Sebastian Schulik der Pechvogel der Saison beim FC Amberg
Bus fahren statt Tore schießen

"Ich bin Fußballer, ich will spielen. Wenn man die anderen immer auf dem Platz sieht und selber nicht kann, wird man irgendwann verrückt", sagt Sebastian Schulik. Er kann aufgrund einer Verletzung seit Juli 2016 bis zu seinem Einsatz gestern Abend in Aschaffenburg nicht mit seinen Mannschaftskollegen vom FC Amberg auf dem Feld stehen. Bild: ref
Sport
Amberg in der Oberpfalz
21.04.2017
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Nach zwei Jahren beim SC Feucht mit 61 Treffern in 64 Pflichtspieleinsätzen in der Landesliga und Bayernliga wechselte Sebastian Schulik im Juni 2016 zum FC Amberg. Hier waren die Erwartungen an den Top-Torjäger entsprechend hoch.

Jetzt, kurz vor Saisonende, stand Schulik erst 17 Minuten in einem Punktspiel für die Amberger auf dem Platz - am Freitag Abend in Aschaffenburg. Denn gleich im zweiten Vorbereitungsspiel im Juli letzten Jahres verletzte er sich: Adduktorenansatz-Reizung. Der Beginn einer langen Leidensgeschichte.

Mit Rotlicht


"MRT-Bilder haben gezeigt, dass die Knochen in Ordnung sind. Aber der Ansatz der Adduktoren war entzündet", erzählt Schulik. Nach einem Monat Ruhe begann das Reha-Programm im Rehazentrum am Valznerweiher in Nürnberg. "Mit Massagen, Ultraschallbehandlungen, Strom-Therapien und Übungen im Kraftraum hat man versucht, meinen Körper zu stabilisieren und eine leichte Beckenschiefstellung wieder gerade zu richten." Zusätzlich nahm Schulik entzündungshemmende Medikamente. "Daheim auf der Couch hab ich ein Wärme-Kissen drauf gelegt oder die Stelle mit Rotlicht bestrahlt." Zwei bis drei Mal in der Woche war er im Rehazentrum. Ein bis zwei Mal pro Woche hat ihn zusätzlich ein Spezialist in Regensburg behandelt. "Und ich bin jedes Training da gewesen, jedes Spiel - egal ob auswärts oder Heimspiel. Ich habe versucht, die Mannschaft trotzdem zu unterstützen. Im Training hab ich natürlich mein individuelles Programm gemacht. Die Übungen aus der Reha konnte ich hier in unserem Kraftraum selber praktizieren. Ich war die komplette Woche mit Sport beschäftigt, um so schnell wie möglich wieder fit zu werden."

Der Frust war groß: "Ich mag es prinzipiell nicht, meiner eigenen Mannschaft zuzuschauen. Weil man immer das Gefühl hat, in der einen oder anderen Situation etwas beitragen zu können."

Schulik wohnt in Nürnberg, studiert dort Wirtschaftsingenieurwesen. "Einfach war es nicht, die ganzen Behandlungen, das Training und die Uni zu koordinieren. Nebenbei habe ich noch zweimal in der Woche als Werksstudent bei Siemens gearbeitet. Das war ein Riesenpensum."

Der Plan war es, das Reha-Programm bis zur Winterpause strikt durchzuziehen. In der Hoffnung, dass der Stürmer in der Wintervorbereitung wieder angreifen kann. "Letztendlich hat das alles aber nicht den gewünschten Erfolg gebracht." Gegen Ende des Jahres wurden die Probleme zwar besser und Schulik machte die ersten Einheiten der Vorbereitung mit, aber "die grundlegende Problematik war nicht weg. In der Tiefe hatte ich nach wie vor Beschwerden." Er musste das Training immer früher abbrechen, bis er nach einer Woche ganz aufhörte.

Ein neues MRT Anfang Februar zeigte: Die Entzündung war noch immer da. "Da war ich richtig geknickt. Alles was ich gemacht habe, war umsonst. Eine schwierige Situation", erinnert sich Schulik. An sein Karriereende hat er aber trotzdem nie gedacht. "Ich wusste halt nicht, in welche Richtung es geht. Ob es vielleicht für die Bayernliga nicht mehr reicht, weil die Verletzung zu gravierend ist."

Noch ein paar Jährchen ...


Ein Spezialist in Landshut operierte ihn schließlich am 22. März. Der Arzt diagnostizierte eine Sportlerleiste und pflanzte ihm ein Netz ein, das die Gewebe-Wand, die an mehreren Stellen zu weich war, jetzt stärkt. Dadurch wird der Adduktorenansatz entlastet. "Vielleicht wäre eine Operation schon früher erforderlich gewesen. Aber ein Eingriff birgt immer ein Risiko und man hat es eben erst mit Alternativen versucht. Im Alltag hatte ich ja keine Probleme. Aber ich hab halt vor, noch ein paar Jährchen Fußball zu spielen."

Das war vor gut vier Wochen. Am Mittwoch absolvierte Schulik seine erste Trainingseinheit mit der Mannschaft. "Viel kann ich noch nicht sagen, aber die OP hat scheinbar gut geklappt. Jetzt müssen nur noch die Muskeln wieder funktionieren. Da kann ich Joggen gehen so oft ich will, aber die Intensität im Training ist ganz anders."

Trotz seiner Verletzung kurz nach dem Wechsel zum FC wurde Schulik gut ins Team aufgenommen: "Mir gefällt es hier und ich verstehe mich super mit der Mannschaft. Irgendwann wurde ich umfunktioniert zum Busfahrer für die Auswärtsspiele, damit die anderen sich aufs Spiel konzentrieren können", sagt er und lacht. "Ich würde mich freuen, noch eine Saison in Amberg dranzuhängen, um endlich meinen Teil beizutragen und meiner Schuldigkeit nachzukommen." Gespräche gab es noch keine. Er habe den Verantwortlichen gesagt, dass sie erst mal mit denen sprechen sollen, die die letzten Monate die Knochen hingehalten haben.

"Die Erwartungshaltung an mich ist hoch. Da hat man einen Stürmer geholt und dann ist der die ganze Saison verletzt. Das tut mir leid für den Verein." Von den Trainern habe er sich aber nie unter Druck gesetzt gefühlt. Die restliche Saison will er auf sich zukommen lassen: Möglichst viele Trainingseinheiten und Spielminuten, um fit zu werden.

Die Erwartungshaltung an mich ist hoch. Da hat man einen Stürmer geholt und dann ist der die ganze Saison verletzt.Sebastian Schulik


Ich würde mich freuen, noch eine Saison in Amberg dranzuhängen.Sebastian Schulik
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