Der etwas andere Rückblick auf die A-Klassen Nord und Süd sowie die Kreisklasse Süd
Ein Spiel dauert 83 bis 99 Minuten

Wie bitte, in der A- und Kreisklasse wird nichts geboten? Bernd Polster (Bild), Trainer des SV Kauerhof wird das so nicht unterschreiben. Das erste Halbjahr der Saison 2016/17 lieferte genügend Gegenargumente. Bild: Ziegler
Sport
Amberg in der Oberpfalz
18.12.2016
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Warum in die Allianz-Arena fahren, um spektakulären Fußball zu sehen? Meist liegt das Außergewöhnliche oft direkt beim Gewöhnlichen. Das ist im Fußball nicht anders. Denn auch direkt in der Nähe des eigenen Heims finden Fußballbegeisterte echte Schätze: Auf den Sportplätzen im Dorf, im Markt. In den A-Klassen Nord und Süd sowie in der Kreisklasse Süd ist im ersten Halbjahr mächtig viel passiert. Wir haben die spektakulärsten wie skurrilsten Szenen der drei Ligen zusammengetragen. Ein etwas anderer Rückblick mit Boxer, Schiris, die es mit der Zeit nicht so genau nehmen, und ganz vielen Toren.

Besuch aus höheren Ligen

Ein Klischee über die untersten Fußballklassen besagt: Der Ball ist nicht der Freund von den meisten Kickern. Und wenn einer mit der Kugel umgehen kann, dann ist er schon etwas älter und lässt seine Karriere in der A-Klasse ausklingeln. Das stimmt so nicht - wer ein paar Spiele gesehen hat, weiß, dass dort durchaus feine Fußballer spielen. Manchmal geben sich sogar Bayern- und Landesligakicker die Ehre. Da in der Kreisklasse und in den A-Klassen viele Reserven vertreten sind, kann es schon mal vorkommen, dass der durchschnittliche Kreisklassenkicker gegen einen gestandenen Bayernligaspieler ran muss.

Am 5. Spieltag in der A-Klasse Nord hatte der SV Michaelpoppenricht das Gefühl, plötzlich in die Landesliga aufgestiegen zu sein: Bei Gegner DJK Gebenbach II standen fünf Spieler aus dem Landesligakader auf dem Platz. Am Ende wehrte sich der SVM tapfer, musste sich aber mit 3:4 geschlagen geben. Die vier Tore der DJK? Die teilten sich zwei Kicker aus der Landesliga.

Sepp Herberger hatte Unrecht

Dreistellig wurde es dann doch nicht: In der A-Klasse Süd dauerte das Spiel der SG Etzenricht II gegen den SV Schmidmühlen II 99 Minuten. Wegen zwei schwerer Verletzungen ließ Schiedsrichterin Anna-Lena Meyer neun Minuten nachspielen. Und die Spieler auf dem Platz nutzten die zusätzliche Zeit: In der 96. Minute glich der SVS zum 4:4 aus, in der 97. Minute gelang den Hausherren der 5:4-Siegtreffer und in der 99. Minute gab's obendrauf Gelb-Rot für einen Gästekicker.

Dass es auch andersherum geht, konnte man auch in der A-Klasse Süd erleben. Die Partie des ASV Haselmühl II gegen den SC Germania endete vorzeitig: Schiri Sergej Aleschko hatte wohl genug vom Spiel und pfiff in der 83. Minute ab.

Probleme aus elf Metern

Der TSV Neudorf bekleckerte sich beim ESV Amberg nicht mit Ruhm. Gleich zwei Elfmeter ließ man ungenutzt - so blieb es beim 1:1. Es geht aber noch schlimmer: Zum Beispiel drei Strafstöße verballern. Der SV Loderhof schaffte es im Kreisklassenspiel in Kauerhof. Und zwar innerhalb von nur zwanzig Minuten. Kauerhofs Torhüter Marco Bohmann parierte zweimal, einmal flog die Kugel in den angrenzenden Wald.

Tore, Tore, Tore

Am 11. Spieltag durften die Zuschauer in Neudorf keine Minute verpassen - es hätte zu jeder Sekunde scheppern können. Das Spiel endete 6:11. Der TSV Neudorf und der SV Etzelwang ballerten in der A-Klasse Nord munter um die Wette, nur ließen es die Gäste weitaus öfter klingeln. Wie wäre die Partie wohl ausgegangen, hätte der SVE ab der 57. Minute nicht in Unterzahl gespielt?

Ganz vorne in der Torjägerliste der Kreisklasse Süd ist Thomas Kotzbauer. Der Stürmer der DJK Ursensollen ist auch der einzige Spieler in den drei Ligen, dem ein Fünferpack gelang. Beim 5:0-Sieg beim SV Kauerhof erzielte er alle Treffer seines Teams. In der A-Klasse Nord trafen Dominik Rudlof vom SV Sorghof II und der Gärbershofer Simon Cholodov je viermal in einer Partie.

Die "schlimmen Finger"

Am 3. Spieltag war die Saison in der Kreisklasse Süd noch sehr jung. Da kann man sich noch in der Sportart irren. Beim Besuch des FC Großalbershof in Ebermannsdorf flogen plötzlich die Fäuste. Für beide Streithanseln gab es folgerichtig Rot. In der A-Klasse Süd ging's sogar dem Unparteiischen an den Kragen. Utzenhofens Spielertrainer Bernd Hummel flog nach einer Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter vom Platz.

Es geht aber auch friedlicher: Mathias Wedel vom FC Großalbershof hatte vom Spiel beim SV Schmidmühlen in der 86. Minute wohl genug und forderte den Schiedsrichter auf: "Dann stell mich doch vom Platz." Der folgte der Anweisung.

Jede Menge ToreWer in den beiden A-Klassen und der Kreisklasse Süd eine Nullnummer sieht, hat richtig Pech. Denn in den drei Ligen ist ein 0:0 eine wahre Seltenheit. In 326 Spielen endeten nur 19 Begegnungen torlos. Dafür fielen in 97 Partien fünf oder mehr Treffer. Die Teams aus der A-Klasse Nord waren bisher am treffsichersten (402 Tore in 107 Spielen, im Schnitt 3,76 Treffer pro Partie). In der A-Klasse Süd klingelte es in 112 Partien 395 mal (3,52), in der Kreisklasse Süd fielen 362 Tore in 107 Begegnungen (3,38). (jut)
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