30.04.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Peter Struck verabschiedet in Amberg Panzerbrigade 12 in den Kosovo: "Kommt mir alle gesund ... Explosiver Einsatz für Oberpfälzer

Ein Einsatz im Kosovo ist für die Soldaten der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" nichts Neues. Trotzdem werden die kommenden sechs Monate auf dem Balkan keine Routine sein. Sie dürfen es auch nicht.

Stoisch und sachlich: Verteidigungsminister Peter Struck in Amberg. (Bild: Unger)
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Das wissen die Männer und Frauen, die in die Krisenprovinz gehen. Das weiß auch ihr oberster Dienstherr Peter Struck. Deshalb warnt der Verteidigungsminister: "Auslandseinsätze bleiben etwas Besonderes." Nicht nur, weil sie in einem fremden Umfeld erfolgen und die Soldaten mit einer anderen Kultur konfrontieren. Sondern auch, weil die Situation im Kosovo sehr schnell wieder explosiv werden kann. Die Unruhen im März haben das erst bewiesen.

Mit rund 40 Flügen bringt die Luftwaffe in Transall- und Airbus-Flugzeugen die 2800 Soldaten des 9. deutschen Kfor-Kontingents in die mazedonische Hauptstadt Skopje. Von dort geht es auf der Straße weiter nach Prizren, im Südwesten des Kosovo. Die Ersten sind bereits abgeflogen. Bis Ende Mai, Anfang Juni sollen alle an Ort und Stelle sein. Am 19. Mai übergibt General Friedrich Riechman, der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, das Kommando über das deutsche Kontingent an Oberst Erhard Bühler. Der Chef der Panzerbrigade 12 löst Oberst Dieter Hintelmann ab.

Sicherheit in Prizren

Zusammen mit der italienischen "Brigata Pinerolo" stellen die Oberpfälzer das Gros der Multinationalen Brigade Südwest (MNB). Mit dabei sind Einheiten aus Österreich, Spanien und der Türkei. Sie sollen im Gebiet um Prizren und nördlich der Stadt für Ruhe und Sicherheit sorgen.

Rund 1500 Soldaten des deutschen Kontingents stellt die Oberpfälzer Brigade. Etwa 1300 Soldaten, Heeresflieger, Sanitäter, Feldjäger und weitere Spezialisierungen, die es innerhalb der Amberger Brigade nicht gibt, kommen von anderen Einheiten. Insgesamt sind aus den Standorten der Panzerbrigade 12 - Amberg, Regen, Oberviechtach, Pfreimd, Neunburg, Bogen und Roding - sowie dem thüringischen Bad Frankenhausen 2000 Mann im Einsatz. Aber nicht jeder geht sechs Monate auf den Balkan.

Einige Soldaten teilen sich die Zeit im Kosovo. Das Panzerbataillon 104 aus Pfreimd stellt mit Teilen des Panzergrenadierbataillons 122 aus Oberviechtach die Reserve. Wenn die Situation im Kosovo erneut eskaliert, werden sie eingeflogen. Noch übernimmt aber diese Aufgabe das Panzerbataillon aus Hagenow bei Schwerin, das seit März in der Provinz ist.

Der Verteidigungsminister befürchtet, dass die "Situation eher instabiler" wird. "Die Panzerbrigade 12 weiß das", sagt er. Bereits die Unruhen im März im Kosovo, die 19 Menschen das Leben gekostet haben, waren organisiert. Vor den anstehenden Wahlen könnten erneute Gewaltausbrüche drohen. Denn albanische Gruppen wollen sich in Szene setzen. Damals wurden rund 900 Menschen verletzt und etwa 4000 Serben erneut vertrieben. Zudem wurden 800 Häuser zerstört sowie 30 serbische Kirchen und Klöster verwüstet.

Die Gewalt ist für Peter Struck ein Beleg, dass "die tiefen ethnischen Unterschiede nicht so schnell überwunden wurden, wie wir gedacht haben". Ohne politische Lösung, sagt er, muss die Bundeswehr noch lange Zeit im Kosovo bleiben. Deshalb fordert er: "Wir müssen die Albaner politisch mehr unter Druck setzen." Sie müssten endlich garantieren, dass Serben zurückkehren können, ohne um ihr Leben fürchten zu müssen. Ein Abrücken vom Prinzip erst Standards, das heißt Rechtsgarantien für alle Gruppen, dann Status lehnt der Minister ab. Andernfalls, sagt Struck, "würden die Gewalttäter noch belohnt".

Lange Unsicherheit

Die veränderte Situation im Kosovo bescherte zahlreichen Soldaten gut fünf Wochen Unsicherheit. Denn zunächst war geplant, das Kontingent zu reduzieren. In diesen Fall hätten weitaus mehr Soldaten nur drei Monate auf den Balkan verbracht. Erst nach Ostern haben sie erfahren, dass sie doch sechs Monate in den Einsatz müssen. Beim Abschiedsappell am Mittwochabend auf dem Amberger Marktplatz entschuldigte sich Struck: "Ich bitte um Verständnis für die Hängepartie."

Mit dem feierlichem Appell verabschiedete der Verteidigungsminister neben den Soldaten der Panzerbrigade 12 auch das Logistikbataillon 472, sowie Kräfte des Bundeswehrkrankenhauses Amberg. "Kommt mir alle gesund wieder", rief er den Männern und Frauen zu. Sie sind ohnehin das letzte Kontingent, das sechs Monate in der Krisenprovinz verbringt. Künftig sollen die Einheiten alle vier Monate abgelöst werden.

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