23.08.2017 - 12:10 Uhr
Oberpfalz

Streit um Abbruch einer denkmalgeschützten Fassade Blick hinter die Mauer-Kulisse

Die Abrisserlaubnis trägt den Namen Baugenehmigung. Dieses Wortspiel verdeutlicht, um was es geht: Soll Altes weichen, damit Neues entstehen kann? Es heißt, es steht viel, sehr viel auf dem Spiel.

Innenleben der Außenfassade: Gewerbebau-Geschäftsführer Karlheinz Brandelik legt dar, dass von der historischen Bausubstanz der Außenmauer nur noch wenig übrig geblieben ist. Sie offenbare sich als eine tragende Betonmauer für eine Deckenkonstruktion, die sich als Sammelsurium von Balken, Stahl- und Betonträgern zusammensetze. Baustatisch lasse sich das nicht mit der notwendigen Sicherheit berechnen. Bild: Stephan Huber
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Er ist der Bauherr des ehemaligen Forum-Kaufhauses und tut das, was einen Streit zur Diskussionskultur machen soll. Karlheinz Brandelik, Geschäftsführer der städtischen Gewerbebau, versucht, sich in die Gedankengänge der anderen Seite zu versetzen. Er steht im Innenhof des denkmalgeschützten Gebäudeteils Bahnhofstraße 10 und zeigt auf die Wand, die laut Baugenehmigung abgerissen werden soll. "Ich kann nachvollziehen, weshalb das viele nicht wollen", sagt Brandelik.

Gleich danach führt er einen in den seit mehr als zehn Jahren leerstehenden Komplex und gewährt einen Blick hinter genau diese Kulisse. Der großflächige Raum, einst durchgehende, über Jahrzehnte pulsierende Verkaufsfläche des Forum, ist entkernt, das bauliche Tragwerk freigelegt. Jetzt deutet der Gewerbebau-Geschäftsführer hinter der Mauer, die abgerissen werden soll und zahlreiche Kritiker auf den Plan ruft, an den Übergang zur Decke. "Das kann kein Baustatiker mehr berechnen." Selbst dem Laien leuchtet das ein. Die freigelegte Decke offenbart ein engmaschiges Sammelsurium von historischen Holzbalken, Stahl- und Betonträgern, die auf der mit einer Betonwand hinterfütterten Außenwand aufliegen.

Brandelik verweist auf ein umfassendes Baugutachten "unter denkmalschützerischen Aspekten", das die gesamte Front, um die es geht, untersucht hat. Von den drei Geschossen sei das mittlere noch am nächsten am baulichen Originalzustand dran. Das oberste sei erst deutlich später hinzugekommen, das unterste im Zuge etlicher Umbauten - zuletzt in den 70-er Jahren - praktisch zu einer Betontragwand geworden. Die Innenhof-Fassade komme deshalb eher einer Kulisse als bauhistorisch erhaltenswerten Außenwand gleich.

Um die gestalterische Symmetrie mit der gegenüberliegenden, bauhistorisch deutlich intakteren Gebäudezeile zu wahren, könnte das zum Abbruch vorgesehene Pendant grundsätzlich als entkernte Fassade stehen bleiben, hat auch Brandelik einmal überlegt. "Wegen einer neuen Geschosshöhe unten bekomme ich dann aber oben wegen der nicht mehr passenden Fensteröffnungen Probleme mit der Arbeitsstättenverordnung", argumentiert der Gewerbebau-Geschäftsführer.

Deshalb bedeute die Konsequenz eines unumgänglichen, marktgerechten Umbaus Abriss. Brandelik ist allerdings überzeugt, einen architektonisch reizvoll korrespondierenden Alt-/Neukontrast im Innenhof gestalten zu können. Das sei auch das Ziel, das würde er gerne öffentlich diskutieren. "Aber davon sind wir derzeit leider weit entfernt."

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