06.03.2018 - 11:10 Uhr

Ein Jahr als Chefcoach Nürnberger "Glücksfall" Köllner

Vor einem Jahr steckte der "Club" im Niemandsland der Tabelle. Michael Köllner hat seit seiner Beförderung aus dem 1. FC Nürnberg einen Aufstiegsanwärter mit Perspektive geformt - eckt aber durchaus auch an. Am Saisonende soll die Bundesligarückkehr stehen.

Michael Köllner.
von Agentur DPAProfil

Von Martin Moravec

Michael Köllner hat selbst nie höherklassig Fußball gespielt. Bis der Oberpfälzer vor einem Jahr die Nachfolge von Alois Schwartz als Trainer des damals enttäuschenden fränkischen Traditionsvereins 1. FC Nürnberg übernahm, hatte er auch keine Profimannschaft trainiert. Und dann trat Köllner nach seiner Beförderung auch noch forsch und selbstbewusst auf. Das sorgte für reichlich Skepsis im Umfeld des Fußball-Zweitligisten.

"Wenn jemand kommt, der selbst nicht über Profierfahrung verfügt, dann werden auch mal Klischees bedient und der Außenwelt erscheint das vielleicht auch suspekt", sagte Sportvorstand Andreas Bornemann der Deutschen Presse-Agentur vor Köllners Jahrestag am Mittwoch. "Das kann ich nachempfinden, ist aber nur die Außenwahrnehmung und stimmt nicht unbedingt mit der Realität überein." 

Michael Köllner hat Aufstiegsanwärter geformt

Vor der Wirklichkeit müssen die Nürnberger die Augen nicht verschließen. Innerhalb eines Jahres hat Köllner aus einem verunsicherten Team einen Aufstiegsanwärter geformt. Trotz der Niederlage im Franken-Derby gegen die SpVgg Greuther Fürth liegt der FCN als Zweiter weiter auf einem direkten Aufstiegsplatz und hat fünf Punkte Vorsprung auf Relegationsplatz drei.

Wirklich nicht schlecht für einen Coach aus Fuchsmühl im Kreis Tirschenreuth, der mitunter unkonventionell ist. Köllner lud seine Spieler schon mal im Trainingslager zu einer Klosterbesichtigung ein oder schenkte ihnen ein Buch zwecks Horizonterweiterung.  "Er verschließt sich einem inhaltlichen Austausch nicht und zeigt auch großes Interesse für den Menschen an sich. Es ist schön mit jemandem diskutieren zu können, der über den Tellerrand hinausblickt", lobte Bornemann. "Er verfolgt Ideen konsequent, ohne zu dogmatisch zu sein." 

Konkurrenzkampf erhöht

Köllner hat seiner Mannschaft um Kapitän Hanno Behrens hohe taktische Flexibilität eingetrichtert und sogar die Stammplätze abgeschafft, um den Konkurrenzkampf zu erhöhen. Der 48-Jährige arbeitet extrem lösungsorientiert und hält sich selbst - wie zuletzt im Winter - mit ökonomisch bedingten Abgängen von Talenten wie Cedric Teuchert (Schalke 04) oder Patrick Kammerbauer (SC Freiburg) nicht auf. "Man muss entscheidungsfreudig sein", sagte Köllner einmal.

Verstellen will sich der Autor von Fußball-Fachliteratur ("Dein Weg zum Fußballprofi - Ein Ratgeber für junge Talente, Eltern und Trainer") auch weiter nicht. Der sportliche Erfolg gibt dem früheren Leiter des Nachwuchsleistungszentrums der Nürnberger und ehemaligen U21-Trainer des "Club" ohnehin recht. "Wenn ihn jemand als Glücksfall bezeichnet, würde ich nicht widersprechen", sagte Bornemann.

Saisonziel Aufstieg

Das 0:2 gegen die Fürther soll nur ein Ausrutscher sein. "Unsere Ausgangslage ist ja immer noch sehr gut. Jetzt geht es darum, dass wir in Bielefeld wieder punkten", sagte Köllner vor der nächsten Aufgabe, die vor zwölf Monaten seine erste als Boss war. Im März 2017 gewann der FCN zuhause gegen die Arminia mit 1:0.

"Spätestens jetzt weiß wieder jeder, dass es nicht von alleine geht. Ich bin mir sicher, dass wir schon am Freitag in Bielefeld eine Reaktion zeigen werden", meinte Innenverteidiger Georg Margreitter. Köllner erwartet natürlich genau das. Damit am Saisonende der achte Aufstieg der Franken in die Bundesliga perfekt wird.

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