen greift die Stadt seit 2012 dem Klinikum St. Marien unter die Arme. Daneben hat Klaus Mrasek (ÖDP) Investitionszuschüsse von vier Millionen Euro seit 2010 errechnet - für ein Krankenhaus, dessen Patienten nur zu etwa 30 Prozent aus Amberg kommen und zu rund 40 Prozent aus Amberg-Sulzbach. Schon verständlich, dass man den Landkreis bei der Zukunftssicherung von St. Marien ins Boot holen möchte. Zumindest durch eine bessere Koordination des Angebots. Bloß dürfte die Amberg-Sulzbacher Seite befürchten, dass die eigenen Krankenhäuser, in die man jüngst viele Millionen Euro gesteckt hat, dann abspecken müssen und noch mehr zu Zuschussunternehmen werden. Solange Amberg diese Ängste nicht zerstreuen kann, wird es mit seinem Begehren auf Granit beißen.
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