Markus Neumann aus Kümmersbruck als Kapitän im Mittelmeer
Wie Sea Eye 5568 Leben rettete

Der Kümmersbrucker Markus Neumann war zweimal als Kapitän auf der Sea-Eye. Auf Einladung der Caritas berichtete er als Beitrag zur interkulturellen Woche über seine Erlebnisse. Bild: Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
02.10.2017
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Die Menschen kommen aus vielen Teilen Afrikas an die Küste Libyens. Das Mittelmeer ist das letzte große Hindernis auf ihrem Weg nach Europa. Der Kümmersbrucker Markus Neumann kennt die Geschichten und erzählt von der Seenotrettung. Er ist Teil der Sea-Eye.

Amberg. (pnad) Die Hoffnung, die sie alle antreibt: endlich dem Krieg zu entkommen, eine Existenz unter lebenswürdigen Bedingungen, die eigenen Kinder in Sicherheit zu bringen. Viel Geld zahlt so mancher dafür, um mit Hunderten auf ein labiles Schlauchboot gepfercht zu werden und die lebensgefährliche Überfahrt anzutreten. "Von diesen Booten hat noch nie eines die europäische Küste erreicht", erzählte Markus Neumann am Freitag bei seinem Beitrag zur interkulturellen Woche, der vom Caritas-Verband organisiert worden war.

Der Kümmersbrucker ist Teil der Regensburger Initiative Sea-Eye, die mit dem gleichnamigen Schiff in Seenot geratenen Menschen im Mittelmeer beisteht. Nachdem das Hilfsprogramm Mare Nostrum, das Italien 2013 ins Leben gerufen hatte, von der Grenzschutzorganisation Frontex abgelöst wurde, sieht es schlecht für die Flüchtlinge aus. "Es kann doch nicht sein, dass den Menschen keiner mehr hilft", kritisierte Neumann. Deshalb beschlossen er und viele andere, die Sache in die Hand zu nehmen. Unter erheblichem finanziellem und zeitlichem Aufwand bauten sie einen Fischkutter zum Lebensretter um. Die Sea-Eye ist nun dauerhaft mit einer achtköpfigen Crew, die alle 14 Tage ausgetauscht wird, von Malta aus permanent im Einsatz.

Dabei ist das Schiff nicht darauf ausgelegt, die in Not Geratenen an Bord zu nehmen. Die Retter versorgen sie mit Wasser und Schwimmwesten, denn "kaum einer kann schwimmen", informierte der Kümmersbrucker seine ob dieser Info entsetzten Zuhörer. Die Flüchtlinge werden dann von der italienischen Marine aufgenommen und an Land gebracht. Doch an Ostern dieses Jahres war die Situation anders: Ein überfülltes Schlauchboot drohte zu sinken, und von der Marine war weit und breit keine Spur. Da auch das Wetter immer schlechter wurde, waren die Retter gezwungen, die Menschen an Bord zu nehmen. "48 Stunden lang 200 Menschen auf engstem Raum zu versorgen war die Hölle", berichtete Markus Neumann. 2016 hat Sea Eye auf diese Weise mit einem finanziellen Aufwand von 250 000 Euro 5568 Menschen gerettet. Diesem positiven Ergebnis stehen 4223 Tote gegenüber, die allein auf der Zentralroute ums Leben gekommen sind. "Die Dunkelziffer ist wohl um einiges höher", vermutete der Hobby-Segler, der sich bislang zweimal als Kapitän an Einsätzen beteiligt hat. Doch die Unterstützung, die die Initiative von mittlerweile über 1000 Freiwilligen und Spendern erhält, sei ein Lichtblick. Seit 2017 wird die Sea Eye von einem zweiten Schiff, dem Seefuchs, auf ihren Rettungsfahrten begleitet

Es kann doch nicht sein, dass den Menschen keiner mehr hilft.Markus Neumann
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