Wettbewerb "Leben an der Vils"
Ran an den Fluss

Deutlich erkennbar, doch meist übersehen: Als vor mehr als 30 Jahren die Krambrücke für die Fußgängerzone umgestaltet wurde, sparten die Planer ein Stück der steinernen Brüstung aus (rechts im Bild), um den diagonal gegenüber liegenden Fußweg auch an dieser Wand weiter fortzuführen. Das scheiterte bisher am Einverständnis des Hauseigentümers. Das "Leben an der Vils"-Projekt greift diese Überlegung wieder auf. Bild: Stephan Huber
Politik
Amberg in der Oberpfalz
20.08.2017
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Die Kräuterwiese: Da kann doch viel mehr draus gemacht werden, wünschen sich die Amberger und haben zahlreiche Ideen eingebracht, wie die Vils eine größere und tragendere Rolle im urbanen Leben in der Stadt spielen kann. Bild: Petra Hartl

Wenn nicht gerade Hochwasser ist, lieben die Amberger ihre Vils. Deshalb wollen sie deutlich mehr von ihr haben. In vielerlei und fantasievoller Hinsicht.

Sollten daran noch nennenswerte Zweifel bestanden haben, so sind sie aus der Sicht der Bauverwaltung spätestens seit 13. Mai ausgeräumt. An diesem Tag der Städtebauförderung gab es im Rathaus-Foyer unter dem Titel "Vileserleben" eine offene Ideenwerkstatt, in der jeder seine "Vorstellungen vom Leben am und mit dem Fluss" einbringen konnte. Die Ergebnisse wurden am Donnerstag dem Ferienausschuss präsentiert und bis auf Skepsis in einem Punkt (siehe Im Blickpunkt) ausnahmslos begrüßt.

Der Oberbegriff, unter dem die Bauverwaltung die facettenreichen Vorschläge der Bürger zusammenfasste, trifft es zwar, klingt aber schwer nach Bürokraten-Deutsch: "Erlebbarmachung". Auf jeden Fall wollen die Amberger viel näher ran an ihren Fluss, ans Wasser. Mit "Promenaden auf Augenhöhe", Plattformen im unmittelbaren Uferbereich oder schwimmenden Pontons, die eine gastronomische Nutzung eröffnen, öffentlichen Grillplätzen, einem Liegestuhl- oder Hängematten-Verleih, usw., usw.

Sowohl möglichst naturnahe Ausgestaltungen mit Spielmöglichkeiten für Kinder (Liegewiesen, naturnahe Spielgeräte, Matschbereiche), mehr Anlegestellen für Plätten oder Boote, sowie Lifestyle-Areale wie ein Sandstrand-Bereich finden sich in der Vorschlagliste. Fraktionsübergreifend wurde diese Ideensammlung in der Summe sehr positiv und als anregend aufgenommen. Selbst eine nur teilweise Umsetzung sei ein für die Lebensqualität in der Stadt wichtiger Beitrag, hieß es unisono. Der Ferienausschuss gab deshalb für "einen zweistufigen Wettbewerb ,Leben an der Vils' als Ideen- und Realisierungswettbewerb" Haushaltsmittel in Höhe von 140 000 Euro frei.

Durch Umschichtungen innerhalb des laufenden Etats in einer Größenordnung von rund 40 000 Euro eröffnet sich die Möglichkeit, noch heuer damit zu beginnen. Mit greifbaren Ergebnissen, sprich der Preisvergabe, rechnet die Bauverwaltung im Juni 2018. Ohne Gegenstimme passierte dieser Beschlussvorschlag den Ferienausschuss. "Ziel des Wettbewerbs soll sein, qualitativ herausragende Lösungen in einer bunten Mischung aus Ideen, Standorten und Maßnahmen zu erhalten", heißt es in der Vorlage der Bauverwaltung.

Nicht unterschätzen

Von Michael Zeißner

Hahnbach war schneller. "Vils-erleben" hätte auch die Bauverwaltung das wegweisende Projekt, das die Amberger und ihren Fluss näher zusammenbringen soll, gerne genannt. Der Name ist also belegt. Das schmälert den Reiz nicht, und vielleicht springt bei dem Realisierungswettbewerb ganz nebenbei noch ein etwas spritzigerer Titel als "Leben an der Vils" heraus. Schaden täte es sicherlich nicht.

Ganz neu ist die Grundidee auch nicht. Vor 21 Jahren stand sie bereits bei der Landesgartenschau 1996 Pate. Auch da, so der konzeptionelle Ansatz, sollten Stadt und Fluss näher zusammenrücken. Noch heute zehrt Amberg von diesem damaligen Erfolg. Das verdeutlicht, welchen Stellenwert das jetzt auf den Weg gebrachte Vorhaben für die Lebensqualität in der Stadt einmal haben kann.

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CSU sieht Naturbad skeptisch

Amberg. (zm) "Wer hat's erfunden", lautet ein bekannter Werbespruch. Statements von Dieter Mußemann (CSU) und Birgit Fruth (SPD) legten im Ferienausschuss nahe, dass es im Stadtrat sehr wohl unterschiedliche Auffassungen in Sachen "Leben an der Vils" geben könnte, wer die parteipolitischen Urheberrechte für sich beanspruchen darf.

Die Sitzungsvorlage stellt jedoch klar, dass "im Bewusstsein eines (...) hohen Verbesserungspotentials (...) die Regierung der Oberpfalz im Rahmen der Städtebauförderung angeregt" hat, das Vorhaben als Wettbewerb auszuloten zu lassen. Ganz anders sieht es bei dem Thema Naturbad aus. Das stammt von der SPD, passt durchaus konzeptionell in das Vils-Projekt, wird von der CSU jedoch mit äußerster Skepsis betrachtet. Sowohl Oberbürgermeister Michael Cerny (CSU) wie Mußemann machten das noch einmal deutlich.

Das wohl entscheidende Wort werden hier die Wasserwirtschaftsbehörden und das Gesundheitsamt mitzureden haben, verwies der OB darauf, dass das ein entsprechendes Genehmigungsverfahren zu klären habe. "Strand ja, Bad eher nein", hatte sich Mußemann positioniert. Fruth konterte: Strandbad, Naturbad?, was solle diese "Wortklauberei". "Wir werden unser Projekt auf jeden Fall vehement weiter verfolgen."
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