23.07.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Naturschutzbeauftragter Anton Rupprecht: Tötung von Biber war rechtmäßig Endstation Schlachthof

"Natürlich setzen wir normalerweise alles daran, Biber zu schützen", begründet der Naturschutzbeauftragte der Stadt, Anton Rupprecht, den im Umweltausschuss am Mittwoch vorgetragenen Sachverhalt. "Wenn uns die Tiere jedoch vor nicht lösbare Probleme stellen, müssen wir darauf reagieren."

von Jürgen Herda Kontakt Profil

Der getötete Biber habe am Ammerbach immer wieder den Damm beschädigt, auf dem das Bachbett am so genannten Mühlgraben verläuft. Um die Standsicherheit des Dammes zu gewährleisten und zu verhindern, dass dieser abreißt, habe der betroffene Landwirt mehrfach Ausbesserungsmaßnahmen vorgenommen.

Ausnahmegenehmigung

Da der Erfolg immer nur von kurzer Dauer gewesen sei, habe die Regierung der Oberpfalz eine Ausnahmegenehmigung erteilt, die es erlaubt habe, in diesem Fall bei dem ansonsten streng geschützten Biber eine "Fangaktion einschließlich der eventuell erforderlichen anschließenden Tötung" durchzuführen. Letzteres gelte für den Fall, dass die sonst übliche "Wiederausbürgerung" im Ausland nicht möglich sei. Rupprecht: "Die geplante Ausbürgerung nach Spanien konnte nicht erfolgen, weil das Tier nicht aufgenommen wurde." Auch andere Gebiete würden mittlerweile so viele Biber beheimaten, dass diese abwinken würden. Selbst der Platz bei Biberbeauftragtem Markus Schmidbauer, der einige Biber beherbergen kann, sei bereits voll belegt gewesen.

Jagdpächter übernimmt Tötung

"Damit blieb uns nichts anderes übrig, als den Biber zu töten", bedauerte der Naturschutzbeauftragte. Schmidbauer, der nicht nur Biologe, sondern auch Jäger ist und deshalb die Tötung selbst hätte vornehmen können, war zu diesem Zeitpunkt jedoch verhindert. "Deshalb haben wir den zuständigen Jagdpächter gebeten, diese Aufgabe zu übernehmen", so Anton Rupprecht. Keineswegs habe man ihn jedoch dazu gezwungen: "Hätte er keine Bereitschaft gezeigt, hätten wir versucht, jemand anderen zu finden."

Schlaflose Nächte

Jagdpächter Hans Beck aber bleibt bei seiner Schilderung: "Das gehört sich nicht, ein Tier in einem Käfig zu erschießen." Er habe sich erst nach langer und heftiger Debatte bereit erklärt, das Gewehr zu laden und den Lauf durch die Gitterstäbe zu schieben, selbst wollte er aber nicht abdrücken. "Frau Keck hatte mich angefleht, das Tier zu erschießen, sie selber wollte es nicht tun." Schließlich habe Beck der Tragödie ein Ende bereiten wollen und die Sache selbst in die Hand genommen: "Ich habe heute noch schlaflose Nächte, so reut mich das Viecherl, das mich durchs Gitter angeschaut hat. Die haben aber nur eiskalt gesagt, dass der Biber auf den Schlachthof kommt!"

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