Kurioses rund um den DFB-Pokalschlager zwischen dem FC und Gladbach
Heynckes und das Filmdoserl

Trainer Jupp Heynckes (links) von Borussia Mönchen-Gladbach am 30.08.1986 im Hotel "Hammermühle" in Freudenberg bei einer Podiumsdiskussion mitt Hermann Fellner (rechts) 1. Vorsitzender des 1. FC Amberg.
Sport
Amberg in der Oberpfalz
16.04.2018
512
0
 
Helmut Ziegler - seit Jahrzehnten sind er und sein Sohn Hubert als Reporterteam mit Kamera, Stift und Block auf den Sportanlagen der Region für die AZ unterwegs. Bild: zig

Als wäre es grad eben erst gewesen. So sprudelt es aus AZ-Sportfotograf Helmut Ziegler heraus. Er erinnert sich an das DFB-Pokalspiel zwischen dem 1. FC Amberg und Borussia Mönchengladbach am Samstag, 30. August 1986. Und an eine nette Begebenheit - inklusive Filmdose - mit dem bereits zu Lebzeiten zur Legende gewordenen Jupp Heynckes.

Der regelmäßige Blick in das Archiv der Amberger Zeitung hatte vergangene Woche ein für die Region herausragendes Fußballspiel im Fokus: erste Hauptrunde im DFB-Pokal zwischen dem damaligen Bayernligisten 1. FC Amberg und dem Bundesligateam von Borussia Mönchengladbach. An der Außenlinie der Gäste stand damals während seiner ersten Station einer langen Trainerkarriere Jupp Heynckes. Jener Mann, der den FC Bayern München zum 28. Mal zum Deutschen Meister werden ließ und der mit den Begegnungen gegen Real Madrid an das Tor zum Champions-League-Finale klopft.

Vor dem regionalen Straßenfeger am Schanzl nahm ein Journalist aus dem Rheinland Kontakt zu Helmut Ziegler auf und fragte nach, ob er denn nicht Szenen von dieser Partie auf Film bannen und ihm zur Veröffentlichung in einer in Mönchengladbach erscheinenden Tageszeitung zukommen lassen könnte. "Kein Problem", entgegnete Ziegler, "aber wie sollen die Fotos zu Ihnen gelangen?" In der damals noch nicht digitalen Welt ein berechtigter Einwurf. Den aber räumte der Mann am anderen Ende der Festnetzleitung beiseite. "Am Sonntag nach dem Spiel ist in Amberg Training und Pressekonferenz. Da gehen Sie zu Jupp und geben ihm den Film. Der Rest wird dann schon erledigt", erinnert sich Ziegler an das Telefonat.

"Mir war da schon etwas mulmig", weiß Ziegler heute noch. Denn eigentlich handelte es sich ja um einen wirklich nicht alltäglichen Auftrag. Dessen ungeachtet sprach er den Trainer der "Fohlen"-Elf an, fand sofort Gehör und war überrascht, wie aufgeschlossen Jupp Heynckes seinem Anliegen in den Räumen der festlich ausstaffierten Kegelanlage im FC-Stadion gegenüberstand.

Der Borussen-Coach nahm die Filmdose an sich und versprach, sie an die richtige Adresse weiterzugeben. So kam es dann auch, dass die noch zu entwickelnden Fotoaufnahmen rechtzeitig ihr Ziel erreichten: "Am Montag war dann tatsächlich eines unserer Bild in der dortigen Zeitung abgedruckt", weiß Ziegler.

Der Amberger, damals nebenher auch Stadionsprecher bei den Gelb-Schwarzen von der Vils, war an diesem letzten Augustwochenende jedoch nicht nur als Fotograf ein gefragter Mann. "Der Westdeutsche Rundfunk hatte für sein Fußballnachmittagsprogramm darum gebeten, dass ich einige Eindrücke vom Spiel übermitteln sollte. So kam es, dass ich drei- oder viermal live für den WDR auf Sendung gegangen bin." Dabei hatten die Planungen der Familie Ziegler für besagtes Wochenende völlig anders ausgesehen: "Wir wollten miteinander in Nizza Urlaub machen." Dort aber fuhren nur Frau und Tochter hin. "Hubert und ich hatten uns dafür entschieden, zu bleiben, um das Spiel samt Drumherum am Schanzl erleben zu dürfen."

Gegner im DFB-Pokal: Wie aus Leverkusen Mönchengladbach wurdeIn seinem Blick zurück wusste Helmut Ziegler aber auch von einer weiteren Kuriosität im Zusammenhang mit der damaligen ersten Hauptrunde im DFB-Pokal. "Eigentlich hätte der 1. FC Amberg gegen Bayern Leverkusen antreten müssen." So war die Partie auch aus der Lostrommel gezogen worden. Doch als die letzte Paarung zum Aufruf kam, da sah sich der inzwischen längst verstorbene DFB-Funktionär Walter Baresel damit konfrontiert, dass sich im Ziehungsgerät nur eine Kapsel befand - jene von Tennis Borussia Berlin. Nach kurzer Nachschau kam am Boden liegend das Zettelchen mit dem Aufdruck Stuttgarter Kickers zum Vorschein. Baresel fand, dass Tennis Borussia gegen die Kickers damit gleichzeitig das letzte Spiel sei, und verkündete das auch so. Doch hatte er seine Rechnung ohne die Stuttgarter gemacht. Die hielten nichts von der Entscheidung. Sie legten Protest ein und hatten Erfolg. Am Samstag darauf wurde erneut vor laufender Kamera gelost und dabei fiel dem 1. FC Amberg Borussia Mönchengladbach zu. Rund 7000 Zuschauer durften diese Begegnung live im Stadion ansehen. Übrigens: Auch nach der zweiten Ziehung hieß es Stuttgarter Kickers gegen Tennis Borussia Berlin. Und für die Schwaben war erst nach dem Finale im Berliner Olympiastadion Schluss, als sie dem von Ernst Happel trainierten Hamburger SV mit 1:3 unterlagen. (ben)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.