Vollversammlung des Stadtjugendrings Amberg
Gefahr diffuser Ängste

Arno Speiser: "Ich helfe allen Nazis, die aussteigen wollen." Bild: gf

Er möchte kein Berufsjugendlicher werden. Horst Pongratz kündigte für nächstes Jahr seinen Rückzug als Vorsitzender des Stadtjugendrings an. Jetzt galt jedoch vordringlich, "nach den Rechten zu sehen".

Das hatte sich Arno Speiser für die Vollversammlung des Stadtjugendrings (SJR) vorgenommen. Der Referent ist Mitarbeiter der für die Oberpfalz und Oberfranken zuständigen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus. Die Arbeit geht ihm nach eigenem Bekunden nicht aus. Verantwortlich macht er dafür unter anderem "gefühlte Wahrheiten". Das lasse sich belegen.

So habe eine Studie ergeben, dass in Bayern etwa 33,1 Prozent der Bevölkerung Vorbehalte gegen Ausländer hätten. In Westdeutschland liege ohne Bayern dieser Wert aber nur bei 20 Prozent. Über 62 Prozent der Bayern sehen zudem die islamische Welt als rückständig an und beschreiben den Islam als eine archaische Religion. AfD, NPD und "Der III. Weg" würden genau solche Meinungen aufgreifen und sich zunutze machen, dass sich 43 Prozent der Bayern "wie Fremde im eigenen Land" fühlen. Das seien aber keinesfalls automatisch Nazis oder Rechtsextreme.

Es bleibt anonym

Als eindeutig gefährlich müsste jedoch "Der III. Weg" eingestuft werden, dessen Zehn-Punkte-Programm sich laut Speiser eng an den Nationalsozialismus anlehne und vorwiegend regionale Themen aufgreife. Deshalb sollte sich jeder bewusst sein, dass Rechtsextremisten sich beispielsweise gerne Bürgerinitiativen anschließen würden, um sie zu unterwandern. Bei Zweifeln, bietet Speiser jedem Unterstützung an: "Ich helfe allen, und niemand erfährt von der Kontaktaufnahme mit mir."

Dr. Horst Pongratz nutzte die Vollversammlung dazu, nach elf Jahren seinen Rückzug als Vorsitzender zumindest als Wunsch zu formulieren. Im nächsten Jahr wird turnusgemäß gewählt. Doch die sicherlich schwierige Suche nach einem Nachfolger sollte schon jetzt beginnen. An der Arbeit des Stadtjugendrings gebe es nichts auszusetzen, betonte Bürgermeister Martin Preuß. Ganz im Gegenteil. Eine vom SJR angestoßene neue Skateranlage sei im Bau, und über ein vorgeschlagenes Jugend-Café werde intensiv im Stadtrat bereits nachgedacht.

Für das nächste Jahr hat sich der Jugendring vorgenommen, sich an der Interkulturellen Woche zu beteiligen, seine Vortragsreihe über Extremismus fortzusetzen und im Vorfeld der Bundestagswahlen einen "Kandidatencheck für junge Erstwähler" zu organisieren. Die im Landkreis gut gehende Taschengeldbörse soll nun auch in Amberg anlaufen, kündigte Pongratz an und bedauerte, dass für den ausgelobten Integrationspreis heuer keine Vorschläge eingegangen seien.

Sollte besser werden

SJR-Geschäftsführerin Anja Gebhard merkte an, dass die Kommunikation zwischen dem Dachverband und den Vereinen unbedingt verbessert werden müsse. So sei es keine Seltenheit, dass herausgeschickte Einladungen unbeantwortet blieben.
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