Wohnraum in der Altstadt wiederbeleben
Lockvogel gegen Leerstände

Dieses Wohn- und Geschäftshaus in repräsentativer Innenstadtlage steht seit Jahren leer. Ob, wann und in welcher Konzeption sich eine Sanierung rechnet, das könnte ein Gutachten klären. Die Stadt stellt ein Förderprogramm in Aussicht, das dem Eigentümer bis zu 10 000 Euro für die nötige Expertise gewähren kann. Bild: Stephan Huber
Politik
Amberg in der Oberpfalz
31.08.2017
871
0

Zentrumsbelebung besteht nicht nur aus möglichst sprudelnden Kundenströmen. Auch Wohnen entdecken Menschen und Städteplaner wieder als wichtigen Aspekt einer vitalen Urbanität.

Nichts wie raus aus der Stadt, hieß es lange. Dieser Trend hat sich in dieser Form überlebt. Wohnen und Leben in der Stadt wird wieder als attraktiv empfunden, wenn das Umfeld stimmt. Die Abwanderung des alltäglichen Lebens aus den Zentren heraus hat über die Jahrzehnte hinweg jedoch Spuren, Probleme hinterlassen: Leerstände, nicht nur bei Gewerbeflächen, sondern auch beim Wohnraum.

Im April vergangenen Jahres haben nahezu zeitgleich die CSU ("Programm zur Revitalisierung von Leerständen an Wohnraum in der Altstadt von Amberg") und die SPD ("Jung kauft Alt") mit Anträgen darauf reagiert. Sie forderten die Verwaltung auf, sich etwas auszudenken, wie seitens der Stadt mehr Bewegung in die missliche Situation gebracht werden könnte. Drei sich eigentlich widersprechende Punkte wurden vor diesem Hintergrund als Ist-Zustand herausgearbeitet: ein "derzeit hoher Leerstand in der Altstadt", von dem "aber nur wenige Objekte" auf dem Immobilienmarkt angeboten würden, obwohl auf der "Käuferseite genug Interessenten für Kauf oder Sanierung bereit stünden". Dem Ferienausschuss legte das Referat für Stadtentwicklung und Bauen nun ein Eckpunktepapier vor, das auf ein kommunales Förderprogramm "zur Durchführung privater Planungsmaßnahmen zur Revitalisierung von leerstehendem Wohnraum" abzielt. Ohne es im Detail bereits zu beschließen, befürworteten die Stadträte ohne Gegenstimme diesen Entwurf, um einen entsprechenden Fördertopf aufzulegen. Nach derzeitigem Stand soll diese Maßnahme "zeitlich und räumlich begrenzt" und mit jährlich 50 000 Euro ausgestattet werden. "Wenn du zu jemanden hingehst und hast Geld dabei, dann ist das ein Türöffner", beschrieb Baureferent Markus Kühne die Intention des Förderprogramms. Denn alle bisherigen Bemühungen, Eigentümer entsprechender Immobilien im Altstadtbereich zu einer Sanierung oder einem Verkauf zu bewegen, seien bisher nicht allzu fruchtbar gewesen. Für die Stadtplaner laufen diese Anstrengungen unter dem Schlagwort der Nachverdichtung der Kernstadt.

Einen Grund für den weitgehenden Stillstand auf diesem Sektor sieht die Verwaltung in der Unkenntnis der Eigentümer solcher Anwesen, mit welchem finanziellen Aufwand eine Sanierung welchen Erfolg nach sich ziehen kann. Das Förderprogramm soll deshalb für die nötige Expertise eingesetzt werden. Sprich Begutachtung des baulichen Zustands und daraus resultierenden finanziellen Aufwands, das Aufzeigen von Förderwegen, eine Wertermittlung oder Wirtschaftlichkeitsberechnungen.

Pro Objekt sollen maximal 10 000 Euro aus diesem Topf aufgewendet werden, Zuwendungsempfänger können "alle natürlichen und juristischen Personen des privaten und öffentlichen Rechts" sein. Weiter heißt es in dem Entwurf: "Gefördert werden vornehmlich Maßnahmen auf Eigentümerseite, in begründeten Ausnahmefällen können auch Anträge von potenziellen Käufern in Frage kommen." Stadtkämmerer Franz Mertel regte an, auch einen Eigenfinanzierungsanteil in das Regelwerk aufzunehmen, um bloße Mitnahmeeffekte einzudämmen. Zudem sollte das Programm auf fünf Jahre begrenzt werden. Dann sollte eine Bilanz der Effektivität gezogen werden.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.