Im Team mit Weltmeister Peter Sagan
Schillinger ist jetzt in der "Formel 1"

Der gebürtige Haselmühler Andreas Schillinger mischt mit seinem Team 2017 im Konzert der ganz Großen mit. Bild: Bora-Argon 18
Sport
Amberg in der Oberpfalz
21.12.2016
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Quantensprung für das deutsche Bora-Radteam: Ab 2017 startet es mit einer WorldTour-Lizenz. Mit dabei ist dann Peter Sagan, der bekannteste Radprofi der Welt - und auch weiterhin Andreas Schillinger. Der Haselmühler ist begeistert und freut sich auf die neue Saison.

Die ganz Großen des Radsports bekommen Konkurrenz: Das deutsche Bora-Team, das ab 2017 Bora-Hansgrohe heißen wird. Dank des neuen Sponsors und der WorldTour-Lizenz fährt die Mannschaft von Andreas Schillinger ab dem neuen Jahr in der ersten Liga - als eines der absoluten Topteams.

Neuer Zweijahresvertrag

Schillinger ist mindestens die nächsten zwei Jahre dabei, so lange läuft sein neuer Vertrag bei Bora. Für die kommende Saison wurden 13 neue Fahrer verpflichtet. Unter anderem kam Leopold König, der 2014 "Tour"-Siebter wurde, und Rafal Majka, der in diesem Jahr die Frankreichrundfahrt als bester Kletterer abschloss. Der aufregendste Zugang ist jedoch Peter Sagan. Der Slowake ist aktueller Weltmeister und gewann zuletzt fünfmal in Folge das grüne Trikot der Tour de France.

"Er ist ein total entspannter Typ, der immer einen lockeren Spruch drauf hat", sagt Andreas Schillinger über ihn. Es herrscht ohnehin ein entspanntes Verhältnis unter den Fahrern, verrät der 33-jährige Radprofi aus der Oberpfalz. "Es gibt keine Hierarchie, wir sind alle gleichgestellt." Zum ersten Mal hat Schillinger seine neuen Teamkollegen im Oktober getroffen, aber Zeit, um sie besser kennenzulernen, hatte er erst in den letzten Wochen. Montagabend kam der Haselmühler aus dem Trainingslager in Spanien zurück. "Das war schon sehr umfassend. Hauptsächlich waren wir im Training, haben aber auch viel an der Optimierung und Aerodynamik gearbeitet."

Bis vor vier Wochen konnte Schillinger aber nicht einmal aufs Rad. Ein Bandscheibenvorfall samt Operation und Reha setzte ihn rund ein Monat außer Gefecht. "Ich bin noch nicht bei 100 Prozent." Bis zu den ersten Rennen sollte aber alles wieder in Ordnung sein: "Erfahrungsgemäß ist meine Regeneration schnell, bis Februar bin ich wieder konkurrenzfähig." Bis zum 8. Januar trainiert Schillinger in Amberg, wo er mit seiner kleinen Familie lebt. Dann geht's nach Mallorca ins nächste Trainingslager.

Alles durchstrukturiert

Andreas Schillinger verdeutlicht die Veränderungen bei Bora: "Wir waren dieses Jahr 40 Leute im Team, nächstes Jahr sind wir 80." Aber nicht nur personell hat sich einiges getan. "Es hat sich alles weiter professionalisiert: Jeder Bereich ist durchstrukturiert, der Kontakt mit den Trainern ist viel intensiver. Unser Fahrradhersteller versucht jedes halbe Prozent aus dem ganzen System herauszuholen." Der 33-Jährige überlegt und zieht einen Vergleich: "Das geht schon arg Richtung Formel-1-Niveau."

Für ihn persönlich bedeutet das Ganze: "Meine Aufgaben im Team sind jetzt klar definiert." Schillinger wird sich wieder auf die Klassiker konzentrieren - Gent-Wevelgem, Flandern-Rundfahrt, Paris-Roubaix. "Meine Rolle ist ganz klar: Nicht mehr versuchen, auf Platz 15 zu fahren, sondern Peter Sagan zu unterstützen, damit er die Dinger gewinnt." Sollte der Superstar Siege einfahren, hat Andreas Schillinger einen guten Teil dazu beigetragen, die ganz Großen zu schlagen.

Schillingers 2016"Ich hatte kein schlechtes Jahr, aber ich denke 2015 war ich einen Tick besser in Form. Das Jahr geht mit einer Note 3 durch." Exakt 33 087 Kilometer hat er 2016 auf dem Rad zurückgelegt, rund 170 bis 190 Tage war er auf Reisen. Das ist gar nicht so leicht, mit einem kleinen Jungen zu Hause. "Mein Sohn kam fünf Tage vor der Tour zur Welt und ich war dann vier Wochen unterwegs. Das waren die härtesten vier Wochen überhaupt. Aber mittlerweile ist er ein gestandener Mann, der kann das ab", scherzt Schillinger.


Meine Rolle ist ganz klar: Nicht mehr versuchen, auf Platz 15 zu fahren, sondern Peter Sagan zu unterstützen, damit er die Dinger gewinnt.Andreas Schillinger
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