27.07.2017 - 14:26 Uhr
Oberpfalz

Planungsbüro PGV-Alrutz legt vorläufiges Fahrradkonzept vor Radler sollen sicher fahren

Nach 104 Folien Power-Point-Präsentation waren erst einmal alle platt. Noch platter war der Verkehrsausschuss dann, als er die Kosten für den Ausbau des Amberger Radwegenetzes erfuhr: rund zehn Millionen Euro. Doch die reine Zahl täuscht.

In welche Richtung weist der Pfeil für die Radfahrer? Der Verkehrsausschuss will Taten sehen. Bild: Stephan Huber
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Das erste Schlucken nach der Vorstellung des künftigen Radwegekonzepts für die Stadt durch Heike Prahlow von der Planungsgemeinschaft Verkehr (PGV) Alrutz aus Hannover war groß. 9,9 Millionen Euro werde es kosten, alle Maßnahmen umzusetzen, die im noch nicht ganz fertigen Konzept enthalten sein werden. Viele davon können aber in den kommenden zehn Jahren sukzessive und im Rahmen "normaler" Straßenbaumaßnahmen miterledigt werden, beruhigte die Fachfrau die Gemüter der Räte.

Nun musste sich aber der gemeinsame Bau- und Verkehrsausschuss mit dem Projekt befassen, da für die dringlichsten Dinge Geld in den Haushalt 2018 eingestellt werden müssen. 100 000 Euro, so der Vorschlag der Verwaltung, werden erst einmal reichen. Am Ende waren es dann 250 000 Euro, weil der Ausschuss einstimmig der Meinung war, jetzt einmal ein starkes Signal nach außen geben zu müssen, wie es Martin Preuß (CSU) formulierte.

Zeit, zu handeln

"Jetzt ist es Zeit, zu handeln", befand auch Uli Hübner (SPD) und erinnerte daran, dass es seine Partei gewesen sei, die schon 2007 auf ein Verkehrskonzept für die Stadt Amberg gedrängt habe. Apropos Konzept. Genau das fehlt nach Ansicht der Verkehrsplaner aus Hannover in Amberg hinsichtlich des Fahrradverkehrs. Räder, das machte Heike Prahlow deutlich, müssen als Fahrzeuge wahrgenommen werden, mit denen Kinder in die Schule, Erwachsene in die Arbeit und Touristen durch die Landschaft fahren.

Absolute Ausnahme

Aus diesem Grund halten die Verkehrsplaner aus Hannover auch nicht viel vom in Amberg so beliebten kombinierte Geh- und Radweg. "Das soll nur im absoluten Ausnahmefall so sein", sagte Heike Prahlow und verwies darauf, dass auf dem "Kombinierten" Radfahrer ja nur in Schrittgeschwindigkeit unterwegs sein dürfen. Positiv findet sie es hingegen, dass die Fußgängerzone nach der Freigabe für die Radler nun keine Barriere mehr für diese darstellt.

"Radverkehr ist Fahrverkehr und ist deshalb im Regelfall in den Fahrbahnquerschnitt zu integrieren", machte Prahlow ein "Gesetz" des Konzepts deutlich. An Hauptverkehrsstraßen muss demnach eine möglichst durchgängige Radwegeführung geschaffen werden. Gemeinsamer Rad- und Fußverkehr hingegen soll nur in absoluten Ausnahmefällen stattfinden. An Negativbeispielen mangelte es ihr nicht. Beispielsweise der Kaiser-Wilhelm-Ring gegenüber der Max-Josef-Schule, der erst vor kurzem vom reinen Geh- zum Kombiweg gemacht worden ist.

Ein anderes Problem: "Überall wird in alle Richtungen gefahren." Denn meist seien die kombinierten Wege auch noch im Gegenverkehr nutzbar - und zwar zwangsweise, was durch die entsprechenden Verkehrsschilder auch signalisiert werde.

Von Schutzstreifen und Prioritäten

Vieles muss ohnehin bezahlt werden

Amberg. (ass) Kurzfristig muss die Stadt Amberg nach den Vorgaben des Radwegekonzepts etwa 900 000 Euro locker machen, um die dringlichsten Maßnahmen umsetzen zu können. Gut neun Millionen Euro wird es dann kosten, die in Priorität I, II und "perspektivisch" eingeordneten Dinge auf den Weg zu bringen. Fürwahr viel Geld, wie der Ausschuss feststellte. Doch Geld, das vielleicht auch ohne Fahrradkonzept ausgegeben werden müsste.

OB Michael Cerny brachte es auf einen griffigen Satz: "Wenn wir es nicht schaffen, den ein oder anderen mehr auf das Fahrrad zu bringen, wird der Kfz-Verkehr zunehmen. Und damit wären dafür dann ebenfalls bauliche Maßnahmen nötig." Was auf der anderen Seite aber seiner Ansicht nach bedeutet, dass künftige Verkehrsplanungen schon vom Ansatz her auch aus Sicht eines Radfahrers angegangen werden müssten.

"Radfahrverkehr ist nachhaltiger Verkehr", so sagte Hans-Jürgen Bumes von den Grünen. Er bat aber eindringlich darum, das Augenmerk jetzt nicht nur auf die Bedürfnisse des eigentlichen Stadtgebiets zu legen, sondern auch die Anbindung der Gewerbe- und Industriegebiete rund um die Stadt zu berücksichtigen.

Doch was kann man mit bereits vorhandenen Straßen machen, wenn sie nicht breit genug sind, einen eigenen, abgegrenzten und beidseitigen Radweg anzulegen? Auch diese Frage konnte Heike Prahlow beantworten. In solchen Fällen könnten sogenannte Schutzstreifen geschaffen werden. Das sind eine Art Fahrradwege, die auf der Fahrbahn abmarkiert werden, die aber von breiten Lkws und Bussen überfahren werden dürfen.

Wichtig sei es, diese Schutzstreifen und auch die Fahrradwege mit einem gewissen Abstand zum parkenden Verkehr anzulegen, um den Effekt der plötzlich aufgehenden Tür zu vermeiden. Was natürlich für die Breite der dann noch verbleibenden Fahrbahnen von großer Bedeutung sein kann.

Aber nun zum konkreten Beispiel: die Raigeringer Straße. Auf der fahren laut Bestandsaufnahme des Ingenieurbüros aus Hannover zwischen 7000 und 12 000 Kraftfahrzeug pro Tag und natürlich zahlreiche Radler, die derzeit noch zum Teil auf dem Gehsteig oder in falsche Fahrtrichtung unterwegs sind. Teilweise existiert ein einseitiger, kombinierter Geh- und Radweg, der in beiden Richtungen befahren werden kann. Daneben aber auch ein Radweg ohne Benutzungspflicht, der nach Ansicht der Planer viel zu eng ist. An manchen Stellen teilen sich Radler und Autofahrer die Fahrbahn.

Die Lösung könnte so aussehen, dass es auf der einen Seite einen Geh- und Radweg geben könnte, auf der anderen einen Schutzstreifen auf der Fahrbahn. Zwischen der Werner- und Asamstraße müssten dann beidseitig Schutzstreifen aufgemalt werden, wie die Planung vorsieht.

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