08.12.2017 - 18:24 Uhr
Oberpfalz

SPD-Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld besucht Amberger Tierheim Nicht nur Mäuse ein Problem

Käfig reiht sich an Käfig. Ein unangenehmer Geruch macht das Atmen schwer. Normalerweise trinken hier die Beschäftigten des Tierheims einen Kaffee oder machen ihre Brotzeit. Doch jetzt leben in diesem Raum 1300 weiße Mäuse.

Noch immer krabbeln rund 1300 weiße Mäuse in den Käfigen des Amberger Tierheims. Sabine Falk (rechts), die Vorsitzende des Tierschutzvereins, und SPD-Abgeordnete Susann Biedefeld (Zweite von rechts) haben keine Berührungsängste. Abgeordneter Reinhold Strobl (Zweiter von links) schaut da lieber zu. Wie auch Martina Nimmerrichter (links) und Carmen Gurdan (Mitte) vom Tierschutzverein. Bild: Petra Hartl
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Mittendrin steht Susann Biedefeld, die tierschutzpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag, und schüttelt den Kopf. "Eigentlich müsste ja der Spediteur für die Kosten aufkommen", sagt sie und erinnert an den Vorfall, der diese Mäuse nach Amberg gebracht hat: Die Kontrolle eines tschechischen Kleintransporters auf der A 6, bei der rund 7000 zum Teil exotische Tiere sichergestellt wurden. Viele von ihnen wurden inzwischen weitergegeben an andere Einrichtungen - nur die Mäuse sind dem Amberger Tierheim geblieben. 1300 Mäuse kosten Geld, daran lässt Sabine Falk, die Vorsitzende des Tierschutzvereins, keinen Zweifel.

Es geht auch um Geld

"Die werden zu 100 Prozent vom Deutschen Tierschutzbund finanziert", sagt Falk und erzählt, dass sie nach den Berichten über die Tiere zahlreiche Futterspenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bekommen hat. Trotzdem: Im Augenblick weiß niemand so recht, was mit den possierlichen Nagern geschehen soll. "Du kannst die Tiere ja nicht einfach töten", sagt Susann Biedefeld dazu. Die an sich nicht wegen der Mäuse nach Amberg gekommen ist. "Wir haben uns einen Tag vor dem Vorfall beim Tierschutz-Stammtisch in Regensburg kennengelernt", so sagt sie. Und weil Sabine Falk eloquent schildern kann, welche Zustände im Amberger Tierheim auch ohne 1300 Mäuse herrschen, war ein Termin schnell vereinbart. Natürlich geht es bei dem Treffen auch um Geld. Denn die Räume im Tierheim sind zum Teil in einem verheerenden Zustand.

Und es kommen immer mehr Bewohner hinzu. "Dieses Jahr hatten wir 200 Zugänge mehr als 2016", schildert Sabine Falk die Zustände im Haus. Außerdem müsse der Anbau aus dem Jahr 1992 schon wieder abgerissen werden, weil er eine Fehlplanung und völlig feucht sei. Mit den Plänen für den Neubau, den Stadt und Landkreis zu großen Teilen finanzieren würden, ist sie auch nicht zufrieden. "Völlig unpraktisch", so ihr Urteil. "Letztes Jahr bin ich zu den Bürgermeistern gegangen und habe gesagt, wir brauchen mehr Geld, sonst gehen wir pleite."

Alles abgelehnt

Rund 140 000 Euro erhält der Tierschutzverein pro Jahr vom Kreis und den Gemeinden. Einen Euro pro Einwohner. "Aber brutto", wie Sabine Falk betont. Denn sieben Prozent Steuern lassen die Summe automatisch schrumpfen. Dem stehen Ausgaben von etwa 280 000 Euro jährlich entgegen. Die Differenz, so Falk, muss aus dem Guthaben des Vereins, vor allem aus Spenden oder den seltenen Erbschaften finanziert werden. Staatliche Zuschüsse? Die gibt es nicht, zürnt Susann Biedefeld. "Der Bauernverband erhält vom Freistaat 2,5 Millionen Euro im Jahr, die Jäger etwa 850 000 Euro." Für den Tierschutz sei nichts übrig. Schon kommt die Politikerin in ihr durch. Bei den Haushaltsberatungen habe die SPD Investitionskostenzuschüsse für Tierheime gefordert - abgelehnt von der Mehrheitsfraktion. Zuzahlungen für die Kastration von Katzen - abgelehnt. Transportkostenzuschüsse - ebenfalls. "Die amtierende Umweltministerin hat auch überhaupt kein Interesse für den Tierschutz", sagt Biedefeld und freut sich, dass sie wenigstens etwas Gutes tun kann - sie übernimmt die Kosten für die Weihnachtsfeier der Beschäftigten, die ansonsten Sabine Falk und ihre Vorstandskollegen aus eigener Tasche bezahlt hätten.

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