10.12.2017 - 13:14 Uhr
Oberpfalz

Kritik am Landesamt für Denkmalpflege Ungereimtheit im Gutachten

Der Andrang war überschaubar: Nur etwa 40 Interessierte kamen am Samstagvormittag ins Rathaus, um mit den Projektierern über die Pläne für die Neue Münze zu diskutieren. Dabei hatte Gewerbebau-Chef Karlheinz Brandelik ein paar knackige Informationen parat.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Nach dem Info-Frühschoppen im Oktober, bei dem es um die bauliche Substanz im Leerstand ging, folgte am Samstag Teil zwei der Informations-Offensive der Gewerbebau. Diesmal wollten Brandelik und sein Team erläutern, wie das "Revitalisierungskonzept" zustande gekommen ist - sprich die Gestaltung des geplanten Neubaus und seine Architektur.

Brandelik schickte seinen Ausführungen zwei Informationen voraus, die in der öffentlichen Diskussion bisher noch gar nicht wahrgenommen wurden. "Wir haben die ursprünglichen Entscheidungen auf anderen Grundlagen getroffen", sagte er. Als Ende April 2015 die Entscheidung fiel, die leerstehende Forum-Immobilie zu kaufen, sei das Gebäude Bahnhofstraße 12 noch nicht als Denkmal ausgewiesen gewesen. "Lediglich das angrenzende Stadtpalais (Bahnhofstraße 10) war als Einzeldenkmal eingetragen." Erst nach dem Ankauf sei das Landesamt für Denkmalschutz tätig geworden und habe den Eintrag im Kataster geändert. Brandelik präsentierte auf der Großbildleinwand die beiden abweichenden Auszüge. "Offenbar wurde der Forum-Bau bis 2015 denkmalpflegerisch nicht so werthaltig gesehen." Hinzu komme ein Fehler im Gutachten des Landesamtes zur Nachqualifizierung. In der Expertise werde die Hausnummer 12 dem barocken Stadtpalais zugeordnet. "Wir sind mit der Behörde diesbezüglich im Gespräch, um diese Verwechslung zu beheben", sagte Brandelik.

Im Mittelpunkt des Vortrags stand jedoch die Frage, unter welchen Vorgaben das Gestaltungskonzept des Architekturbüros Wittfoht entstanden ist. "Alle Bemühungen gehen in Richtung der größtmöglichen Realisierungschance", erläuterte der Gewerbebau-Chef. "Die Planung des Architekten hatte daher die Vorgabe, Kriterien des modernen Handels zu berücksichtigen." Dabei sollte ein Verdrängungswettbewerb in der Innenstadt ausgeschlossen werden. "Wir haben uns nicht für die einfachste und schnellste Lösung entschieden", betonte Brandelik. Der Architekt habe sich intensiv mit dem Stadtbild auseinandergesetzt und zunächst eine Baukörperstudie erstellt, um die Strukturen der benachbarten Gebäude zu berücksichtigen. 20 Vorschläge für die Fassadengestaltung habe er geliefert, acht seien in die engere Auswahl gekommen.

"Das Büro Wittfoht hat die horizontale Bänderung der Nachbarhäuser übernommen. Auch die vertikalen Strukturen finden sich wieder." Die Fassade, die letztendlich ausgewählt wurde, sei unter der Prämisse gekürt worden, "dass ein moderner Auftritt die größtmögliche Realisierungschance bringt". (Angemerkt)

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Themendossier im Internet:

www.onetz.de/muenze

Sie muss modern sein. Wir leben im 21. Jahrhundert. Wir müssen halt schauen, dass sie sich gut einfügt.Dieter Amann über die Fassade
Entweder haben die diese Informationen nicht oder sie negieren sie. Und die Frage ist auch: Was wollen die denn dann?Michael Rampf über die Kritiker

Unter den höchstens 40 Zuhörern im Rathaussaal fand sich anscheinend kein Gegner der Neubaupläne. Dieter Amann (ehemaliger Chef der Amann'schen Apotheke) lobte den Ansatz für die Fassadengestaltung. "Sie muss modern sein. Wir leben im 21. Jahrhundert. Wir müssen halt schauen, dass sie sich gut einfügt", sagte er. Er bedauerte, dass keine Kritiker erschienen waren. "Die Gegner hätten sich viel früher informieren sollen, auf welchen Grundlagen sich das alles entwickelt hat. Das war ja immer wieder Thema im Stadtrat." Ähnlich äußerte sich Fabian Wendl: "Mir fehlen die Alternativen derjenigen, die sich gegen dieses Projekt aussprechen." Michael Rampf wunderte sich über die Argumente der Gegner: "Entweder haben die diese Informationen nicht oder sie negieren sie. Und die Frage ist auch: Was wollen die denn dann?" Karlheinz Brandelik gab auf Nachfrage auch Auskunft zum Stand der zwei verbliebenen Klagen beim Verwaltungsgericht Regensburg. Das Gericht warte noch bis Ende des Jahres auf die Begründungen. Parallel führe die Gewerbebau aber Gespräche mit den Klageführern. "Wir wollen eine Lösung finden, damit die Bedenken ausgeschaltet werden."

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