30.06.2017 - 14:18 Uhr
Oberpfalz

Lehrer fangen Unterrichtsausfälle bis zur Belastungsgrenze auf Lehrer "retten, was zu retten ist"

An den Schulen herrscht "große Not". So klar benennt der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) Kreisverband Amberg-Stadt den Pädagogenmangel. Um das Problem besser in den Griff zu kriegen, fordert sein Vorsitzender Albert Schindlbeck Stufenlehrer. Langfristig müssten Lehrkräfte so ausgebildet werden, dass sie in einer Stufe an allen Schularten unterrichten können.

Das ist der neue Vorstand des BLLV-Kreisverbands Amberg mit (von links) Caroline Schuierer (Junger BLLV) , Elke Schmidt (2. Vorsitzende), Anja Decker (Dienstrecht), Albert Schindlbeck (Vorsitzender), Udo Behn (Rechtsschutz), Heinz Kotzbauer (Schatzmeister), Andrea Hiltl (Berufswissenschaft) und Sabine Mutzbauer (Schulpolitik). Bild: Steinbacher
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Laut Schindlbeck fehlen für die Einstellung im September derzeit noch 400 Leute. Das heißt nach seinen Worten, "die mobile Reserve wird nächstes Schuljahr wieder chronisch unterbesetzt sein". Erneuter Unterrichtsausfall sei vorprogrammiert. Drei Problembereiche machen nach Meinung des Kreisvorsitzenden momentan am meisten zu schaffen: die Personalknappheit an den Grund- und Mittelschulen, die Digitalisierung und die zunehmende Aggressivität in der gesamten Gesellschaft. Die Lehrkräfte würden alles tun, um Unterrichtsausfälle zu verhindern, betonte Schindlbeck. "Die damit verbundene Mehrarbeit, die Zusammenlegungen einzelner Klassen, das Abhalten von verkürztem Unterricht, das Wegfallen von Förderstunden - das alles zehrt jedoch an den Nerven und macht viele Kollegen krank." Es gebe mittlerweile viele, die ihre persönliche Belastungsgrenze dauerhaft überschritten.

"Lehrer retten, was zu retten ist", verdeutlichte Schindlbeck, "sie machen beinahe alles, um Unterricht nicht ausfallen zu lassen - manchmal weit über die eigene Schmerzgrenze hinaus." Zwei Aspekte stellen die Schulen nach seiner Ansicht vor besondere Herausforderungen und haben zur zugespitzten Situation beigetragen: Zum einen die Menge zu betreuender Flüchtlingskinder und zum anderen die gleichzeitig steigende Zahl von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Besuchten zu Beginn des aktuellen Schuljahrs in Bayern 46 359 junge Flüchtlinge Grund-, Mittel- und Berufsschulen, seien es inzwischen rund 62 000. Etwa 22 000 gehen in Grund- und Mittel-, 40 000 in Berufsschulen.

Besonders problematisch laut Schindlbeck: die relativ hohe Zahl unbegleiteter Minderjähriger - an den Grund- und Mittelschulen zirka 3000, an den Berufsschulen 11 000. Viele Betroffene seien traumatisiert und benötigten Unterstützung. Die wenigsten Lehrer verfügten aber über eine solche Ausbildung.

Demokratie sichern

"Die Schule muss Demokratie sichern helfen." Der BLLV trägt nach Auskunft seines Kreisvorsitzenden mit aller Nachhaltigkeit dazu bei, dass Bildung in ihrer Bedeutung für die Gesellschaft erkannt und anerkannt wird. Dazu gehöre die Erhöhung finanzieller Ressourcen und die vom Landesvorstand verabschiedete Umsetzung des BLLV-Manifestes "Haltung zählt". Im Mittelpunkt des Schulalltags stehe die Lehrerpersönlichkeit und ihre Beziehung zu den Schülern. Laut Schindlbeck wird der personale Bezug noch wichtiger. Lehrer seien überzeugt, dass digitale Medien in einer immer heterogener werdenden Schülerschaft große Chancen für individuelle Förderung bieten. Voraussetzung sei ein passgenaues Konzept, das sich die Schulen mit professionellen Strukturen und soliden Finanzen erstellen müssten.

Albert Schindlbeck bleibt Vorsitzender des BLLV-Kreisverbands Amberg-Stadt. Er wurde bei der Generalversammlung wiedergewählt; seine Stellvertreterinnen sind Elke Schmidt und Tanja Fahrnholz. Andrea Hiltl dankte Schindlbeck für ihre bisherige Vize-Funktion an seiner Seite. Sie ist nun für das Referat Berufswissenschaft zuständig.

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