13.03.2018 - 15:52 Uhr

Nach dem Bezirkstag: Gedankenspiele über Kreisreform - Interview mit Thomas Graml "Wir stehen vor großen Herausforderungen"

Der kleinste war auch der letzte in der Reihenfolge: Am Montag beendete die Oberpfalz mit ihrem Fußball-Bezirkstag im ACC Amberg den Reigen der Kreis- und Bezirksversammlungen des Bayerischen Fußballverbandes. Bemerkenswert: Vor allem die höherklassigen Vereine interessierte der Bezirkstag wenig.

von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Die Beteiligung sonst war gut: Von den 216 stimmberechtigten Fußballvereinen schickten 174 ihre Delegierten nach Amberg. Aber nur 32 der 60 Clubs von Bezirksliga bis einschließlich 2. Liga. Jahn Regensburg - als Zweitligist der Spitzenclub der Oberpfalz - war in Amberg dabei. "Das ist sehr bedauerlich, dass rund die Hälfte fehlte", sagt Thomas Graml, der im Amt bestätigte Vorsitzende der Oberpfalz. "Ich will mich als Bezirks-Vorsitzender zu 100 Prozent für den Fußball in der Oberpfalz einsetzen. Wir stehen vor großen Herausforderungen und ich möchte diese zusammen mit den Vereinen anpacken", erklärte Graml.

Digitalisierung, Ehrenamt

In seiner 45-minütigen Rede ("Genau eine Halbzeit", so ein Delegierter) ging BFV-Präsident und 1. DFB-Vizepräsident Rainer Koch auf die Modernisierung und Digitalisierung des Amateurfußballs in Bayern ein. "Den Ball ins Netz", lautet das Motto hierfür. Koch forderte "weniger Bürokratie und weniger Steuerärger für die Verantwortlichen der kleinen Amateursportvereine." Das Ehrenamt anerkennen verlange konkretes Handeln. "Liebe Politiker und Politikerinnen, ihr müsst das Gemeinnützigkeitsrecht verbessern, sonst werden es bald immer weniger Frauen und Männer sein, die sich ehrenamtlich engagieren." Auch die Pläne und die künftige Ausrichtung bei den Verbandsfinanzen wurden den Teilnehmern wie schon bei den kürzlich veranstalteten 24 Runden Tischen in ganz Bayern und den Kreistagen von BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher ausführlich dargelegt.

"Aushängeschild"

Eine von Andreas Hahn moderierte Talkrunde mit dem Fifa-Schiedsrichterassistent Eduard Beitinger, dem "Aushängeschild der Oberpfalz" (Graml) und BFV-Arzt Dr. Werner Krutsch rundete den Bezirkstag ab. Beitinger war zuvor am Sonntagabend noch in Dortmund: als Linienrichter beim Bundesligaspiel der Borussia gegen Eintracht Frankfurt.

Bezirksvorsitzender Thomas Graml: Drei Schwerpunkte für die kommenden vier Jahre

Gedanken über eine Kreisreform

Amberg. (ref) Thomas Graml ist gelernter Bankkaufmann und stammt aus dem Amberger Stadtteil Raigering. Seit 20 Jahren arbeitet er bei der Stadtverwaltung Amberg, aktuell als stellvertretender Leiter der Stabsstelle "Kommunikation und Marketing". Der 46-Jährige ist (noch) Vorsitzender des SV Raigering, mit knapp 1200 Mitgliedern der zweitgrößte Stadtverein nach dem TV 1861.

Herr Graml, was haben Sie sich für Schwerpunkte in den nächsten vier Jahren Ihrer Amtsperiode als Bezirksvorsitzender der Oberpfalz gesetzt?

Graml: Es gibt drei Schwerpunkte. Nummer eins ist, dass wir im Rahmen der Mannschaftpyramide den Spielbetrieb aufrechterhalten. Dazu müssen wir uns Gedanken über eine eventuelle Kreisreform machen, die in fünf bis sechs Jahren kommen wird.

Momentan gibt es drei Kreise, Amberg/Weiden, Schwandorf/Cham und Regensburg. Was wird sich ändern?

Es könnte aufgrund der demografischen Entwicklung einer weniger werden. Wir müssen das ganze Fußballgebiet Oberpfalz sehen, und wie wir es am besten einteilen. Ob es dann eine Aufgliederung in Ost und West oder Nord und Süd geben wird, ist noch offen. Darüber werden wir mit den Vereinen sprechen.

Schwerpunkt Nummer zwei?

Das ist der Schiedsrichtermangel. Momentan sind alle Spiele ab den D-Junioren aufwärts besetzt. Das werden wir in naher Zukunft nicht mehr leisten können. Wir müssen mehr Sportkameraden zur Schiedsrichterei bringen.

Was ist der dritte Schwerpunkt, auf den Sie Wert legen?

Wir müssen unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter fortbilden, damit wir zukunftssicher sind. Wie Präsident Koch schon sagte, müssen wir nicht mehr machen, sondern einiges anders.

Was bedeutete das konkret?

Wir brauchen einen besseren Service für unsere Vereine. Das heißt, ständige und kompetente Ansprechpartner.

Werden Sie beim Verbandstag zum BFV-Vizepräsidenten gewählt? Ein Amt, das Ihr verstorbener Vorgänger Max Karl innehatte?

Nein. Robert Schraudner aus Oberbayern hat ja diesen Posten nach dem Tod von Max Karl übernommen. Ich werde mich aus zeitlichen und beruflichen Gründen beim Verbandstag nicht zur Wahl stellen.

Am 23. März sind auch Wahlen beim SV Raigering. Treten Sie erneut als Kandidat an?

Ich werde mich nicht mehr zur Wahl als 1. Vorsitzender stellen und auch kein anderes Amt beim SV Raigering mehr übernehmen. Seit 1988 hatte ich immer eine Funktion beim Verein. Aber als Bezirksvorsitzender bin ich ausgelastet genug.

Liebe Politiker und Politikerinnen, ihr müsst das Gemeinnützigkeitsrecht verbessern, sonst werden es bald immer weniger Frauen und Männer sein, die sich ehrenamtlich engagieren.Dr. Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußballverbandes

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