Routen für den Ostbayern-Ring
Entscheidung im Januar

(Foto: ggö)
Politik
Amberg in der Oberpfalz
29.12.2016
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Das Raumordnungsverfahren für den Ostbayern-Ring ist abgeschlossen. Netzbetreiber Tennet will sich nun im neuen Jahr auf den Trassenverlauf für den Ersatzneubau der Stromleitung festlegen.

Amberg/Weiden. (gib/esa) Es ist ein Mammutprojekt: Bis 2023 soll der Ostbayern-Ring, der die Oberpfalz und Oberfranken mit Strom versorgt, neu gebaut werden. Im Januar will sich der Netzbetreiber Tennet auf einen Trassenverlauf festlegen.

Bei zwei Drittel der 185 Kilometer langen Strecke zwischen dem oberfränkischen Redwitz und Schwandorf wird sich der Verlauf nicht ändern. Hier werden die Strommasten lediglich um 65 Meter versetzt gebaut. Der Hintergrund: Es handelt sich beim Ostbayern-Ring um die einzige Höchstspannungsleitung in der Region. „Wir können die alten Leitungen erst abbauen, wenn die neuen aufgebaut sind“, erklärt Tennet-Sprecher Markus Lieberknecht.

Beim restlichen Drittel der Strecke wird der Verlauf deutlicher abweichen, etwa weil in der Zwischenzeit Wohnbebauung nah an die bestehenden Leitungen herangewachsen ist. Tennet ist eigenen Angaben zufolge bestrebt, bei der Errichtung neuer Leitungen möglichst große Abstände zu Wohngebäuden zu gewährleisten.

Reihe von Auflagen

Im November hat die Regierung der Oberpfalz als federführende höhere Landesplanungsbehörde das Raumordnungsverfahren für den Ersatzneubau des Ostbayern-Rings abgeschlossen. Sie beurteilte das Vorhaben im Ergebnis als raumverträglich – wobei die Zustimmung an eine Reihe von Auflagen geknüpft ist. In der Oberpfalz wurden in den Räumen Schwandorf, Wernberg-Köblitz, Luhe-Wildenau und Windischeschenbach mehrere Trassenvarianten abgelehnt. Teils bleibt damit lediglich eine Variante übrig, die dann auch umgesetzt werden soll.
In Wernberg-Köblitz ist man zufrieden: Hier entschied sich die Regierung für die „Wunschtrasse“ der Marktgemeinde, die vom Ortsrand wegrückt. Komplizierter ist es in Schwandorf: Dort haben zwei Varianten grünes Licht bekommen. Damit bleibt die Frage, ob der Ostbayern-Ring weiterhin im Naabtal oder über die Kreither Höhen führen soll, offen. Glücklich sind die Anlieger nicht überall. Hans Götz, Wirt der gleichnamigen Wanderhütte bei Altenstadt/WN, ist „auf keinen Fall einverstanden.“ Dem stimmt Bürgermeister Ernst Schicketanz zu. Zur positiv bewerteten Trassenführung meint er: „Das ist die schlechteste für uns.“ Er will ein Veto einlegen.

„Der Entscheidungsprozess läuft“, sagt Lieberknecht zu den Bereichen, in denen zwei Varianten zur Verfügung stehen. Im Januar werde das Ergebnis den Bürgern in den betroffenen Orten bei Informationsveranstaltungen mitgeteilt. Zuvor werden die Bürgermeister der Ortschaften informiert. Bei der Entscheidung kommt eine ganze Reihe von Faktoren zum Tragen. Wird das Wohnumfeld beeinträchtigt? Kann man eine Waldquerung umgehen? Behindert man eventuell künftige Gewerbegebiete? Kann die Trasse entlang der A93 laufen, um die Landschaft nicht zusätzlich zu durchschneiden?

Antrag Anfang 2018

Mit dem neuen Jahr beginnt für Tennet die Vorbereitung für das Planfeststellungsverfahren. Die Unterlagen sollen Anfang 2018 eingereicht werden. Auf Tennet warten umfangreiche Gespräche mit den Grundstückseigentümern, auf deren Flächen die neuen Strommasten gebaut werden sollen. Tennet geht von über 2000 Eigentümern entlang der gesamten Strecke aus. Sie haben das Recht, Einspruch zu erheben – und können auch nach einem Planfeststellungsbeschluss noch klagen. Anwohner haben dieses Recht Lieberknecht zufolge nicht. Wenn sie Einspruch erheben, liege es an der Regierung, das zu gewichten. Optisch werden die neuen Leitungen im Landschaftsbild keine großen Veränderungen ergeben, sagt Lieberknecht. Sie seien lediglich acht Meter höher als die bisherigen Masten. Eine Erdverkabelung sei vom Gesetzgeber für den Ostbayern-Ring nicht vorgesehen.

Nötig ist der Ersatzneubau Tennet zufolge, um die Versorgungs-, Netz- und Ausfallsicherheit für Oberfranken und die Oberpfalz mit Blick auf die Energiewende auch zukünftig sicherzustellen. Nach dem Wegfall des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld sowie der konventionellen Kraftwerke Arzberg, Schwandorf und Pleinting übernimmt der Ostbayern-Ring vorrangig den Transport regenerativer Energien.

Wir können die alten Leitungen erst abbauen, wenn die neuen
aufgebaut sind.Markus Lieberknecht, Tennet-Sprecher


InformationsveranstaltungenBei insgesamt neun Informationsveranstaltungen entlang des Ostbayern-Rings erläutert das Projektteam im Januar die landesplanerische Beurteilung sowie die nächsten Schritte in der Planung und Genehmigung. Infostände sind jeweils von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr vor Ort. Die Termine in der Oberpfalz: 16.1. Mitterteich (Historisches Rathaus), 17.1. Windischeschenbach (Katholisches Pfarrheim), 18.1. Wernberg-Köblitz (Rathaus), 19.1. Schmidgaden (Rathaus) und 20.1. Schwandorf (Spitalkirche). (gib)



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