07.03.2017 - 13:36 Uhr
Sport

Mixed Martial Arts: Eine Sportart auf dem Vormarsch Mehr als nur kämpfen

Bergsteig, 18.48 Uhr: Das Training hat noch nicht mal richtig angefangen, und die Fensterscheiben sind schon beschlagen. Hampelmänner, Liegestützen und Dehnübungen bringen auch schon ins Schwitzen. Ein bisschen Aufwärmen, bevor es beim MMA Fight Team Amberg richtig zur Sache geht.

von Marion Espach Kontakt Profil

Und das ist im Mixed-Martial-Arts-Training so gut wie immer der Fall. "MMA vereint alle Kampfsportarten, die es gibt", erklärt Darrell Collier. Gemeinsam mit Mateusz Osicki (31) trainiert er mit den Team-Mitgliedern Schlag- und Tritttechniken aus Kickboxen, Brazilian Shiatsu, Karate, Judo oder Taekwondo. Wer gegen den Gegner ankommen will, muss außerdem den Boden- und Ringkampf beherrschen. Eine Vielfalt, die diese Sportart unberechenbar macht. "Aber gerade weil sie so vielseitig ist, ist sie faszinierend", erklärt der 36-jährige Collier.

Das Prinzip der gemischten Kampfkünste ist einfach: viele Techniken, wenige Regeln. Verboten sind Schläge und Tritte gegen Hals, Kopf und Wirbelsäule. Auch die Augen sind tabu. Berührt ein Sportler den Boden mit beiden Knien und einer Hand, darf der Gegner nicht mehr mit den Knien nach ihm treten. "Das war's eigentlich schon mit den Regeln", überlegt Collier. Ein Grund, warum MMA umstritten ist. Die Kritk daran: zu brutal und unfair. Denn selbst wenn der Gegner schon am Boden liegt, darf weitergekämpft werden. Was aber nicht heißt, dass ein Wettkampf böse ausgehen muss. "Wenn man kontrolliert und konzentriert kämpft, passiert auch nichts", erklärt Osicki. "Aber klar, man holt sich auch mal blaue Flecken." Er muss es wissen, immerhin hat er sich schon zweimal den polnischen Meistertitel erkämpft.

Das war's eigentlich schon mit den RegelnTrainer Darrell Collier

Auch wenn es viele MMA-Gegener gibt - der 31-Jährige hatte noch nie mit Kritik zu kämpfen. "Bisher hat aus meinem Umfeld noch niemand etwas Negatives darüber gesagt", überlegt Osicki. Weder, als er als Profi in den Käfig stieg, noch seit er in Amberg andere dafür fit macht. Genauso geht es Collier. Mit neun Jahren hat er MMA für sich entdeckt; mit Kritik wurde er in all den Jahren nicht konfrontiert. "Ich musste mich auch noch nie dafür rechtfertigen, warum ich ausgerechnet diesen Sport mache."

MMA ist mehr, als in einen Käfig zu steigen und den Gegner K.o. zu schlagen. Den anderen richtig einzuschätzen, seine nächste Bewegung vorherzusehen, schnell und gleichzeitig kontrolliert darauf zu reagieren - das fordert Körper und Geist gleichermaßen. "Ich denke, wenn man den Leuten richtig erklärt, was MMA eigentlich ist, erkennen sie auch, dass es nicht so brutal ist", meint Collier. Außerdem kennen die Trainer die Menschen, die hinter den Sportlern stecken, und wissen: Das sind entspannte und korrekte Menschen mit einem geordneten Leben, haben Familie und Freunde. "Keiner von ihnen kommt ins Training, um am Wochenende loszuziehen und Blödsinn anzustellen." Im Gegenteil: Sie haben Respekt, einen guten Charakter, sind bereit zu lernen. "Das sind genau solche Menschen, die wir im Fight-Club brauchen", erklärt Collier.

Hauptsächlich gehören zum Amberger Fight-Team Männer. Es gibt aber auch ein paar Frauen, die vom Käfig-Kampf fasziniert sind. "Momentan haben wir vier weibliche Mitglieder", so Mateusz. Meistens trainieren sie gegeneinander, manchmal bekommen sie auch einen männlichen Partner. Eine ungleiche Kraftverteilung, die auch ihre Vorteile hat. "Wenn man auch mal mit einem Mann trainiert, wird man dadurch selber stärker", findet Michelle Baumgärtner. Die 25-Jährige hat im Frühjahr 2016 den Kampfsport für sich entdeckt. Dass es auch mal grober zugeht, macht ihr nichts aus. "Da gewöhnt man sich dran."

An Wettkämpfen nehmen die Mitglieder des Fight-Clubs bisher noch nicht teil. "Aber das wäre natürlich toll", schwärmt Mateusz. Momentan ist er deshalb damit beschäftigt, ein paar der Sportler auf ihren ersten Wettkampf vorzubereiten. Wann es so weit ist, weiß er nicht. Aber eines kann er schon jetzt sagen: Bis dahin werden sie noch oft ins Schwitzen kommen.

Über das MMA Fight-Team Amberg

Eigentlich war das MMA Fight-Team ein Kickboxverein - bis ihn Mateuzs Osicki 2006 übernommen hat. Gemeinsam mit Darrell Collier trainierte er schließlich andere MMA-begeisterte Sportler, zuerst in der Stigler-Halle, danach in Raigering. Im Februar 2017 sind sie in die Rosenthalstraße am Bergsteig umgezogen. Wer sich für Mixed-Martial-Arts interessiert, kann sich auf der Facebookseite des Teams darüber informieren. (esm)

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