16.02.2018 - 16:50 Uhr

Politischer Ascherdonnerstag der SPD Selbstgewählter Spott

Als Kriseninterventionsteam bringt sie so schnell nichts aus der Ruhe. Nicht nach Berlins Pannenflughafen BER und Stuttgart 21. Deshalb bieten sie jetzt in Amberg ihre Dienste an. Mit viel Witz und Schwung bestreiten "Nackad sing i niad" den kabarettistischen Part am Ascherdonnerstag.

Dank Berlins Pannenflughafen BER und Stuttgart 21 sind Carola Helm (links) und Daniela Ludwig krisenerprobt. Genau richtig, um künftig in Amberg zu wirken, befinden die Schwestern und bestreiten den kabarettistischen Part beim Ascherdonnerstag der SPD. Bilder: Steinbacher (2)
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Für den Fisch ist der Wirt der Alten Kaserne zuständig, für die Politik die Fraktionsvorsitzende der SPD im Stadtrat, Birgit Fruth, und für den Humor eine Zwei-Frau-Show namens "Nackad sing i niad". SPD-Stadtverbandsvorsitzender Martin Seibert kündigte an, dass mit dem Kabarett die Sinne auf das gelenkt werden sollen, wie das Leben eben so spielt. Und da wussten die Schwestern aus Neukirchen so einiges zu berichten. Mit Warnweste, Bauhelm und Klemmbrett kamen sie als erprobtes Kriseninterventinsteam an, die eine zuständig für Berlins Pannenflughafen, die andere für Stuttgart 21. Ihnen sei zu Ohren gekommen, dass in Amberg gewisse Bauvorhaben in Planung seien. Deshalb seien sie gekommen, um zu intrigieren, ähm zu intervenieren, kicherten die Schwestern.

Fast eineinhalb Stunden boten sie Musik-Kabarett vom Feinsten, spöttelten über die SPD ("Zur Selbstfindung fahren viele zum Töpfern nach Gomera, die von der SPD gehen in die Opposition") genauso wie über die CSU ("Mit der CSU ist es wie beim Leberkäs - weder Leber noch Käse drin"), widmeten sich aber auch dem Irrsinn des Alltags. Beispielsweise, wenn man montags beim Aldi ist, um eine Matschhose für den Nachwuchs zu ergattern und sich um dieses begehrte Stück mit anderen Müttern prügeln muss. Der dazugehörige Song gipfelt in einem Refrain, der eine Liebeserklärung an Mütter ist: "Von Amberg bis Botswana, egal wen'st fragst, it's geil to be a Mama".

Mit feinsinnigem Humor schlüpfen die talentierten Schwestern in die Rollen von Sanitäter, Krankenschwester und Grantler. So manchen Witz in ihrem Programm reimen sie flott auf die SPD um, sparen niemanden aus - weder Martin Seibert ("Das Zugpferd, die Lok") noch Birgit Fruth ("Was der Gesundheit gut tut, weiß die Birgit Fruth. Statt Yoga und grüner Tee Sparring bei der SPD").

Sie können auch sich selbst so herrlich auf die Schippe nehmen, beispielsweise wenn die Harmonie zwischen zwei Schwestern im Laufe von ein paar Liedstrophen ins krasse Gegenteil umschlägt oder der Krankenschwester-Kittel zwickt: "Gottseidank ist bald Fastenzeit, da wird das Kostüm auch wieder lockerer sitzen." Perfekt saßen auf jeden Fall am Tag nach Aschermittwoch die frechen Sprüche des kessen Duos.

"CSU nörgelt nur"

Bezirksrat Richard Gaßner sprach die Zusammenarbeit der Krankenhäuser in der Region an. "Ich bin der Meinung, man wird sich früher oder später zusammensetzen müssen." Er kritisierte, dass die CSU in der Stadt und vor allem ihr Fraktionsvorsitzender Dieter Mußemann nur meckern würden. "Die CSU nörgelt und erwartet, aber sie muss auch ein Angebot machen", sagte er. Er könne den Entscheidungsträgern nur raten, sich zusammenzusetzen und was für die Region zu tun, sagte er an die Adressen von Stadt und Landkreis.

Sowohl SPD-Stadtverbandsvorsitzender Martin Seibert als auch Kreisvorsitzender Uwe Bergmann mahnten Geschlossenheit in der Partei an. (san)

Kritik am OB

Seit letzter Woche hat Birgit Fruth nach eigenen Angaben Gewissheit: "Amberg wird von einem Kasperl regiert, noch dazu von einem aufgeblasenen, womöglich sogar mit heißer Luft", sagte die SPD-Fraktionschefin in Anspielung auf das Faschingskostüm des Oberbürgermeisters. Der OB könne angesichts seines Agierens und Handelns im zweiten Beruf Talkmaster machen. "Themen werden bei ihm zerdiskutiert - aber wenn er nur endlich mal den Arsch in der Hose hätte und eine Entscheidung treffen würde."

Sie kritisierte Cernys Haltung zu den Kundenstoppern ("Wenn wir einen einstimmigen Stadtratsbeschluss haben, dann erwarte ich, dass der umgesetzt wird"), das Kommunikationsdesaster zur Baumaßnahme in der Oberen Nabburger Straße ("Die Informationspolitik ist definitiv noch schlechter als letztes Jahr") sowie fehlende Park & Ride-Parkplätze. Im Wahlkampf habe Cerny angekündigt, das Forum zur Chefsache machen zu wollen. "Jetzt ist er vier Jahre im Amt und wir haben immer noch den Leerstand." Fruth merkte an, dass Investor Ten Brinke immer noch nicht unterschrieben habe. Zur Krankenhäuser-Diskussion erklärte sie, dass sie nicht nachvollziehen könne, in welch harschem Ton die CSU gegenüber dem Landkreis auftrete. "Wir sitzen alle in einem Boot, wir sollten die Tür nicht ganz zuschlagen." (san)

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