25.01.2017 - 11:36 Uhr
Oberpfalz

Zweckverband will, dass die Autos künftig langsamer fahren Wenn der kleine Kasten blitzt

Der Motorradfahrer, der die Sulzbacher Straße mit 102 Kilometern pro Stunde entlang raste, musste seinen Führerschein für zwei Monate abgeben. Er ist aber nicht der Einzige, den der noch junge Zweckverband Verkehrssicherheit beim Rasen erwischt hat.

Bild: Polizei
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Ganz unauffällig steht der VW Bus in einer Seitenstraße am Altstadtring. Lange Kabel führen zu der Stelle, an der das Kästchen steht, das Autofahrer so fürchten. In regelmäßigen Abständen blitzt es - und jeder Blitzer kostet Geld. In extremen Fällen kommen Punkte in Flensburg oder Fahrverbote hinzu. Die Überwacher des Zweckverbands Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz kennen bei Rasern keinen Pardon.

Natürlich, die wollen nur abzocken, so das schnelle Urteil der Wutbürger. "Ganz falsch", sagt hingegen Maximilian Köckritz, der Geschäftsführer des Zweckverbands, der 2014 von elf Gemeinden gegründet worden ist und der seinen Sitz in Amberg hat. "Unser Ziel ist es, dass die Leute langsamer fahren", sagt er. Und er verweist darauf, dass alles eingenommene Geld nicht dem Zweckverband zugute kommt, sondern direkt an die beteiligten Gemeinden geht. "Denn die buchen bei uns nur die Leistungen und zahlen dafür", erklärt Köckritz das System. Den Überwachern könne es daher egal sein, wie viel Geld am Ende hinten rauskommt.

20 Kommunen machen mit

Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Christoph Schmid sitzt Maximilian Köckritz in seinem Büro an der Schlachthausstraße und zieht eine positive Bilanz. Aus den einst elf Gründern sind inzwischen 20 geworden, weitere warten bereits in den Startlöchern. "Wir stehen inzwischen auf stabilen Beinen", lautet sein Urteil. Der Verzicht auf die anfängliche Anschubfinanzierung habe da wahrscheinlich ihren Teil dazu beigetragen, schätzt er die Lage ein.

Köckritz und Schmid sind die typischen Oberpfälzer, die der Job zunächst in die Großstadt verschlagen hat. Der eine war im Justizministerium tätig, der andere Polizist, ebenfalls in München. Beide nutzten sie die Gelegenheit, um in die Heimat zurückzukehren, als sie sich beim Zweckverband bewarben. Wobei Christoph Schmid eigenem Bekunden nach schon immer eine große Affinität zum Verkehrsbereich gehabt hat. Er ist der Mann, der weiß, wer wann und warum zu schnell fährt.

"Wer von uns ein Fahrverbot bekommt, der hat innerorts ungefähr 90 Sachen auf dem Tacho", macht Christoph Schmid deutlich. Um das plausibel zu erklären, bedarf es schon guter Ausreden. Beliebt bei den "Kunden": "Mein Tempomat war kaputt" oder "Ich musste mein Kind schnell noch in die Schule bringen". Das nützt aber alles nichts, am Ende müssen sie zahlen. Und die meisten der Ertappten tun das auch. "Bisher gab es nur ganz wenige Verfahren wegen unserer Messungen", lässt Schmid dazu wissen.

Ziel für die Zukunft

Der arbeitet gerade an dem neuen Computersystem, das die Daten ganz unterschiedlicher Zweckverbände, der kommunalen Verkehrsüberwachung und der Polizei zusammenfügt. Absicht der Aktion ist es laut Maximilian Köckritz, die Schwerpunkte herauszufinden, an denen die Geschwindigkeit verstärkt überwacht werden muss. Markante Punkte sind rot markiert. "Unser Ziel ist es, dass es am Ende überhaupt keine rote Messstellen mehr gibt", sagt er. Bis dahin wird es aber noch oft blitzen in den Straßen von Amberg und anderswo in der Region.

Blitz-Statistik

Fast 33 000 Mal hat es seit Mai 2015 auf den Straßen der Zweckverbands-Gemeinden geblitzt. Allein 2016 erwischten die Mitarbeiter mehr als 18 000 Schnellfahrer. Die Bilanz sind nicht nur Buß- und Verwarngelder von 355 000 Euro allein im Vorjahr. Zusätzlich gab es in diesen zwölf Monaten 53 Fahrverbote und 646 Punkte in Flensburg.

Die größten Überschreitungen verzeichneten die Messanlagen des Zweckverbands mit 74 km/h in der Zone 30 beim Kindergarten Regenstauf, innerorts (Tempo 50) erwischte es den Motorradfahrer in der Sulzbacher Straße mit 102 Kilometern pro Stunde. Außerorts liegt der "Rekord" bei 134 km/h an einer Stelle, an der gerade einmal 80 erlaubt waren (Nähe von Kallmünz).

2016 waren in Amberg 4482 Fälle von Geschwindigkeitsüberschreitungen zu verzeichnen. Hier liegen die Schwerpunkte der Tempoverstöße laut Zweckverband in der Raigeringer Straße beim Beruflichen Schulzentrum, beim Kinderspielplatz an der Kennedystraße und am Langangerweg in Ammersricht. Dazu kommt generell der Altstadtring mit seinen Rasern. (ass)

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