16.11.2017 - 14:52 Uhr
Sport

Ein Oberpfälzer auf Rettungsmission in der Pfalz Bugera: "Die schwierigste Situation" des FCK

Alexander Bugera (39) gibt noch lange nicht auf: Der gebürtige Amberger ist seit einigen Wochen Co-Trainer beim 1. FC Kaiserslautern - seinem Herzensklub. Zusammen mit Cheftrainer Jeff Strasser versucht der Ex-Profi den Tabellenletzten der zweiten Bundesliga, der am Montag in Dresden antritt, wieder flottzukriegen. Ein Interview mit dem Oberpfälzer in der Pfalz.

Es ist derzeit oft nicht einfach an der Außenlinie, dennoch glaubt der Amberger Alexander Bugera noch an die Rettung seines FCK. Die "Roten Teufel" leben noch. Bild: Sören Stache/dpa
von Josef Maier Kontakt Profil

Hallo Herr Bugera, die Pfalz leidet. Wie lässt sich die derzeite Gefühlslage in diesem fußballverrückten Landstrich beschreiben?

Alexander Bugera: Es ist wohl die schwierigste Situation in der großen Geschichte dieses Traditionsvereins. Wir haben bis jetzt gerade mal sieben Punkte aus 13 Spielen, stehen am Tabellenende. Aber der FCK hat auch deswegen eine große Geschichte, weil er niemals aufgibt. Wir werden es noch schaffen, davon bin ich überzeugt.

Der Pfälzer und der FCK, das ist ja eine besondere Beziehung, oder?

Kaiserslautern ist absolut fußballverrückt. Hier sind immer sehr viele Emotionen dabei. Und die Region hat ja fußballerisch auch schon bessere Zeiten erlebt.

War der Umbruch im Sommer zu groß. Es kamen mehr als 15 Neuzugänge ...

Das ist schwer zu sagen. In den letzten Jahren gab es ja schon eine große Fluktuation. Wir waren ja auch in den letzten drei Jahren schon hinten drin, dann ist es auch schwer, gute Spieler zu halten.

Was macht Hoffnung, dass es mit dem Klassenerhalt klappt?

Hoffnung macht unser Kampfgeist und der FC St. Pauli. Der hatte in der vergangenen Saison nach der Vorrunde nur 11 Punkte. Und dann hat er auch noch das erste Spiel nach der Winterpause gegen Stuttgart verloren. Und trotzdem sind sie in der Liga geblieben. Wir haben erst den 13. Spieltag und wir sind nicht abgeschlagen. Das ist nicht hoffnungslos.

Vor etwa zehn Jahren waren Sie als Spieler mit den Lauterern in einer ähnlichen Situation ...

Ja, in der Saison 2007/2008 hatten wir fünf Spieltage vor Schluss acht Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Und dann haben wir es am letzten Spieltag gerichtet. Da haben wir gegen den 1. FC Köln, der damals bereits aufgestiegen war, mit 3:0 gewonnen. Das war das berühmte "Herzblut-Finale". Das ist von den Fans gefeiert worden wie ein Titel.

Was wird entscheidend sein?

Das Wichtigste wird sein, dass alle den Glauben an die Rettung nicht verlieren, auch die Fans nicht. Aber es ist derzeit auch so, dass wir auf dem Platz nicht das zeigen, was die Fans verdienen.

Sie waren bis Ende September Trainer der U19. Wie kam's zur schnellen Rückkehr ins Profigeschäft?

Ich war bei einer Trainerfortbildung des DFB in Nürnberg, als der Anruf vom FCK kam. Es hieß, ich soll zunächst mit Manfred Paula (Leiter des Nachwuchsleistungszentrums; die Red.) übernehmen. Es war schon da mein Wunsch, bald wieder als Trainer zur U19 zurückzukehren. Ich sehe mich nicht als typischen Co-Trainer. Ich will meinen Weg gehen. Und da ist es für mich auch wichtig, meinen Fußballlehrer zu machen. Ich wollte also zur U19 zurück ...

... und dann wurde Jeff Strasser verpflichtet.

Ja, dann kam Jeff Strasser. Er kam alleine, weil sein Co-Trainer in Luxemburg kein Deutsch sprach. Also ging die Suche weiter. Jeff hat mich dann gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könne, bis zum Saisonende als Co-Trainer zu arbeiten. Dann habe ich es gemacht, ich wollte da auch meinem Verein etwas zurückgeben. Jetzt ist geplant, dass ich nach Saisonende wieder U19-Trainer werde.

Wie würden Sie Jeff Strasser charakterisieren?

Er kennt ja den FCK schon, hat hier gespielt. Mit ihm kann man sich gut austauschen, da wird viel diskutiert, alle werden mit einbezogen. Ich kann da auch viel für mich mitnehmen. Aber das Allerwichtigste ist jetzt, diesen Traditionsverein in der zweiten Liga zu halten. Da muss alles andere zurückstehen, auch meine eigene Entwicklung.

Wie sehr sind Sie bei den jungen Spielern als Psychologe gefragt?

Da wir eine sehr junge Mannschaft haben, kennen viele Spieler die Situation nicht. Was uns fehlt, ist auch Konstanz. Gegen Fürth und Pauli war es gut, dann gab es den Dämpfer gegen Duisburg, dann waren wir wieder gut im Pokal gegen Stuttgart, und danach kam dieses Spiel in Regensburg, wo wir total enttäuscht haben. Der Jahn hatte mehr Leidenschaft, das haben wir vermissen lassen.

Ist ein Trainerposten im Profibereich Ihr großes Ziel?

Das weiß ich noch nicht. Vor fünf Jahren konnte ich mir nicht vorstellen, Jugendtrainer zu sein. Und jetzt hat es mir so viel Spaß gemacht. Wenn man die Entwicklung von jungen Spielern sieht, macht das Riesenspaß. Da will ich mich jetzt nicht festlegen. Mein persönliches Ziel ist, den Fußballlehrer zu machen. Ich hoffe, dass ich da nächstes Jahr zugelassen werde.

Vergangenes Wochenende konnten Sie in Amberg, der alten Heimat, etwas durchschnaufen ...

Das war sehr schön. Die letzten Wochen waren doch sehr stressig. Am Samstag bin ich zu meinen Eltern, abends dann mit Freunden in die Stadt.

Und Sie haben Ihrem alten Klub Inter Bergsteig Glück gebracht ...

Ja, ich war beim 3:0 gegen den Bezirksliga-Spitzenreiter Hahnbach. Ich muss schon sagen, das ist eine gut ausgebildete Mannschaft. Hahnbach hatte viel Ballbesitz, Inter hat aber gute Konter gefahren und verdient gewonnen.

Das Allerwichtigste ist jetzt, diesen Traditionsverein in der zweiten Liga zu halten.Alexander Bugera

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