08.08.2017 - 20:10 Uhr
Oberpfalz

Vorbereitungen laufen verhalten an Warten auf die "Ehe für alle"

Im Herbst wird es ernst: Das Gesetz zur "Ehe für alle" tritt in Kraft. In einigen bayerischen Standesämtern wird schon an der Umsetzung gearbeitet. Andere warten noch ab.

von Agentur DPAProfil

Amberg/Kemnath. (wih/dpa) Die Vorbereitungen für die Umsetzung der "Ehe für alle" sind in manchen bayerischen Standesämtern schon in vollem Gange. In der Region hingegen werden zum jetzigen Zeitpunkt noch kaum Vorkehrungen getroffen. "Da müssen wir noch Zeit ins Land gehen lassen", sagte Martin Graser vom Standesamt in Kemnath.

Auch in Amberg und Schwandorf warten die Verantwortlichen noch die "offiziellen Ausführungsbestimmungen" ab. "Der gesetzliche Rahmen ist relativ dürr. Interessant sind dann die konkreten Bestimmungen, die gerade vom Gesetzgeber erstellt werden", erklärte Lothar Mulzer von der Stadt Schwandorf. Bis die fertig sind, "das wird wohl noch eine Weile dauern", vermutete der Amberger Standesbeamte Wolfgang Lebe.

In München wird derzeit geprüft, ob das Personal aufgestockt werden soll. "Aktuell erarbeiten wir eine Vorlage für den Stadtrat der Landeshauptstadt zu der Frage", sagte ein Sprecher des Münchner Kreisverwaltungsreferats der Deutschen Presse-Agentur. Auch in Nürnberg könnte es zusätzliche Stellen geben. In Städten wie Regensburg, Fürth und Ingolstadt will man bei den vorhandenen Kapazitäten bleiben.

Bisher konnten gleichgeschlechtliche Paare nur eine Lebenspartnerschaft eingehen. Vom 1. Oktober an dürfen sie wie heterosexuelle Paare die Ehe schließen. Wie groß der Andrang bei den Standesämtern sein wird, lässt sich aus Sicht der Zuständigen noch nicht sagen. "Wir lassen uns überraschen", sagte eine Sprecherin des Standesamtes Nürnberg.

Kaum bis keine Anfragen

In Kemnath und Schwandorf sowie auch in den Städten Ingolstadt, Fürth und Bamberg gab es bisher kaum bis gar keine Anfragen zur Eheschließung. "Vielleicht herrscht noch zu viel Unwissenheit und Unsicherheit im Bezug auf das Prozedere und die rechtlichen Grundlagen", sagte Mulzer. In Amberg seien es nicht mehr oder weniger als zuvor zur Eintragung einer Lebenspartnerschaft.

In Regensburg ist laut einer Sprecherin die Nachfrage nach Umwandlung der Lebenspartnerschaft in eine Ehe relativ groß. "Am Anfang wird es sicher eine kleine Welle geben", prognostizierte der Leiter des Standesamts Augsburg, Karl Krömer. Eine bestimmte Zeremonie sei dabei nicht vorgeschrieben, erzählt Mulzer. "Wichtig ist, dass beide Partner den Antrag stellen müssen und ausdrücklich noch einmal vor einem Standesbeamten 'Ja' sagen müssen." Die Form - als Trauung oder reiner Verwaltungsakt - sei dabei jedoch offen.

Das Standesamt München rechnet mit rund 2500 Umwandlungsverfahren bis Ende 2018. "Hierzu werden wir, bei entsprechender Nachfrage, auch zusätzliche Termine anbieten", sagte der Sprecher. Bis Ende Juli waren in der Landeshauptstadt rund 5800 Menschen mit Familienstand "verpartnert" registriert.

Obwohl das Gesetz zur Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare noch nicht in Kraft getreten ist, nehmen einige Standesämter bereits Anmeldungen für Eheschließungen und Anträge zur Umwandlung an.

Für das Personal in den Standesämtern ändert sich mit der Einführung der "Ehe für alle" im Herbst kaum etwas. Lediglich bei der Verwaltung müssten sich die Mitarbeiter auf Änderungen etwa bei Formularen einstellen. "Das ist alles EDV-gestützt. Ende August soll bei uns ein größeres Update mit einigen Umstellungen im Programm kommen", erklärte Graser. Zusätzliche Trautermine, Schulungen oder Sonderservice für Interessierte sind größtenteils nicht geplant.

Nur noch klassisch

Auch bei der Trauung sei der Unterschied zwischen Eheschließung und Lebenspartnerschaft zuletzt ohnehin nicht mehr sehr groß gewesen, hieß es von den Standesämtern. "Das Einzige was sich ändert ist, dass man sich bei der ,Traufrage' nicht mehr versprechen kann, indem man Lebenspartner als Brautpaar anspricht", sagte die Sprecherin in Nürnberg.

Das neue Gesetz könnte sogar Erleichterungen bringen. "Da sämtliche Trauungen im Eheregister zu beurkunden sind, entfällt in Zukunft die Führung von zwei unterschiedlichen Registern", sagte ein Sprecher in Ingolstadt. In Augsburg fasste Krömer das neue Gesetz so zusammen: "Künftig wird halt nur noch geheiratet - klassisch."

Der gesetzliche Rahmen ist relativ dürr. Interessant sind dann die konkreten Ausführungsbestimmungen.Lothar Mulzer, Stadt Schwandorf

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