Beim FC Amberg kracht es hinter den Kulissen
Aufstand gegen den Trainer

Günter Brandl kommt als Trainer bei den Spielern des FC Amberg nicht mehr so gut an. Dem Vernehmen nach soll die Trainigsbeteiligung rapide nachgelassen haben, nur noch ein halbes Dutzend Spieler war angeblich in den letzten Einheiten dabei. Bild: ref
Sport
Amberg in der Oberpfalz
05.12.2016
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Gratas Sirgedas soll zu einem belgischen Erstligisten wechseln. Bild: ref

Vom FC Bayern München sind es die Fußballfans gewohnt, dass gelegentlich in der Vorweihnachtszeit der Baum brennt, vom FC Amberg eher nicht. In diesem Jahr aber funkt's gewaltig beim Bayernligisten: Spieler rebellieren, Günter Brandl steht in der Kritik - und die Zukunft der Mannschaft ist noch ungewiss.

Nach dem Abstieg aus der Regionalliga - mit dem keiner der Verantwortlichen gerechnet hatte - begann die Krise. Trainer Timo Rost warf das Handtuch, etliche Spieler kehrten dem Verein den Rücken und Günter Brandl wurde quasi als Notnagel verpflichtet, mit der schweren Aufgabe, einen Mini-Kader auf die Bayernliga einzustimmen. Und fast im Wochentakt kam ein neuer Spieler hinzu. Nach einem unerwartet guten Start begann der langsame Fall bis auf Rang 13 - zwei Punkte vor einem Relegationsplatz.

Angedeutet hat sich die aktuelle Misere schon seit einigen Wochen, als die Verletztenliste immer länger wurde, die Ergebnisse schlechter - und die Stimmung innerhalb der Mannschaft einen Tiefpunkt erreichte.

Fünf wollen weg

Jetzt, kurz vor Weihnachten, entlud sich der Frust in einem regelrechten Aufstand: Fünf Spieler wollen in der Winterpause weg, haben keine Lust mehr auf den FC Amberg. Einer ist schon fort - der litauische Nationalspieler Gratas Sirgedas, der sich seit seiner Verpflichtung Mitte Juli als Leistungsträger, Torschütze und Ideengeber herauskristallisierte. Der 21-Jährige soll in Verbindung mit einem belgischen Erstligisten stehen.

Julian Ceesay, Brian Gallo, Christian Knorr, Marco Wiedmann und Sven Seitz sind alles andere als zufrieden, wie es beim Ex-Regionalligisten derzeit läuft. "Das stimmt", räumte Teammanager Hubert Kirsch ein, doch er sehe "das alles nicht so dramatisch." Der Grund, warum Seitz und Co. den Verein verlassen wollen, heißt: Günter Brandl, der Trainer des FC Amberg.

Scheibel zurückgetreten

Mit seiner Art und seinem Training sind aber offensichtlich nicht nur die fünf Wechselwilligen unzufrieden, sondern einige andere in der Mannschaft auch. Denn in Spielerkreisen macht es die Runde, dass Brandl mit verantwortlich sei für die zahlreichen Verletzungen und Blessuren, weswegen die Mannschaft letztendlich nicht die besten Ergebnisse in der laufenden Bayernliga-Saison eingefahren habe. Sportlicher Leiter Bernd Scheibel ist bereits vor wenigen Wochen nach zehn Jahren beim FC Amberg zurückgetreten, aber das habe einen anderen Grund: "Ich bin beruflich sehr eingespannt und schaffe es zeitlich nicht mehr", erklärte Scheibel.

"Für uns ist das Thema Trainer nie zur Disposition gestanden", betonte Kirsch. Er stünde nach wie vor hinter Günter Brandl. "Wir müssen das alles in Ruhe in der Winterpause analysieren", sagte Kirsch.

Gültige Verträge

Die Wechselfrist endet am 31. Januar, und bis dahin werden einige Gespräche stattfinden. "Fakt ist: Der Großteil unserer Spieler hat Vertragsamateur-Status und gültige Verträge. Da bin ich ganz entspannt. Es kommt überhaupt nicht in Frage, dass hier jemand einfach geht." Der Teammanager glaubt auch, dass es "durch und durch Sportler sind, die unsere Entscheidung akzeptieren." Und wenn einer dabei sein sollte, so Kirsch, der partout weg wolle, "dann werden wir ihn ziehen lassen. Aber nur unter einer Bedingung: Die Ablöse muss stimmen. Es wird keine Freigabe ohne Entschädigung geben."

Die Gefahr, dass einige Spieler unter einem Trainer Günter Brandl - falls er bleiben sollte - dann nicht ihr Bestes auf dem Spielfeld geben, sieht Hubert Kirsch nicht: "Die spielen auch für sich. Wenn sie lustlos auftreten sollten, machen sie garantiert keine Werbung in eigener Sache und keinen anderen Verein auf sich aufmerksam."

Die Finanz-Frage

Im Januar soll nicht nur das Thema Trainer auf den Tisch, sondern auch noch ein ganz anderes: Wohin führt der Weg des FC Amberg? "Für uns gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wir wollen wieder in die Regionalliga oder wir geben uns mit der Bayernliga zufrieden", erklärte Kirsch. Die laufende Saison sei finanziell gesichert, aber für die Spielrunde 2017/18 gebe es noch einiges an Gesprächsbedarf. "Das hängt davon ab, welches Budget uns unser Hauptgeldgeber Helmut Schweiger zur Verfügung stellt, und welche finanziellen Mittel die Sportpark GmbH."

Wenn das geklärt sei, dann könne er als Teammanager sofort mit den Planungen beginnen. "Uns ist bewusst, dass eine Bayernliga für das Umfeld und die Sponsoren nicht so interessant ist wie eine Regionalliga. Aus diesem Grund werden wir alles versuchen. Ich bin optimistisch", sagte Kirsch.

Es kommt überhaupt nicht in Frage, dass hier jemand einfach geht.Hubert Kirsch, Teammanager des FC Amberg
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