26.04.2016 - 14:28 Uhr
Oberpfalz

Widerstand gegen die Tiefgaragen-Pläne in Amberg "Ein Monstrum in der Altstadt"

Jetzt pressiert 's: Weil die Stadt keine Pläne für das Projekt Bürgerspital herausrückt, gehen Achim Hüttner und die Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt mit einer selbst gebastelten Visualisierung an die Öffentlichkeit. Sie präsentieren einen "Supergau für Amberg".

Diese Fotomontage hat die Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt anfertigen lassen.
von Uli Piehler Kontakt Profil

"Bevor ich so etwas beschließe, muss ich doch die Frage stellen: ,Wie schaut denn das überhaupt aus?'", entrüstet sich der Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG) Menschengerechte Stadt, Achim Hüttner. Er und Vorstandskollege Hans Märten finden, dass die Bürger nun endlich informiert werden sollten. Ihnen werde nicht gefallen, was Stadtrat und Investor da im Schilde führen. "Das wird ein Monstrum in der Hauptblickachse", sagt Hüttner über die geplante Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße. Die historische Altstadt werde durch das Zufahrtsbauwerk "dauerhaft in barbarischer Weise geschädigt".

Klage oder Bürgerbegehren

Sollte der Stadtrat die Einfahrt an dieser Stelle beschließen, werde die Interessengemeinschaft "mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln" dagegen vorgehen. Hüttner erinnerte daran, dass die Organisation Ende der 80er-Jahre die bereits im Bau befindliche Hochgarage im Maltesergarten verhindert habe. "Wir haben die Oberbürgermeister Franz Prechtl und Wolfgang Dandorfer davor bewahrt, sich ein Negativ-Denkmal zu setzen", sagt Hüttner. "Michael Cerny scheint entschlossen zu sein, sich auch so ein Denkmal setzen zu wollen." Wenn es sein muss, werde die IG wie vor 27 Jahren ein Normenkontrollverfahren anstrengen. Auch ein Bürgerbegehren hält Hüttner für eine Option.

Wie viel zahlt die Stadt?

Hüttner und Märten kritisieren Stadtrat und Verwaltung in mehrfacher Hinsicht. "Es gibt einen Plan, aber keiner kennt ihn", erklärt Märten. Seiner Meinung nach hätten die Karten schon längst auf den Tisch gehört. "Bei einem Projekt dieses Ausmaßes müssen die Bürger mitreden." Es könne nicht sein, dass der Stadtrat die Verträge abschließe und dann das Ergebnis präsentiere. Abgesehen davon, dass es um ästhetische Aspekte gehe, sei nicht klar, wer die Tiefgarage eigentlich bezahle. "In welcher Weise wird der Stadtsäckel beansprucht", fragt er. "Wer kommt für Sicherungsmaßnahmen und Folgekosten auf?"

Es kann nicht sein, dass Investoren diktieren, welche Entwicklung unsere Stadt nimmt. Der Stadtrat muss anschaffen und nicht umgekehrt.Achim Hüttner, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt

Das Argument, dass jeder der vier ursprünglich im Wettbewerb stehenden Investoren eine Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße gefordert habe, und es deswegen keine Alternative gebe, will Hüttner nicht gelten lassen. "Es kann nicht sein, dass Investoren diktieren, welche Entwicklung unsere Stadt nimmt. Der Stadtrat muss anschaffen und nicht umgekehrt." Der IG-Vorsitzende ist in diesem Zusammenhang der festen Überzeugung, dass die Stadt die Wiederbelebung des Bürgerspital-Areals auch in Eigenregie stemmen hätte können. Die Stadtbau habe ja fertige Pläne in den Schubladen gehabt. "Wenn die Stadt gewollt hätte, wäre das gegangen."

Am Samstag will die Interessengemeinschaft die Bevölkerung mobilisieren. Geplant ist ab 10.30 Uhr ein Infostand vor der Spitalkirche, bei dem Hüttner auch einige Fotomontagen präsentiert. "Es ist ein Skandal, dass wir das Vorhaben mühsam selber visualisieren mussten und die Stadt nicht von sich aus an die Öffentlichkeit geht", sagt er. Die Grafik, die ein Ingenieurbüro im Auftrag der IG angefertigt hat, berücksichtigt laut Hüttner die realen Gegebenheiten in der Bahnhofstraße. Demnach soll die Abfahrt 36 Meter lang werden.

Gutachten sprechen dagegen

Generell sei eine öffentliche Tiefgarage in der jetzt anvisierten Größe für die Verkehrsführung problematisch. Hüttner verweist auf das Verkehrsgutachten von Professor Harald Kurzak, der in Spitzenzeiten einen Rückstau der Autos bis zum Kaiser-Ludwig-Ring vorhersagt.

Ein anderer Experte, Dr. Stefan Leuninger, komme zu dem Schluss, dass die öffentlichen Stellplätze in der und um die Altstadt längst ausreichen. Bahnhofs-, Ziegeltor- und Theatergarage und auch das unterirdische Parkhaus beim Kurfürstenbad seien oftmals nicht ausgelastet. "Auswärtige Besucher schütteln den Kopf, wenn sie hören, was hier geplant wird", unterstreicht Hüttner. Sie kämen wegen der schönen historischen Altstadt und nicht wegen noch mehr Auswahl bei den Parkplätzen.

Dass die Stellflächenfrage für den Einzelhandel nicht die entscheidende sei, habe man beim Kaufhof gesehen. Das Kaufhaus habe Amberg den Rücken gekehrt, obwohl es optimal an die Bahnhofsgarage angeschlossen gewesen sei. (upl)

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