24.01.2018 - 22:26 Uhr
Oberpfalz

"NoGroko"-Kampagne der Jusos trägt Früchte SPD Oberpfalz mit hohem Mitgliederzuwachs in kürzester Zeit

Die Groko-Gegner in der SPD werben derzeit massiv um neue Mitglieder. Auch die Oberpfälzer Jusos machen mit - aber nicht um jeden Preis, manche Ideen halten sie für "Mist". Die Parteispitze könnte der Kampagne aber bald in die Quere kommen.

"Wir haben die Schnauze voll." Zitat: Sebastian Dippold, Juso-Chef Neustadt/WN
von Julian Trager Kontakt Profil

Amberg/Weiden. (jut/dpa) Auch auf die Oberpfalz wirkt sich die Mitgliederwerbung der "NoGroko"-Kampagne der Jusos aus. Wie Matthias Jobst von der SPD-Bezirksgeschäftsstelle auf Nachfrage der Redaktion mitteilt, sind seit Sonntag 35 Menschen der Oberpfälzer SPD beigetreten. Eine sehr hohe Zahl. "So viele kriegen wir normalerweise in einem Monat nicht." Der Zuwachs sei aber nicht nur auf die Aktion der Jusos zurückzuführen, sagt Jobst. "Die Alterstruktur ist durchgemischt." Nicht nur Groko-Gegner seien dazugekommen. Aber: Natürlich locke vor allem die Möglichkeit, mit abzustimmen.

Mit Sprüchen wie "Tritt ein, sag' nein" oder "Einen Zehner gegen die Groko" versuchen die Jusos derzeit bundesweit, neue Mitglieder zu werben, die beim Mitgliederentscheid gegen die Große Koalition stimmen. Wer tatsächlich abstimmen darf, steht noch nicht fest. Der SPD-Parteivorstand will Anfang kommender Woche einen Stichtag festlegen. Wer danach eintritt, darf nicht am Votum teilnehmen. Eine Reaktion auf die Mitgliederwerbung sei das aber nicht, betont die SPD-Pressestelle. Eine reine organisatorische Notwendigkeit, für Vorbereitung, Druck und Versand von Unterlagen.

Die Kampagne, vor allem der Slogan "Einen Zehner gegen die Groko" der Jusos in Nordrhein-Westfalen, wird von der Parteiführung harsch kritisiert. SPD-Bundesvize Thorsten Schäfer-Gümbel sagte: "Ich rate den Ortsvereinen, Anträge auf Mitgliedschaft genau zu überprüfen. Wer erkennen lässt, dass er nur zehn Euro überweist und danach wieder austreten will, hat kein Interesse an der Sozialdemokratie." SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil warnte, das reduziere den Wert der Mitgliedschaft.

Die Oberpfälzer Jusos distanzieren sich ebenfalls von dem Spruch. Jonas Lay, Vorsitzender des Juso-Unterbezirks Amberg-Sulzbach-Neumarkt, sagt über die Kurzzeit-Mitgliedschaft: "Das ist überhaupt nicht das Ziel der Kampagne." Sebastian Dippold, im Vorstand des Juso-Unterbezirks Weiden-Neustadt-Tirschenreuth, findet deutlichere Worte: "Das ist Mist und dumm formuliert." Beide Unterbezirke stehen hinter "Tritt ein, sag' nein". Jonas Lay stellt aber klar: "Es geht darum, Mitglieder langfristig zu binden."

Um die Groko zu verhindern, werden die Jusos in der Nordoberpfalz in nächster Zeit Widerstand leisten, sagt Dippold. Stichwort: Häuserwahlkampf. Warum? "Wir sind ideologisch, wollen nicht um jeden Preis Wahlen gewinnen oder regieren." Es gehe um Inhalte, Werte. Nichts davon stehe in den Sondierungspapieren. "Wir haben die Schnauze voll."

Wir haben die Schnauze voll.Sebastian Dippold, Juso-Chef Neustadt/WN

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