Vierter Teil der Serie über ehemalige Bundestagsabgeordnete: Hermann Fellner sorgte häufig für ...
"Stammtisch-Rambo", der gerne polarisierte

1980 zog Hermann Fellner als damals jüngster Abgeordneter als Direktkandidat des Wahlkreises Amberg in den Bundestag ein. Bei der Nominierungsversammlung setzte er sich gegen Heinrich Aigner durch, der ein Doppelmandat in Bonn und Brüssel anstrebte. Das Bild zeigt den Freudenberger im Dezember 2000 anlässlich seines damaligen 50. Geburtstags. Bild: uax
Politik
Amberg in der Oberpfalz
12.09.2017
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Das Jahr 1980 markiert eine Zäsur für den Bundeswahlkreis Amberg. Dr. Heinrich Aigner, der sechsmal gewählt worden war, bekundete, sich auf sein Europamandat konzentrieren zu wollen. Später änderte er seine Meinung und strebte eine weitere Amtszeit an. Vermutlich sah er die Chance, nach einem Unionssieg in die Bundesregierung aufzurücken. Auf jeden Fall gab es nun ein Problem, da sich die CSU bereits einen jüngeren Bewerber ausgesucht hatte: den Rechtsanwalt Hermann Fellner.

Der stand für die Ungeduld der Jugend, wollte für den Wahlkreis mehr und schneller etwas erreichen. Der damaligen Polarisierung entsprechend, definierte sich der Jurist als Freund der Freiheit - gegen die Alternative des Sozialismus. Das Nachrichtenmagazin Der "Spiegel" urteilte damals, Fellner sei "innerlich eher von der alten Garde". Auf jeden Fall entsandten die Wähler zum ersten Mal einen Direktabgeordneten in die Hauptstadt, der nach dem Zweiten Weltkrieg geboren worden war. Dort fand das jüngste Mitglied des Parlaments schnell seinen Platz.

Fellner war ein begabter Debattenredner, der rhetorisch zuspitzen konnte. Als ein maßgeblicher Innenpolitiker der CDU/CSU hatte er in den großen gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen (WAA, Atomkraft, Ausländer- und Asylpolitik) dagegenzuhalten. Zum Beispiel gegen den Grünen Hans-Christian Ströbele. Es krachte regelmäßig. Das Magazin "Stern" bezeichnete den Amberger Bundestagsabgeordneten damals als "Stammtisch-Rambo". Legt man die Maßstäbe heutiger Debattenkultur an, erscheinen manche Formulierungen des Freudenbergers wohl überzogen. So hätten SPD-Politiker "Dreck am Stecken" gehabt und die Anti-WAA-Proteste seien "Terror" gewesen. Völlig vergaloppierte sich Hermann Fellner Anfang des Jahres 1986, als er in einem Interview die Ansicht äußerte, "dass sich die Juden schnell zu Wort melden, wenn irgendwo in deutschen Kassen Geld klimpert". Forderungen nach Entschädigungen für Zwangsarbeiter hätten "weder eine rechtliche noch eine moralische Grundlage". Irgendwann müsse Ruhe herrschen, die Juden sollten mehr Sensibilität für die Deutschen aufbringen. Die bundesweite Empörung zwang Fellner am 16. Januar 1986 zu einer Entschuldigung im Bundestag: "Ich bedaure diese Äußerungen, nehme sie uneingeschränkt zurück und entschuldige mich bei den Betroffenen." Jede antijüdische Haltung sei ihm fremd.

Der Skandal war damit ausgestanden, doch die Karriere Fellners war beschattet. Zwar wäre er sicher erneut von seiner Partei nominiert und von den Wählern auch gewählt worden, doch Fellner zog es vor, sich wieder mehr um seine Rechtsanwaltskanzlei zu kümmern. Als Vorsitzender des 1. FC Amberg war er sicher auch nicht unterbeschäftigt. Dass er auch außerhalb der Politik Interessen hatte, steht jedenfalls fest. Dem "Spiegel" gab Hermann Fellner bereits Ende 1987 zu Protokoll: "Wenn ich nicht mehr in Bonn bin, übernehme ich noch irgendein Management." Er wolle in der Politik nicht wie eine aufgezogene Spielzeugmaus funktionieren.

Als die Frage der Direktkandidatur im Wiedervereinigungsjahr anstand, erklärte Fellner, erstmal aus der Politik aussteigen zu wollen. Mit 40 Jahren wäre er schließlich noch jung genug für verschiedenste "Projekte", die er in den folgenden Jahren auch umtriebig verfolgte. Beinahe wäre dem Freudenberger zwölf Jahre später das Comeback als Landrat geglückt. Nur äußert knapp unterlag er bei der parteiinternen Aufstellungsversammlung. Die Nachfolge als Direktabgeordneter trat 1990 der Heimkehrer Rudolf Kraus an.
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