Manfred Wendl, Vorstand des Klinikums St. Marien, über neue Baupläne
Wo das Klinikum investiert

"Die Notaufnahme muss dringend erweitert und saniert werden, sie ist über 20 Jahre alt." Zitat: Manfred Wendl, Vorstand Klinikum St. Marien
Politik
Amberg in der Oberpfalz
11.01.2017
257
0
 
"Es hilft gar nichts, wenn der Besuch über uns kommt, aber es ändert sich nichts an der strukturellen Unterfinanzierung." Zitat: Klaus Mrasek über den "Besuchstourismus" von Politikern in Krankenhäusern

Kaum ist am Klinikum der Bauabschnitt IV, ein 60 Millionen Euro schweres Projekt, abgeschlossen, stehen schon die nächsten Investitionen an. Im Blickpunkt zunächst: die Zentrale Notaufnahme. Doch auch im OP-Bereich ist demnächst eine große Sanierung geplant.

Bei der Frage, wie man das finanziert, holt Klinikumsvorstand Manfred Wendl im Gespräch mit der AZ zum Jahresanfang etwas weiter aus. Bei Krankenhäusern sei grundsätzlich eine Trennung vorgesehen: Die Betriebskosten tragen die Krankenkassen, die Investitionskosten die Länder. Also müsste der Freistaat theoretisch zu 100 Prozent für die Baumaßnahmen und die Investitionen in die Medizintechnik aufkommen.

Die Betonung kann man hier ruhig auf "theoretisch" legen, denn in der Praxis hat das Land Bayern die Fördermittel für diese Zwecke beschränkt. 500 Millionen Euro stehen dafür pro Jahr zur Verfügung. Für rund 400 Krankenhäuser (die Zählungen ergeben gelegentlich unterschiedliche Ergebnisse).

300 Millionen Euro fehlen


Das ist weniger, als es im Jahr 1990 gab. Würde man die damalige Summe als ausreichend einstufen und für das Jahr 2017 hochrechnen, müsste der Freistaat den Krankenhäusern 800 Millionen Euro Investitionskosten erstatten. Er tut das aber nicht. "Die Fördermittel reichen deshalb seit vielen Jahren nicht aus", sagt Wendl. Also musste der Freistaat Kriterien einführen, nach denen er immer nur bestimmte Teile der Investitionen bezuschusste. Da können die Größenordnungen stark voneinander abweichen.

Beispiel Bauabschnitt IV (Bauzeit 2011 bis 2016): Von den Kosten von fast 60 Millionen Euro übernahm der Freistaat rund 39 Millionen.

Beispiel Zentralsterilisation (bereits in Betrieb): 6 Millionen Euro Gesamtsumme, 2 Millionen Euro Förderung vom Land Bayern.

Beispiel Weaning-Station (im Bau): 2,7 Millionen Euro Gesamtsumme, 2 Millionen Euro gibt der Freistaat dazu. In einer Weaning-Station werden Patienten, die über längere Zeit beatmet wurden, wieder an das selbstständige Atmen herangeführt.

Beispiel Zentrale Notaufnahme: knapp 10 Millionen Euro Gesamtkosten, 5,8 Millionen Euro kommen vom Land Bayern. Hier begannen die Bauarbeiten Mitte 2016. "Die Notaufnahme muss dringend erweitert und saniert werden, sie ist über 20 Jahre alt", bemerkt Wendl dazu.

Es gibt aber auch Beispiele für Projekte, die gar keine finanzielle Unterstützung vom Freistaat erhielten. Etwa das Ambulanzgebäude und der Anbau zum Bettenhaus 3 A, von 2009 bis 2011 errichtet. "Das war komplett eigenfinanziert", erläutert Wendl.

Was er an größeren Investitionen schon absehen kann, ist vor allem die Sanierung des OP-Bereichs. "Der ist seit 1994 in Betrieb, und man geht da von einer Nutzungsdauer von längstens 25 Jahren aus." Einen zweistelligen Millionenbetrag muss der Vorstand dafür einplanen. Noch heuer kommt die Umgestaltung von Zimmern für zehn zusätzliche Betten, da für St. Marien eine Erhöhung der Planbettenzahl genehmigt wurde. Hier fallen Kosten von rund einer Million Euro an. 760 000 davon wird der Freistaat übernehmen.

Medizintechnik ist teuer


Aber nicht nur Investitionen in Gebäude sind notwendig, sondern auch die Medizintechnik muss stetig modernisiert werden. "Die Patienten dürfen den neuesten Stand erwarten", formuliert Wendl die Vorgabe. Was da so an Kosten anfällt, kann man sich leicht ausrechnen. Auf rund 34 Millionen Euro beziffert Wendl das Investitionsvolumen bei allen medizintechnischen Geräten im Haus. "Und bei der Lebensdauer geht man immer von 10 bis 15 Jahren aus." Ein anderes Beispiel ist die IT-Ausstattung des Klinikums. Bei 800 bis 1000 Arbeitsplätzen, die mit PCs ausgestattet sind, kostet es jährlich "eine Summe im mittleren sechsstelligen Bereich", alles auf der Höhe der Zeit zu halten.

"Strukturelle Unterfinanzierung"Klinikumsvorstand Manfred Wendl formuliert es sachlich-zurückhaltend: Die Refinanzierung der Ausgaben von Krankenhäusern sei "auf Bundesebene nicht adäquat geregelt". Dort werde die Maxime der Beitragssatzstabilität im Gesundheitswesen so hochgehalten, dass die Einnahmen nicht im notwendigen Maße steigen könnten.

ÖDP-Stadtrat Klaus Mrasek, der auch Landesvorsitzender seiner Partei ist, drückt es drastischer aus: "Land und Bund lassen uns als kommunale Träger der Krankenhäuser im Regen stehen." Besonders allergisch reagiert der ÖDP-Politiker auf den "Besuchstourismus von Regierungs- oder Ausschussmitgliedern". Amberg und der Region helfe es gar nichts, "wenn der Besuch über uns kommt, aber es ändert sich nichts an der strukturellen Unterfinanzierung". Für Mrasek umso unverständlicher, als das Klinikum St. Marien ja nicht irgendwelche alten und überholten Strukturen konserviere, sondern sein Angebot ständig verbessere. "Als kommunaler Träger will man sich keine goldene Nase verdienen, aber auch nicht ständig unabwendbar im Minus landen", betont Mrasek.

Er schätzt ein kommunales Krankenhaus als "ganz wesentlichen Faktor für die Lebensqualität in der Region" ein. Und er denkt auch an die Beschäftigten des Klinikums, die zwischen 2010 und 2015 um rund zehn Prozent steigende Fallzahlen bewältigt hätten und die ständig mehr leisteten, um die Qualität des Angebots zu steigern, was etwa auch die mittlere Verweildauer in der Klinik um einen ganzen Tag reduziert habe. "Und trotzdem müssen sie erleben, dass die wirtschaftliche Situation der Klinik schlechter wird." Bei der Wertschätzung für das Personal treffen sich Mrasek und Wendl auf einer Ebene. Der Klinikvorstand beschreibt seine Mitarbeiter als "hoch motiviert, sehr engagiert, aber auch hoch belastet". (ll)


Die Notaufnahme muss dringend erweitert und saniert werden, sie ist über 20 Jahre alt.Manfred Wendl, Vorstand Klinikum St. Marien


Es hilft gar nichts, wenn der Besuch über uns kommt, aber es ändert sich nichts an der strukturellen Unterfinanzierung.Klaus Mrasek über den "Besuchstourismus" von Politikern in Krankenhäusern
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.