19.11.2017 - 13:56 Uhr
Oberpfalz

Volkstrauertag auf dem Marktplatz in Amberg Absage an Nationalismus

Im Fackelschein und begleitet vom "Guten Kameraden" hat Amberg am Samstagabend der Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft gedacht. Bürgermeister Martin Preuß fand dabei deutliche Worte zu hochaktuellen Themen.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Am beleuchteten Giebel des Rathauses flatterten die deutsche und die bayerische Flagge sowie die Fahne mit dem Amberger Stadtwappen. Im Halbrund vor dem Kriegerdenkmal hatten sich Vertreter von Politik, Behörden, Bundeswehr, Reservistenverbänden, dazu noch etwa 150 Bürger versammelt. Und die Knappschaftskapelle spielte einen Choral: Das war der äußere Rahmen für den Gedenkakt zum Volkstrauertag am Marktplatz.

Für den Inhalt zeichnete heuer Bürgermeister Martin Preuß verantwortlich. Er verdeutlichte in seiner Rede, warum das Gedenken am Volkstrauertag alles andere als ein zur Pflichtübung verkommenes Ritual ist. Das Erinnern an die Kriegstoten setze ein Zeichen für den Frieden, sagte er. Und dieses sei, "gerade in der heutigen Zeit notwendiger denn je". "Die Notwendigkeit, der Toten zu gedenken und die Deutungshoheit über Gräber und Kriegsgräber nicht der Beliebigkeit anheim fallen zu lassen, wird in Anbetracht der Feinde unserer Demokratie erneut deutlich", betonte der Bürgermeister. "Viele dieser Gruppen, die auch auf junge Menschen eine hohe Anziehungskraft und Faszination ausüben, sehen im europäischen Integrationsprozess die Wurzel allen Übels." Richtig sei, dass eine "zunehmend entsolidarisierende Europäische Union" vor enormen Herausforderungen stehe.

Richtig sei aber auch, dass erst das enge Zusammenrücken der europäischen Nationen den Deutschen einen verlässlichen Frieden beschert habe. Preuß: "Die Kriegsgräber von Millionen Toten mahnen die Lebenden und sind deshalb bedeutender Teil unserer europäischen Identität. Auch deshalb dürfen wir sie nicht radikalen Europagegnern, Extremisten und Nationalisten überlassen." Der Bürgermeister machte deutlich, dass Frieden kein Selbstläufer ist, sondern jeder Einzelne seinen Beitrag leisten müsse: "Wir alle sind zum Mittun aufgefordert, dass eine friedliche Welt keine Vision bleibt, sondern ein Stück realer werden kann." Zusammen mit Brigadegeneral Jörg See legte Preuß einen Kranz am Kriegerdenkmal nieder. Vertreter der Reservisten, der Marinekameradschaft und der Polizei taten es ihnen gleich. (Angemerkt)

Die Notwendigkeit, der Toten zu gedenken und die Deutungshoheit über Gräber und Kriegsgräber nicht der Beliebigkeit anheim fallen zu lassen, wird in Anbetracht der Feinde unserer Demokratie erneut deutlich.Bürgermeister Martin Preuß
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.