Angeblich reicht das Geld nur noch bis zur Winterpause
FC Amberg: Zukunft ungewiss

Sportpark-Geschäftsstellenleiter Wolfgang Gräf (links) und Sponsor Helmut Schweiger (rechts) - aus den ursprünglich großen Träumen ist nichts geworden. Im Gegenteil, der FC Amberg sieht einer ungewissen Zukunft entgegen. Die erste Mannschaft ist Schlusslicht in der Bayernliga Nord, die zweite Vorletzter in der Bezirksliga Nord. Aus dem Umfeld des FC Amberg gibt es etliche Stimmen, die sagen, die teure Sportpark GmbH wäre mit die Ursache für den langsamen Untergang gewesen. Da das Geld nicht in die Manns
Sport
Amberg in der Oberpfalz
08.11.2017
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Die Lage beim Fußball-Bayernligisten FC Amberg scheint prekär - nicht nur sportlich. Denn angeblich sollen die Gelder beim Tabellenletzten der Nord-Gruppe nur noch bis zur Winterpause reichen. Kompliziert wird das Ganze durch Zuständigkeiten.

"Bisher habe ich mein Geld bekommen, aber wir alle wissen nicht, wie es nach der Winterpause weitergehen soll", sagt ein Spieler des FC Amberg, der seinen Namen nicht genannt haben möchte. Denn angeblich habe Wolfgang Gräf, Geschäftsstellenleiter der Sportpark GmbH, vor kurzem vor versammelter Mannschaft gesagt, dass der Etat nur bis Ende des Jahres reiche - und nicht weiter.

"Gewaltiger Imageschaden"

Ein Gerücht, das auch Thomas Bärthlein, Vorsitzender des TV 1861 Amberg, schon gehört hat. "Wir hatten am Dienstagabend eine Gesellschafterversammlung der Spielbetriebs GmbH. Da ist dieses Thema angesprochen worden. Wir wollen aber alles versuchen, dass es weitergeht. Es wäre sonst ein gewaltiger Imageschaden für Amberg und den Amberger Fußball. Zu den Gerüchten will ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen", erklärte Bärthlein. Hauptverein TV 1861 Amberg, Sportpark GmbH, Spielbetriebs-GmbH - kein einfaches Konstrukt, das der FC Amberg, die Fußballabteilung des TV, mit sich trägt.

Rückblick: Ein paar Tage vor dem Aufstieg in die Regionalliga im Juni 2015 wurde die Spielbetriebs-GmbH & Co. KG ins Leben gerufen, die die Zukunft des bezahlten Fußballs beim FC Amberg sichern und finanzielle Risiken vom Hauptverein, dem TV 1861 Amberg, nehmen sollte. Denn der FC ist eine Abteilung und kein eigenständiger Verein. Als Geschäftsführer trat Hubert Kirsch sein Amt an. Alle Spielerverträge sollten künftig nur noch über die GmbH laufen, unterschrieben von Kirsch.

Große Visionen

Nur wenige Wochen später präsentierte Helmut Schweiger, der damalige Hauptsponsor und Präsident des FC Amberg, ein weiteres Konstrukt: Die Sportpark GmbH, die sich um die Vermarktung des FC-Stadions kümmern sollte. Als Geschäftsstellenleiter wurde Wolfgang Gräf präsentiert, ein Diplom-Sportökonom, der unter anderem in Diensten von Greuther Fürth und Wehen-Wiesbaden gestanden war. Mit großen Visionen. "Wir werden im Zentrum von Amberg eine vielfältige Erlebniswelt rund um den Fußball schaffen", versprach Gräf.

Beginn der Talfahrt

Hubert Kirsch übertrug wenig später die Aufgaben seiner Spielbetriebs-GmbH an die Sportpark GmbH - so weit so gut. Doch mit dem Abstieg aus der Regionalliga begann der Traum von der großen Welt zu bröckeln. Helmut Schweiger zog sich aus dem sportlichen Bereich zurück, eine holprige Saison in der Bayernliga mit weiterer Talfahrt und Platz zehn schloss sich an.

Als der langjährige Fußballabteilungsleiter Werner Aichner im Juni dieses Jahres zurücktrat, übernahm Gräf zusätzlich dieses Amt zu Beginn der Saison 2017/18. Und präsentierte eine Mannschaft, die von vorne herein als Abstiegskandidat gehandelt wurde: Fast nur jugendliche Spieler, bis auf Kapitän Kevin Kühnlein (26) und Stürmer Sebastian Schulik (30). Mit erfahrenen Spielern wie Torwart Matthias Götz und anderen war überhaupt nicht verhandelt worden.

Der nächste Tiefpunkt dann am 24. August: Helmut Schweiger warf hin, zog sich als Präsident zurück - am 9. Spieltag, da war der FC Amberg bereits Tabellenletzter mit nur drei Punkten. Vier Wochen später rollten Köpfe: Sportpark-Geschäftsführer Eddie Breiter kündigte Wolfgang Gräf und einem weiteren Angestellten, Matthias Gromes. Begründung: Es sei "absoluter Schwachsinn, in der 5. oder 6. Liga Festangestellte zu bezahlen." Angeblich über 100 000 Euro habe die Sportpark GmbH jährlich gekostet. Wolfgang Gräf bezieht sein Gehalt noch bis 31. Dezember.

Zu spät

Ein Schritt, der vielen im Umfeld des FC Amberg viel zu spät kam und höchst überfällig war. Denn nun scheint das Geld auszugehen, einige Spieler haben sich schon beklagt, dass sie verspätet oder gar nicht ihr Salär erhielten.

Etat nur bis Jahresende?

Thomas Bärthlein will sich dazu noch nicht äußern, denn er müsse sich erst anhand von Zahlen informieren, wie der finanzielle Stand sei. Kein einfaches Unterfangen, denn Hubert Kirsch kann sie nicht vorlegen: "Seit dieser Saison sind die Spieler vom Verein angestellt und nicht mehr bei der Spielbetriebs GmbH. Ich habe heuer auch keine Verträge unterschrieben." Das hat offensichtlich Wolfgang Gräf, der vermutlich als Einziger auch die aktuelle Finanzlage kennt. Gräf war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Bisher habe ich mein Geld bekommen, aber wir alle wissen nicht, wie es nach der Winterpause weitergehen soll.Ein Spieler des FC Amberg, der nicht mit Namen genannt werden will
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