30.01.2018 - 16:06 Uhr
Sport

BFV-Präsident Dr. Rainer Koch beim Kreistag in Amberg "Wir haben die attraktivste Sportart"

Knapp drei Stunden dauert der Kreistag des Fußballkreises Amberg/Weiden am Montag im voll besetzten ACC in Amberg. "Dem Amateurfußball in Bayern geht es noch gut", sagt Dr. Rainer Koch. Aber auch: "So schwer das zu akzeptieren sein mag: Die Zuschauerzahlen auf den Plätzen werden nicht mehr zunehmen."

von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Am allerwenigsten habe das mit den Fußballübertragungen im Fernsehen zu tun, erklärt der BFV-Präsident und DFB-Vizepräsident. Die Veränderungen im täglichen Leben seien die Ursache. In seiner Rede ging Koch, der wieder alle 22 Kreis- und sieben Bezirkstage besucht, unter anderem auf die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen im Amateurfußball ein.

Mehr Relegation

"In einer Eventgesellschaft, in der wir heute leben, ist es durchaus möglich, dass wir ein- zweimal im Jahr 500 oder mehr Zuschauer auf den Sportplatz zu locken." Deshalb plädierte Koch für einen Ausbau der Relegation Ende Mai und Anfang Juni - mit Hin- und Rückspiel. "In dieser Zeit, und nur in dieser Zeit, sind die Scheinwerfer nur auf uns Amateure gerichtet." Er könne aber nur eine Empfehlung abgeben. In Bayern kamen im vergangenen Jahr 246 000 Zuschauer zu den Entscheidungsspielen. "Wir müssen mehr bieten als unsere Klassiker, bestehend aus zweimal Training und einem Spiel pro Woche. Jeden Samstag dasselbe machen, entspricht nicht mehr der modernen Jugendkultur." Das Plus sei: "Wir haben die attraktivste Sportart." Deswegen blicke der Amateurfußball in eine gute Zukunft.

"Kein fußballloser Ort"

Im Freistaat gebe es mehr als 1,5 Millionen Mitglieder in über 4600 Fußballvereinen. "Ich möchte keinen fußballlosen Ort in Bayern", so die Wunschvorstellung von Koch. Der Verband und die Clubs müssten deswegen gleichermaßen Anstrengungen für die Zukunft unternehmen. "Wir machen viel, wir müssen nicht noch mehr machen, wir müssen manches anders machen", gab der BFV-Präsident den Vereinsvertretern mit auf den Weg. Und: "Sucht junge Leute mit Ideen."

Heimat Internet

Er, Koch, sei vor 13 Jahren angetreten, und seitdem habe sich die Gesellschaft und der Fußballsport enorm verändert. Die Digitalisierung sei nur ein Beispiel dafür. 2004 hatte kaum jemand ein Smartphone, niemand habe Twitter, Snapchat oder Instagram gekannt. Wer den Ball ins Netz schießt, sprach Koch das Motto der diesjährige Kreistage an, der erziele ein Tor. "Heute bedeutet es aber auch, dem Fußball eine Heimat im Internet und in den sozialen Medien zu geben." Deswegen, weil "eure aktiven und zukünftigen Mitglieder ständig online sind. Im Schnitt mehr als zwei Stunden täglich", erklärt der BFV-Präsident: "Das Smartphone ist immer dabei."

Man müsse anerkennen, dass junge Menschen heute das reale analoge Leben nicht so strikt von der digitalen Welt trennen wie die älteren. "Wir haben in den letzten zehn Jahren eine Online-Welt für den bayerischen Amateurfußball geschaffen, die deutschlandweit führend ist." Koch nannte unter anderem den Liveticker und den Elektronischen Spielberichtsbogen. Schatzmeister Jürgen Faltenbacher legte dem Kreistag detailliert die Ergebnisse der AG Finanzen dar, wie der Fußballverband den jährlichen Mehrbedarf des BFV in Höhe von 1,5 Millionen Euro für verschiedenste Projekte decken will (wir berichteten).

"Beste Beteiligung"

Im Amberger ACC waren 109 von 124 Vereinen vertreten, insgesamt kamen 234 von 289 Stimmberechtigte. Eine Quote von 84 Prozent, die Bezirksvorsitzender Thomas Graml (Amberg) mit Stolz kommentierte: "Die beste Beteiligung aller bisherigen Kreistage in ganz Bayern."Bezirksvorsitzender Thomas Graml stellte auf dem Kreistag in Amberg drei Umfragethemen - Abschaffung der Sonderregelung des Paragrafen 34, Einsatz von A-Junioren, Anzahl der Spielerwechsel - vor, zu denen die 234 Stimmberechtigten ihre Meinung abgeben sollten. Dieses Meinungsbild wird als Votum auf dem Verbandstag am 4. und 5. Mai in Bad Gögging vorgetragen. Dort fällt dann die Entscheidung.

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