SPD Amberg erinnert an Franz Xaver Kemmeter
Flucht ins Exil

Mitglieder der SPD Amberg gedenken Franz Xaver Kemmeter, der symbolisch für alle Widerstandskämpfer und Opfer des Nazi-Regimes steht. Bild: dwi
Politik
Amberg in der Oberpfalz
18.08.2017
152
0

Am 19. August jährt sich sein Geburtstag zum 130. Mal. Kein Grabstein und keine Erinnerungstafel hält seinen Namen. Trotzdem darf das einstige Amberger Ratsmitglied Franz Xaver Kemmeter nicht in Vergessenheit geraten.

Darum kümmert sich Dieter Weiß, der durch gründliche Recherche mehr über den Widerstandskämpfer in Erfahrung bringen konnte. An dem Gedenkstein für KZ-Opfer am Katharinenfriedhof trafen sich Mitglieder der SPD, um an ihren Genossen zu erinnern. Franz Xaver Kemmeter war 11 Jahre Vorsitzender der Amberger Sozialdemokraten. Bis 1933. Dann wurde er von den Nationalsozialisten nach Dachau verschleppt.

Nach seiner Entlassung aus dem Konzentrationslager konnte er ins Sudetenland fliehen. Von dort aus wurde der sozialdemokratische Widerstand organisiert und Flugblätter über die Grenze geschmuggelt. 1939 ist Kemmeter in Tschechien von der Gestapo verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald für politische Gefangene gebracht worden. Zwei Jahre später wurde auch sein 22-jähriger Sohn dort zum Inhaftierten. Kurt Kemmeter überlebte die Qualen im Lager und wanderte nach Kanada aus. Seinen Erzählungen zufolge, wurde sein Vater Franz 1944 von einem Wachsoldaten im Lager Lublin erschossen.

Chronik der AWO

"Heute sollen die Täter namenlos bleiben! Heute gedenken wir den Opfern, den Vorbildern und den Kämpfern für Demokratie und Menschenrechte", sagte Dieter Weiß, der die Chronik der Amberger Arbeiterwohlfahrt studierte, um über die historischen Zusammenhänge dieser Zeit berichten zu können. Er erinnerte an den Verbot der SPD und an den Vater der bayerischen Verfassung, Wilhelm Hoegner, der damals ins Exil in die Schweiz flüchtete. Ein bedrohliches Alarmzeichen seien die Übergriffe auf Asylbewerber und die Morde der NSU. Wenn rassistische Sprüche im Internet zum Alltag gehören, sei es an der Zeit, dass alle demokratischen Kräfte zusammenstünden. Vorsitzender Martin Seibert rief in seiner Rede zum Kampf gegen den Faschismus auf. Dieses Gedankengut schleiche sich durch alle soziale Schichten.

Nazis eins ausgewischt

"Die unten suchen einen Schuldigen für ihre Schicksale und die oben suchen einen Weg, um mehr an Macht zu gewinnen", sagte Seibert über heutige Rechtspopulisten. Parteimitglied Eduard Rast erzählte eine Anekdote seines Vaters, der immer versuchte, den Nazis eins auszuwischen. "So schickte er Fremdarbeiter, die auf der Suche nach Alkohol waren, zu den bekennenden Faschisten drei Häuser weiter, damit deren Eigentum geplündert wird."

Zum Ausklang sangen die Parteimitglieder "Die Moorsoldaten", ein Lied, das von politischen Häftlingen im Konzentrationslager Börgermoor erfunden wurde und in mehrere Sprachen übersetzt worden war.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.