12.05.2017 - 18:58 Uhr
Oberpfalz

Mandatsträger aus der Region signalisieren Widerstand gegen Hastor-Pläne Für Grammer verschwinden Parteigrenzen

Das Schicksal von Grammer lässt in der Region keinen kalt. Da gelten selbst traditionelle Parteigrenzen nichts mehr, wenn Unterstützung für das im Übernahmekampf mit einem ungeliebten Großinvestor stehende Unternehmen demonstriert werden soll. Da entsteht dann eine übergreifende Dynamik, die selbst einen erfahrenen Arbeitskämpfer wie den Amberger IG-Metall-Chef Horst Ott begeistert.

CSU, SPD und Grüne, Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker Seite an Seite mit den Grammer-Vertretern: Diese Gruppe signalisierte am Freitag per Anwesenheit und gemeinsamer Erklärung ihre Solidarität. Bild: Hartl
von Markus Müller Kontakt Profil

Ott war am Freitag im Gewerkschaftshaus Gastgeber für eine ganz große Koalition aus Politikern aller Farben und Ebenen, die in einer gemeinsamen Resolution zu Hilfe für die Grammer AG aufriefen. Darin heißt es unter anderem: "Als verantwortliche Politiker für die Stadt Amberg und die gesamte Region stehen wir parteiübergreifend ... und über alle Ebenen der Politik zu 100 Prozent hinter den Mitarbeitern der Grammer AG und ihrem Einsatz zur Sicherung der Arbeitsplätze in der Region. Mit großer Sorge beobachten wir die Entwicklung vor der anstehenden Hauptversammlung der Grammer AG, in der ohne überzeugende Begründung und ohne zukunftsfähige Strategie für das Unternehmen die Abberufung der Mehrheit der Aufsichtsratsmitglieder beantragt wird." Zudem werden alle Grammer-Aktionäre aufgefordert, "ihr Stimmrecht für den Erhalt der Arbeitsplätze und für eine weiterhin positive Entwicklung des Unternehmens wahrzunehmen oder eine entsprechende Vollmacht zu erteilen". Über die Lage informiert hatten zuvor die Grammer-Betriebsräte, Horst Ott und Konzern-Personalleiterin Doris Höpfl.

Selbst ist die Region

Angemerkt von Markus Müller

Seit die Prevent-Gruppe der bosnischen Investorenfamilie Hastor sich mit Volkswagen nicht nur angelegt hat, sondern dort tagelang die Bänder zum Stillstand brachte, hat sie in der Branche einen Ruf wie Donnerhall. Auch ihr Vorgehen in Sachen Grammer sehen viele im Lichte der Auseinandersetzung mit VW. Man traut den Bosniern sogar zu, ihr in Grammer-Aktien investiertes Geld komplett aufs Spiel zu setzen, indem sie den Amberger Zulieferer ebenfalls gegen den Autoriesen in Stellung bringen und notfalls sogar opfern. Auch Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig schien diese Möglichkeit bei seinem Besuch realistisch. Dabei hatte er davor noch mit Hastor-Vertretern gesprochen. Aber die schweigen zu ihren genauen Plänen für Grammer, was natürlich das Misstrauen weiter schürt.

Die Hastors brauchen sich also nicht zu wundern, dass jetzt auch die aufgeschreckten Politiker aus der Region eine konzertierte Aktion gegen ihre Übernahmepläne starten. Wobei es spannend ist, ob die (Klein-)Aktionäre in die ihnen zugedachte Rolle des Heilsbringers schlüpfen können. Sollten bei der Hauptversammlung die Hastor-Pläne an der Opposition der Masse der (einheimischen) Mini-Anteilseigner scheitern, läge die passende Überschrift dazu schon in der Schublade der Lokalredaktion: "Die Region hat sich selbst geholfen".

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