16.06.2017 - 18:50 Uhr
Oberpfalz

Unterschriftenaktion gegen Rentenkürzung bei Kombipflege Kampf um Wertschätzung

Pflegedienste sollen pflegende Angehörige entlasten. Doch wer die Hilfe von Fachpersonal in Anspruch nimmt, muss mit einer Kürzung der Rentenbeiträge rechnen. Dagegen kämpft Kornelia Schmid an und überreichte Bundestagsabgeordnetem Uli Grötsch und Landtagsabgeordnetem Reinhold Strobl (beide SPD) eine Petition mit über 1000 Unterschriften.

Mit der Unterschriften-Aktion kämpft Kornelia Schmid nicht nur für sich und ihren Mann Erich (links), sondern für alle pflegende Angehörige. Deshalb zieren Herzen die Petitions-Mappe, die sie an (von rechts) MdB Uli Grötsch und MdL Reinhold Strobl überreichte. Bild: Huber
von Marion Espach Kontakt Profil

Dabei geht es Schmid nicht ums Geld, sondern um Wertschätzung. Wie viele andere pflegende Angehörige hat sie ihren Beruf aufgegeben, um ihren MS-kranken Mann zu Hause zu pflegen. "Und das ist ein 24-Stunden-Job, der körperlich an die Substanz geht. Die Politiker sagen deshalb doch immer, man soll sich Hilfe holen. Und jetzt wird man dafür bestraft." Kommt ein Pflegedienst ins Haus, werden je nach Pflege-Grad die Rentenbeiträge gekürzt.

Mit der Petition will Schmid die Politiker aufrütteln. "Wer sich dieses Gesetz ausgedacht hat, hat keine Ahnung von Pflege." Grötsch scheint hinter ihr zu stehen. Gemeinsam mit Strobl will er die Petition an Bundes-Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) weitergeben. "Es geht ja auch um Gerechtigkeit, die pflegenden Angehörigen zusteht." Die Arbeit eines Pflegediensts dauert manchmal nicht länger als eine halbe Stunde. Dabei wird der zu pflegende aus dem Bett gehoben, gewaschen oder angezogen. "In der Zeit mache ich meinem Mann was zu Essen oder arbeite etwas, aber ruhe mich bestimmt nicht aus." Dabei wäre gerade das wichtig: Als pflegender Angehöriger geht man irgendwann daran kaputt, und ich muss mich ja noch eine ganze Zeit um ihn kümmern."

Gäbe sie ihn in ein Heim, würde es erst richtig teuer werden. Sie ist sich sicher: Wer aus Liebe pflegt, gehört zu den wichtigsten Pflegedienstleistern, die es gibt. "Würde es die nicht geben, müsste der Staat richtig tief in die Tasche greifen." Das sahen die Mitglieder ihrer Facebookgruppe "Pflegende Angehörige" genauso und unterstützen Schmid bei der sechsmonatigen Aktion.

Die Initiatorin hat ein gutes Gefühl bei der Sache. "Ob es was bringt, weiß ich nicht. Mir geht's darum, überhaupt etwas zu tun." Die nächste Petition hat sie deshalb schon gestartet.

Kürzungen

Kornelia Schmid bezeichnet die Rentenkürzung bei Kombipflege als "Bestrafung für pflegende Angehörige". Noch dazu sind Pflegedienstleistungen seit 1. Janaur 2017 teuerer geworden.

Die Rentenversicherungsbeiträge werden prozentual gestaffelt nach Pflegegraden von der Rentenkasse eingezahlt. Die Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes zieht folgende Kürzungen nach sich:

Pflege-Grad zwei, von 27 Prozent auf 22,95 Prozent

Pflege-Grad drei , von 43 auf 36,55 Prozent

Pflege-Grad vier , von 100 auf 85 Prozent. (esm/kv-media)

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